Autobauer

BMW legt einen unglaublichen Lauf hin

Geteilte Autowelt: BMW hat das beste Quartal der Firmengeschichte. Daimler und VW sind ebenfalls auf Rekordkurs. Andere Hersteller machen Kurzarbeit.

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Nein, lautet die Antwort aus München, immer wieder: Nein. Man sehe keine Gefahr für eine Kernschmelze der Wirtschaft infolge der Euro- und Schuldenkrise, keine Anzeichen für eine globale Rezession, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer. „Wir haben mehrere Szenarien durchgespielt und gehen derzeit für 2012 davon aus, dass sich das Wachstum der Wirtschaft zwar verlangsamen wird.

Es wird eine Abkühlung der Realwirtschaft geben, aber ich glaube nicht an einen Einbruch“, so der BMW-Chef. Die wirtschaftlichen Risiken seien aber gestiegen, räumt er ein. Bis 2015, erklärt der Premiumautobauer, werde man mit einem „volatilen Umfeld“, also starken Schwankungen nach unten und oben, rechnen müssen.

Reithofer immerhin hat allen Grund, optimistisch zu sein. Zum einen haben die Münchner für neue Krisen kräftig vorgesorgt. „Wir sind besser als 2008 auf Schwächezeichen der Banken und des Kapitalmarktes vorbereitet“, sagt Finanzvorstand Friedrich Eichiner. „Wir haben hohe Liquiditätsreserven, eine komfortable Kreditlinie und eine deutlich flexiblere Produktion als vor der vergangenen Krise.“ Was BMW aber vor allem hat, ist einen unglaublichen Lauf. Während bei anderen Autoherstellern der Motor bereits spürbar stottert, legen die Münchner bei Ab- und Umsatz sowie Gewinn weiter kräftig zu.

Das dritte Quartal dieses Jahres war das Beste der Unternehmensgeschichte: BMW hat seinen Gewinn um fast 25 Prozent auf eine Mrd. Euro gesteigert . Damit verdiente der Autokonzern in neun Monaten bereits so viel wie im gesamten Vorjahr. Konzernchef Reithofer bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr: „Wir streben 2011 weiterhin eine neue Bestmarke beim Ergebnis vor Steuern sowie einen Absatzzuwachs von über zehn Prozent auf einen Spitzenwert von mehr als 1,6 Millionen Fahrzeugen an.“

Zuvor hatten bereits Daimler und der Volkswagen-Konzern samt seiner Premiumtochter Audi ungeachtet aller Krisenängste Rekordzahlen für die ersten drei Quartale vermeldet. Doch dafür muss man schon im Geschäft mit Oberklasse-Autos unterwegs sein und weltweit auf allen großen Automärkten Erfolg haben. Wer anders aufgestellt ist, spürt bereits die ersten Vorboten des heraufziehenden Abschwungs: Opel, PSA Peugeot Citroën oder Fiat vermelden Kurzarbeit.

Bei Fiat stehen in diesem Jahr in einigen der fünf italienischen Pkw-Werke die Bänder still. Das Geschäft mit Kleinwagen läuft schlecht. Zwischen Juli und September brach der Absatz um 6,6 Prozent ein, was sich vor allem mit der schwächelnden Nachfrage auf dem Heimatmarkt erklärt. An wie vielen Tagen Fiat die Arbeiter bislang in Kurzarbeit geschickt hat, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Nach Angaben der Autogewerkschaft CGIL-FIOM stehen allerdings an vielen Tagen die Bänder still. „Im Turiner Stammwerk Mirafiori hat man diesem Jahr so gut wie nicht gearbeitet“, sagt ein Gewerkschaftssprecher. Montags und freitags stehen den Angaben zufolge auch die Bänder in den Werken Cassino still, ebenso in Melfi.

Dem Unternehmen hilft derzeit der nach wie vor gute Absatz von Kleinlastern. Darüber hinaus liefert Ferrari starke Umsatzzahlen. Dennoch: Fiat fehlt ein Boommarkt wie China oder ein großer Absatzmarkt wie die USA. Opel hat das gleiche Problem.

Die GM-Tochter ist überwiegend auf den Markt Europa beschränkt und leidet nun unter der krisenbedingt schwächelnden Nachfrage in Spanien, Italien und zunehmend auch in Frankreich. In Spanien wurde für das Werk Saragossa Kurzarbeit beantragt. Im November und Dezember soll an 15 Tagen nicht gearbeitet werden. Opel geht davon aus, dass im kommenden Jahr die Produktion in dem Werk von 370.000 auf 330.000 Einheiten fällt.

PSA Peugeot Citroën leidet ebenfalls unter den Rückgängen in Südeuropa – und kann sie nur schwer kompensieren. „Wir hatten im Oktober bereits in mehreren Werken Kurzarbeit, und es ist davon auszugehen, dass wir im November erneut darauf zurückgreifen müssen“, sagte ein Sprecher. Schon bevor sich Anzeichen einer Abkühlung zeigten, hatten die Franzosen angekündigt, in Europa 2012 rund 6000 Stellen abzubauen.