Iranischer Schokokuchen und amerikanische Zuckerperlen

Berliner verkauft Süßigkeiten aus der ganzen Welt

Mit seiner originellen Geschäftsidee trotzt der Berliner Alexis Agné der wenig experimentierfreudigen Süßwarenindustrie. In seinem Online-Handel Sugafari kann man das kaufen, was in anderen Ländern genascht wird.

Foto: Sugafari

Süßigkeiten, so weit das Auge reicht: Im Kaiser's-Supermarkt in Berlin-Biesdorf gibt es regaleweise Schokolade, Chips, Kekse und Gummizeug. Rittersport mit Mandeln, mit After-Eight-Geschmack, als Riesenpackung; dazu Kinderschokolade, feine Pralinen von Lindt, Niederberger und Sprüngli. Natürlich verkauft der Supermarkt auch Milka, Werther's Karamellbonbons und Storck Riesen. Wer es lieber salzig mag, greift zu Pringles, Chio Chips oder Macadamia-Nüssen aus Australien.

Zu wenig Auswahl hat der Supermarkt an der Ausfallstraße Richtung Frankfurt/Oder wirklich nicht. Und doch, wer es etwas exotischer möchte, wer mehr will als nur die Klassiker der deutschen Süßwarenindustrie, der wird in diesem und in vielen anderen Lebensmittelläden in Deutschland enttäuscht. Süße Spezialitäten aus anderen Ländern, aus Japan, Korea oder Mexiko, aus Pakistan oder aus Vietnam? Fehlanzeige. Diese Süßigkeiten findet der Kunde nicht beim Edeka oder Rewe um die Ecke, nicht im Kiosk, nur selten im Fachhandel und auch dann nur mit guter Ortskenntnis und viel Rennerei.

Mit Beeren aus Spanien fing es an

Das geht auch anders, dachte sich Alexis Agné, immer nur Milka, das ist ja langweilig. Durch Zufall stieß der Berliner in einem Spätkauf in Prenzlauer Berg auf sogenannte süße Beeren aus Spanien. „Die waren wahnsinnig lecker“, sagt der 35-Jährige, „und sie waren nirgendwo sonst zu finden.“ Noch in der Nacht nach seinem Spätkauf-Besuch suchte er im Internet nach weiteren exotischen Süßigkeiten aus dem Ausland – und wurde fündig: Da waren die Nerds aus den USA, kleine ultrasaure Zuckerperlen; die Kitten Marshmallows aus China, süße Marshsmallows in Katzenform, die Chocopies aus dem Iran, kleine Schokoküchlein mit Kirschgeschmack.

Alexis Agné suchte nicht nur Neuheiten aus fernen Ländern, sondern auch nach den Süßigkeiten aus seiner Kindheit – nach den Schleckmuscheln, die er früher immer im Freibad gegessen hatte, nach den Vitraletten, die er „bestimmt millionenfach“ in der Schule lutschte, und nach Magic Gum, dem Kaugummi, der beim Kauen im Mund knisterte.

„Mit war sofort klar, dass ich daraus ein Unternehmen machen wollte“, sagt Agné. Zwei Tage später gründete er Sugafari, einen Online-Shop für die „kuriose Welt der Süßigkeiten“. Rund 400 Produkte aus vielen Ländern der Welt verschickt Alexis Agné heute – aus seinem Arbeitszimmer in der Altbauwohnung in Prenzlauer Berg. „Die Wohnung quillt über von Süßigkeiten“, sagt der frühere Medienberater, „natürlich habe ich zugenommen, seitdem ich Sugafari mache.“ Bislang verschickt er nur nach Deutschland und Österreich, dank einiger Fernsehberichte hat er inzwischen mehrere Tausend Kunden im Jahr und kann von seinem Süßigkeiten-Versand leben.

Test auf Mauerpark-Flohmarkt

Sein Unternehmen ist auch eine Antwort auf die wenig experimentierfreudige deutsche Süßwarenindustrie, die seit Jahren stagnierende Absätze verzeichnet und deshalb verstärkt ins Ausland expandiert. Im Schnitt essen die Deutschen über neun Kilo Schokolade im Jahr, dazu kommen sechs Liter Eis und knapp sechs Kilo sogenannte Zuckerwaren, also Haribo und anderes Gummizeug, so die aktuelle Statistik des Bundes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Alexis Agné dagegen verzeichnet seit der Gründung seines Unternehmens vor knapp einem Jahr monatlich steigende Absätze. Mit dem Angebot aus kuriosen, seltenen Produkten aus dem Ausland und den Süßigkeiten der Kindheit hat der Unternehmer seine Nische gefunden.

Die Süßwarenhersteller reagierten anfangs skeptisch auf die Geschäftsidee. „Das funktioniert in Deutschland nie, hieß es, wer will schon Schokoriegel aus der Ukraine essen?“, sagt Agné. Er testete sein Konzept auf dem Wochenend-Flohmarkt im Mauerpark. Die Berliner, bekannt dafür, durchaus nicht alles zu mögen und das auch entsprechend deutlich zu sagen, kauften den Stand beim ersten Anlauf leer. Auch die Schokoriegel aus der Ukraine gingen weg.

Am beliebtesten seien derzeit Süßigkeiten aus den USA und aus Japan, auch die „Kindheitserinnerungen“ verkauften sich gut. Seit dem Erdbeben im März hat Agné allerdings Schwierigkeiten, seinen Nachschub aus Japan zu organisieren. „Die japanischen Süßigkeiten haben immer noch ein besonderes Etwas“, sagt Agné, „da kommen die Bonbons aus einer Packung, die einen Schnabel hat, und ähnliche Dinge. Das ist einfach ein verdammt schönes Produktdesign.“ Ins Sortiment schaffen es nur Süßigkeiten, die besonders schmecken oder die ganz anders aussehen als das, was hier im Supermarkt im Regal steht. Sollte Sugafari weiter so erfolgreich laufen, will Agné schon bald eine Süßigkeiten-Tour ins Ausland machen, nach Asien oder nach Afrika. „Da probiere ich dann den ganzen Tag nur Süßigkeiten“, sagt er und lacht.