Was die Amerikaner jahrelang diskutiert, aber nie umgesetzt haben - jetzt könnte es in Rumänien Wirklichkeit werden. Das Gesundheitsministerium des Landes plant die Einführung einer Abgabe auf Fastfood-Produkte, Snacks, Kuchen, Gebäck und Limonade. Die Steuer soll von Unternehmen bezahlt werden, die „ungesunde Nahrung“ produzieren, importieren oder verarbeiten.
Der rumänischen Gesundheitsminister Attila Czeke von der „Partei der Ungarischen Minderheit“ versucht seit einigen Tagen die Pläne der Bevölkerung schmackhaft zu machen: Sie seien ein Beitrag, Gesundheit und Fitness der Rumänen zu optimieren. Das Ministerium wurde angewiesen, die Details für die Umsetzung der Steuer auszuarbeiten. Bereits im März 2010 soll die neue Abgabe greifen. Geplant ist, so die offizielle Verlautbarung, das „Fastfood-Geld“ in Gesundheitsprogramme zu investieren.
Das Ministerium beruft sich darauf, dass man die Lebensqualität der Rumänen verbessern wolle. Im Papier heißt es: „Ungesundes Essen steigert die Zahl der Todesfälle und die Ausgaben für Gesundheit, mindert die Produktivität und reduziert die Lebenserwartung“. Darüber, dass der rumänische Staat dringend Geld braucht – keine einziges Wort.
Ernährungsexperten glauben nicht an die positive Wirkung auf die Gesundheit. Ganz im Gegenteil. „Die Rumänen werden zu Brot und Bratkartoffeln zurückkehren“, sagt die Ärztin Corina Zugravu der Tageszeitung „Evenimentul Zilei“. Andere Lebensmittelexperten warnen vor Fastfood-Produkten, die auch in Zukunft an der Straßenecke verkauft werden, aber nicht die Qualitäts- und Hygienestandards der großen Ketten wie McDonald’s oder KFC aufweisen.
Professor Constantin Dumitrache vom Bukarester Forschungsinstitut „Parhon“ stellt die ganze Argumentation der Regierung in Frage: „Es ist erwiesen, dass Tabak und Alkohol dem Körper schaden, aber bislang habe ich keinen Patienten gehabt, der an einem Hamburger gestorben ist.“
Sogar im Gesundheitsministerium ist die Fastfood-Abgabe umstritten. Von einer „absurden“, „nicht fundierten“ Maßnahme ist die Rede, die sich an nichtexistierenden europäischen Modellen orientiere.
Für die politischen Gegner ist die „Whopper tax“ ein gefundenes Fressen. Der Europa-Abgeordnete Ioan Mircea Pascu von der sozialdemokratischen Oppositionspartei empfiehlt der Regierung, ehelichen und außerehelichen Geschlechtsverkehr als vergnügungssteuerpflichtig zu belasten.
Der Rumäne hatte immer schon ein besonderes Verhältnis zum Essen. Bei Burgern & Co., die nach 1990 den Siegeszug in den ex-kommunistischen Ländern antraten, ist es nicht anders. Laut Studien wächst der rumänische Fastfood-Markt am stärksten in ganz Osteuropa. 700.000 Rumänen greifen täglich zu den US-Bouletten, ein Viertel der Bevölkerung gilt als übergewichtig. Kein Wunder, dass der Staat bei solchen Zahlen Appetit bekommt.





