Studie

Berliner sparen wenig Geld fürs Alter

Laut einer repräsentativen Umfrage der Sparkasse legt jeder dritte Berliner kein Geld als private Altersvorsorge zurück. Einer der Gründe ist die hohe Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt. Vielen Menschen droht ein karger Lebensabend oder sogar Altersarmut.

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Viele deutsche Verbraucher sind durch die Euro-Krise verunsichert. Jeder zweite Bundesbürger macht sich wegen der aktuellen Entwicklung Sorgen um seine Ersparnisse, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov jetzt ergab. 73 Prozent der Befragten gehen sogar davon aus, ihren Lebensstandard im Alter senken zu müssen. Eine Erhebung der Berliner Sparkasse zeigt nun allerdings, dass die Berliner offensichtlich nicht die richtigen Schlüsse aus diesen Ängsten ziehen. Denn laut der repräsentativen Umfrage – deren Ergebnis Morgenpost Online vorliegt – sorgen die meisten Bewohner der Hauptstadt nur in geringem Umfang finanziell für das Alter vor.

Besonders wenig Geld legen dabei Berliner mit Wurzeln im Ausland zurück. Insgesamt gaben bei der Erhebung 32 Prozent der Befragten an, gar keine Vorsorge für den Lebensabend zu treffen. „Viele schieben das Problem vor sich her, weil sie keine Lösung sehen“, sagt Frank Bach, Direktor der Berliner Sparkasse. Viele wüssten nicht einmal, wie groß ihre Versorgungslücke im Alter wirklich ist. „Jetzt kommt noch hinzu, dass die Rentenbezüge zukünftig steuerpflichtig sind. Auch Kaufkraftverluste durch Inflation und Mietpreissteigerungen müssen kompensiert werden“, so Bach.

Vielleicht ist es die große Ratlosigkeit, die die Verbraucher lähmt. Seit 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite, sind die Finanzmärkte nicht mehr richtig zur Ruhe gekommen. Die aktuelle Euro-Krise macht deutlich, dass Anlageformen – etwa Staatsanleihen von Ländern der Währungsunion –, die einst als sicher galten, das nicht mehr einlösen können. Diese Entwicklung verunsichert viele Menschen. Und das kommt auch, wie Sparkassendirektor Bach bestätigt, in den Kundengesprächen zum Ausdruck. „Die Hauptsorge unserer Kunden ist die Sicherung des Lebensstandards im Alter“, sagt er. Der Banker rät dazu, bei langfristigen Geldanlagen wie für die Altersvorsorge, sich nicht zu Panikreaktionen hinreißen zu lassen. „Das richtet meist den größeren Schaden an.“

Armutsrisiko in Berlin sehr hoch

Die Sparkasse hat natürlich wie jede andere Bank ein ureigenes Interesse daran, den Menschen Produkte für die Altersvorsorge zu verkaufen – und somit die Rentenlücke offensiv anzusprechen und eventuell auch großzureden. Dennoch ist es offensichtlich: Vielen Menschen in der Hauptstadt droht ein karger Lebensabend. Das fängt schon damit an, dass hier das Armutsrisiko im Vergleich aller Bundesländer am höchsten ist. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung herausgefunden. Der Grund ist vor allem die hohe Arbeitslosigkeit. Wer aber keinen Job hat oder nur wenig verdient, kann auch kaum Geld zurücklegen – und gerät dann im Alter schnell in die Armutsfalle.

68 Prozent aller Berliner legen gar nichts oder höchstens 100 Euro im Monat für das Alter auf die hohe Kante. Im Vergleich zum Jahr 2010, als die Umfrage ebenfalls gemacht wurde, ist dies aber immerhin ein Zuwachs von drei Prozentpunkten. Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, mit mehr als 200 Euro monatlich vorzusorgen (2010: 18 Prozent). Frauen scheinen sich etwas mehr um das Alter zu sorgen. Von den weiblichen Befragten gaben 31 Prozent an, nicht vorzusorgen. Bei den Männer ist der Anteil mit 34 Prozent größer. Trotzdem ist mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) der Meinung, genug für den Lebensabend vorzusorgen. Nur 29 Prozent meinen, es „eher nicht“ oder „gar nicht“ ausreichend zu tun. 19 Prozent antworteten mit „teils/teils“.

Es ist in den vergangenen Jahren viel darüber geredet worden, dass die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht, um den Lebensabend zu finanzieren. In der Hauptstadt ist heute schon das Rentenniveau niedriger als in anderen Bundesländern. Laut dem „Vorsorgeatlas“ der Fondsgesellschaft Union Investment beträgt das durchschnittliche Rentenniveau in Deutschland knapp 1000 Euro pro Monat. Im Westteil Berlins sind es 923 Euro, im Osten sogar nur 895 Euro monatlich.

Große Defizite bei Migranten

Auffällig ist, dass es bei vielen Migranten offenbar noch keinerlei Bewusstsein für das Thema Altersvorsorge gibt. 61 Prozent der befragten Berliner ausländischer Herkunft gaben an, für die Zeit nach dem Arbeitsleben keine finanzielle Vorsorge zu treffen. „Was wir erkennen, ist ein Informationsdefizit“, sagt Sparkassen-Direktor Bach. Viele ausländische Arbeitnehmer wüssten zum Beispiel nicht, dass sie – sofern sie aus einem EU-Land kommen und in Deutschland einer steuer- und sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen – in den Genuss der staatlichen Förderung zum Beispiel in Form der Riester-Rente kommen.

Darüber hinaus ist es vor allem eine Frage des aktuellen Einkommens, ob und in welcher Höhe man Geld zurücklegen kann. Bei denjenigen Berlinern, die höchstens 1000 Euro im Monat verdienen, ist der Anteil der „Nichtvorsorger“ mit 63 Prozent äußerst hoch. Aber auch bei denen, die 3000 Euro und mehr verdienen, gibt es elf Prozent, die nichts für später auf die hohe Kante legen. In dieser Einkommensklasse gibt es dafür 42 Prozent, die mehr als 200 Euro beiseite packen.

Schaut man sich an, welches die beliebtesten Produkte zur Altersvorsorge sind, stößt man schnell auf Klassiker. Von den Berlinern, die vorsorgen, gaben 42 Prozent an, eine Lebensversicherung zu haben. Sie ist das beliebteste Produkt. An zweiter Stelle folgt die betriebliche Rente (37 Prozent) und danach die Riester-Rente (34 Prozent). 29 Prozent sparen mit Fonds, 27 Prozent haben einen Bausparvertrag, und nur fünf Prozent nutzen die sogenannte Rürup-Rente.