Bahntest 2011

Passagiere bemängeln vor allem schmutzige Toiletten

Einer neuen Untersuchung zufolge finden Fahrgäste die Bahn gar nicht so schlecht. Sie stören sich allerdings an schmutzigen Zugtoiletten und Fahrplanabweichungen.

Foto: dpa

Die Bahn ist besser als ihr Ruf. Zu diesem für manchen gewiss eher überraschenden Ergebnis kam eine Untersuchung des "Verkehrsclub Deutschland" (VCD). Verspätungen und dreckige Toiletten stören danach Zugreisende am meisten, insgesamt finden sie die Bahn aber gar nicht so schlecht, vermerkt der am Dienstag in Berlin vorgestellte "Bahntest 2011" des ökologisch orientierten VCD.

Für Angaben zu Fahrplanabweichungen während der Fahrt vergeben demnach Gäste der Deutschen Bahn im Schnitt lediglich die Schulnote 3,2. In zwei von fünf Fällen sei für Verspätungen, Umleitungen und Fahrtunterbrechungen keine Begründung angegeben worden.

Nach einer Qualitätsinitiative der Deutschen Bahn vom vergangenen Jahr sollten unter anderem Züge sauberer und Kunden besser informiert werden. Der VCD ließ nun untersuchen, ob sich schon etwas getan hat. Dazu hatten zwischen April und September Hunderte Bahnkunden ihre Erfahrungen bei insgesamt 1404 Fahrten mit ICE, IC oder EC protokolliert. Die Befragung ist nicht repräsentativ.

Die schlechtesten Noten gab es für mangelnde Informationen bei Fahrplanabweichungen und schmutzige Toiletten. Nur die Hälfte der Toiletten in Fernverkehrszügen wurden als sauber beurteilt, in IC- und EC-Zügen erfüllte nur jedes dritte WC die Ansprüche der Kunden.

150 Stellen für Reinigungskräfte streichen

"Hier muss dringend etwas passieren", sagte der VCD-Bundesvorsitzende Michael Ziesak. Die Toiletten sollten auch während der Fahrt geputzt werden. Die Bahn wolle aber 150 Stellen für Reinigungskräfte streichen. Eine Sprecherin der Bahn bestätigte diese Zahl nicht. "Das Entscheidende ist, dass die Züge unterwegs gereinigt werden. Das ist auch weiterhin geplant", sagte sie.

Die VCD-Erhebung werde sorgfältig ausgewertet. "Einiges, was der VCD anspricht, ist im Hause schon erkannt, insbesondere was Fahrgastinformation angeht", sagte sie.

Insgesamt erteilte der VCD ein gutes Zeugnis. Besonders positiv bewertet wurden Kompetenz und Freundlichkeit der Zugbegleiter sowie saubere Bahnhöfe, insbesondere in Ostdeutschland. Kunden, die häufig mit dem Zug fuhren, seien zufriedener als Wenigfahrer.

Verspätungen sind dem "Bahntest" zufolge noch immer ein großes Problem. Jeder dritte Zug erreiche sein Ziel nicht pünktlich. Dass die Bahn andere Zahlen nenne, liegt nach Aussage der Verfasser daran, dass die Bahn auch Zwischenhalte einbeziehe, die rechtzeitig erreicht werden.

Ziesak forderte, die Bahn solle genügend Reservezüge bereithalten und zudem mehr Geld in Weichenheizungen und Enteisungsanlagen investieren. Auch solle die Bahn ihren Fahrplan so ändern, dass mehr Anschlusszüge erreicht werden. "Der derzeitige Fahrplan ist ein Optimal-Fahrplan, der nur funktioniert, wenn es keine Störung gibt", sagte Ziesak.