Nachhaltigkeitstag 2011

Die Deutschen vernachlässigen fairen Konsum

Nachhaltigkeit hat in Deutschland noch keinen großen Stellenwert. Für die Deutschen ist der Preis bei der Kaufentscheidung wichtiger.

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Ein vermeintlicher Albtraum für umweltbewusste Autofahrer: ein giftgrünes flaches Geschoss auf Rädern, Zweisitzer, von 0 auf 100 in vier Sekunden. Bei näherem Hinsehen verflüchtigte sich der Alb vom Spritfresser und CO2-Verpester allerdings: Eine Lithium-Ionen-Batterie steckt unter der Motorhaube.

Das prototypische Elektromobil von Mercedes-Benz entlarvte nicht nur überholte Klischees. Es illustrierte eine wichtige Botschaft, die auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag 2011 in Düsseldorf aus dem Blick der Konsumenten hervorgehoben wurde: ökologisch gern, aber ohne Verzicht auf Komfort und Spaß.

Die umweltschonende Entwicklung und Produktion ist zum Leitmotiv der deutschen Industrie geworden. Rund 700 Unternehmen haben sich in diesem Jahr für den „Nachhaltigkeitspreis“ beworben, der nach dem ganztägigen Kongress verliehen wurde. Freilich beklagt die deutsche Wirtschaft ein großes Hindernis, um nachhaltige Produkte am Markt zu etablieren: die Zurückhaltung der Verbraucher.

"Kaufentscheidung Nummer eins ist der Preis"

„Es ist noch ein langer Weg zu nachhaltigem Konsum in Deutschland“, sagte der Vorstandschef der Rewe Group, Alain Caparros. Es gebe eine gewaltige Kluft zwischen ökologischer Begeisterung und tatsächlichem Verkaufsverhalten. Im vergangenen Jahr seien fair gehandelte Produkte im Wert von 340 Millionen Euro gekauft worden, bei einem Gesamtumsatz im Lebensmittelhandel von 150 Milliarden Euro.

„Kaufentscheidung Nummer 1 in Deutschland ist der Preis“, sagte Caparros. Obendrein gebe es Informationsdefizite in der Bevölkerung, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, Kurt-Ludwig Gutberlet: „Es ist sehr wenig Wissen vorhanden.“ Größtenteils wählten die Verbraucher immer noch konventionelle Geräte.

Doch die führenden deutschen Wirtschaftsvertreter waren sich einig, dass Nachhaltigkeit eine „ökologisch und wirtschaftliche Notwendigkeit“ sei und dass dies noch besser vermittelt werden müsse. Es werde international als deutsche „Kernkompetenz“ wahrgenommen, betonte Ulrich Ackermann, Mitglied der Konzernleitung der Schott AG.

Als weiterer Ansporn wurde am Abend der Nachhaltigkeitspreis an vorbildliche Unternehmen verliehen. Zu den diesjährigen Preisträgern gehören laut Jury folgende Unternehmen: Alnatura Produktions- und Handels GmbH als „Pionier der Bio-Einzelhandelsmärkte“ (Kategorie: Unternehmen), Viessmann Werke GmbH & Co KG (Marken), Siemens (Zukunftsstrategien Konzern), Müller – Die lila Logistik AG (Zukunftsstrategien kleine und mittlere Unternehmen), Vaillant (Produkte/Dienstleistungen), dm-drogerie markt GmbH + Co. KG (Initiativen), SAP AG (Sonderpreis Recyclingpapier).