Anleihen-Markt

Spaniens Schulden vor der magischen Zinsgrenze

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J. Dams, M. Greive und A. Rexer

Foto: Infografik Welt Online

Für Südeuropa wird die Lage zunehmend brenzlig. Spanien bringt nur mit Mühe seine Schulden unter, Italiens Bonds sind schon über der Sieben-Prozent-Marke.

Trotz neuer Regierungen in den wackeligsten Euro-Ländern Griechenland und Italien geraten weitere Staaten der Währungsunion immer tiefer in die Schulden-Krise. Gut ließ sich das am Donnerstag am Beispiel Spaniens beobachten. Kurz vor der spanischen Parlamentswahl am Sonntag versuchte das Land eine vier Mrd. Euro schwere Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit zu platzieren.

Das Ergebnis war nach Einschätzung europäischer Beobachter ein Debakel: Mit 6,975 Prozent Zinsen für den Bonds erreicht das Land die magische Schwelle von sieben Prozent. Und anstatt der geplanten vier Mrd. bekam das Land nur 3,6 Mrd. Euro am Markt platziert. „Das ist ein Zeichen, wie schwierig die Lage mittlerweile für die Europäer ist“, hieß es in Brüssel.

Zeichen dieser Art gibt es mittlerweile viele in Europa: Frankreich – als Staat mit einem Spitzenrating immer noch weit vom Zinsniveau des Nachbarn entfernt – muss immer höhere Zinsen für seine Schulden zahlen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone begab ebenfalls am Donnerstag zwei Anleihen mit zwei- beziehungsweise fünfjähriger Laufzeit. Die Zinsen für Deutschlands wichtigsten Euro-Partner liegen jetzt bei 1,85 und 2,82 Prozent. Für zehnjährige Anleihen stiegen sie sogar von 3,731 auf 3,85 Prozent an. Sie liegen damit deutlich über dem Niveau deutscher Bonds.

Noch schlimmer sieht es bei Italien aus. Das Land hat zwar eine neue Regierung. Die Anleger scheuen seine Anleihen offensichtlich dennoch. Auf 7,12 Prozent stiegen die Zinsen für zehnjährige römische Anleihen mittlerweile – und das, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) seit Wochen immer wieder am Markt jene Italo-Papiere aufkauft, die sonst keiner mehr will.

Franzosen wollen den Einsatz der Notenbank

Die Lage ist verfahren, den Europäern aber fehlt die Idee, wie sie das rauskommen. Die Deutschen setzen vor allem darauf, dass die Erweiterung des Rettungsfonds EFSF ab Dezember Entlastung bringen könnte. Die Franzosen dagegen wollen die EZB zu einer Art US-Notenbank machen, die dauerhaft europäische Anleihen im großen Stil aufkaufen könnte, um die Situation zu stabilisieren.

Noch aber beißen sie bei der Bundeskanzlerin mit diesem Ansinnen auf Granit: Ein Einsatz der EZB als Kreditgeber der letzten Zuflucht sei keine Lösung, sagte Angela Merkel in Berlin . Marktunsicherheiten könnten nur durch „feste politische Lösungen“ überwunden werden. Die EZB müsse gemäß ihren Statuten für Preisstabilität in der Euro-Zone sorgen.

Mit einem Trick könnte die EZB doch zum Einsatz kommen

Die Frage ist nur, ob die Kanzlerin bei dieser Position bleibt, wenn die Währungsunion trotz EFSF an den Refinanzierungsproblemen ihrer Mitgliedstaaten zu zerbrechen droht. In der Euro-Zone wird daher darüber diskutiert, ob die EZB dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Kredit gibt, damit dieser Euro-Staaten retten könnte. „Dies wäre zwar ein Weg, um Italien zu Hilfe kommen“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Aber es wäre ein Armutszeugnis für die Politik. Schließlich hat sie dem EFSF eine Unterstützung durch die EZB verweigert.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt, dass die Euro-Krise zunehmen die Wirtschaftsentwicklung in Europa bedrohe. Es gebe leider Anzeichen für ein Überspringen auf die Realwirtschaft, sagte Schäuble auf dem deutschen Versicherungstag. Die Märkte würden mittlerweile an der Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte einiger Euro-Länder zweifeln. Daher sei es wichtig, eine Ansteckung der Finanzbranche zu vermeiden.

Dass das gelingt, bezweifeln zumindest die Ratingagenturen. So warnte Fitch, dass den US-Banken aufgrund der Eurokrise Ungemach drohe. Nicht etwa, weil sie direkt in Anleihen der Wackelstaaten investiert wären. „Wir befürchten, dass sich die Eurokrise ausweiten kann“, sagt Studienautor Christopher Wolfe.

Das drücke auf die Weltwirtschaft und treffe so das Geschäft der US-Banken. Doch noch auf einem zweiten Kanal sieht er die US-Institute in der Schusslinie: Fitch fürchtet, dass europäische Banken in Bedrängnis kommen könnten – und im Ernstfall amerikanische Institute mit nach unten reißen könnten. „Problematisch ist, dass nicht genügend Transparenz herrscht, um identifizieren zu können, wo diese Verknüpfungen besonders stark sind“, so Wolfe.