Bei der Deutschen Bank wird bis Frühjahr 2012 jeder zehnte Investmentbanker seinen Arbeitsplatz verloren haben. Im Vergleich zum Höchststand von rund 15.800 Bankern vor einem Jahr werde die Zahl der Stellen in der Sparte CIB um rund zehn Prozent auf gut 14.000 sinken, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Dienstag bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im dritten Quartal. Ende September waren es noch 15.300.
Die Bank hatte vor drei Wochen die Streichung von weiteren 500 Stellen im Investmentbanking bis Ende März 2012 angekündigt. Das ist möglicherweise noch nicht das Ende: „Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nicht ändert“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause.
Die Euro-Schuldenkrise hat das Investmentbanking der Deutschen Bank – wie bei den meisten Instituten weltweit – im Sommer massiv getroffen, Besserung ist nicht in Sicht. Vor Steuern blieb in der Sparte CB&S gerade noch ein Gewinn von 70 Millionen Euro übrig. In normalen Zeiten trägt das Kapitalmarktgeschäft zwei Drittel zum Gewinn des Konzerns bei.
Dennoch konnte die Deutsche Bank angesichts der andauernden Euro-Schuldenkrise mit einem Vorsteuergewinn von 942 Millionen Euro im dritten Quartal überraschen. Analysten hatten zuvor mit lediglich 572 Millionenen Euro gerechnet. Netto verdiente das größte deutsche Finanzinstitut im abgelaufenen Vierteljahr 777 Millionen Euro, hieß es im am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht.
„Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr“, sagte der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Er nannte die schlechten Wirtschaftsaussichten und die Turbulenzen an den Finanzmärkten als Gründe für ein nicht noch besseres Ergebnis. Das Geschäft der Bank sei „zwangsläufig“ von diesem Umfeld betroffen gewesen, sagte Ackermann weiter.
Im dritten Quartal 2010 hatte die Deutsche Bank noch einen Verlust vor Steuern in von 1 Millarde Euro eingefahren. Grund dafür war damals die Beteiligung an der Postbank, die 2,3 Milliarden Euro Verlust gebracht hatte.
Analysten reagierten positiv auf das starke Ergebnis. „Die Zahlen sehen sehr gut aus,“ sagte Dirk Becker von Kepler Capital Markets in Frankfurt. Allerdings habe er mit einer Verbesserung der Kapitalstruktur gerechnet. Ihn enttäusche, dass das Kernkapital der Deutschen Bank mit 10,1 Prozent relativ stabil geblieben sei.
Ackermann sieht sich hingegen in einer starken Position. „Mit unserer Kapitalausstattung sind wir gleichfalls in einer komfortablen Lage“, sagte er. Auch habe man das Liquiditätspolster, also schnell verfügbares Geld, auf 180 Milliarden Euro aufstocken können.
Die Kernkapitalqoute ist ein Maß für die Widerstandsfähigkeit einer Bank. Sie hatte Anleger im Vorfeld der Quartalszahlen besonders interessiert, weil sie auch anzeigt, wie die Deutsche Bank einen Schuldenschnitt in Griechenland und etwaige weitere Turbulenzen verkraften würde.
Die Aktien der Deutschen Bank reagierten am Dienstag mit einem lebhaften Auf und Ab auf den Quartalsbericht. Am Vormittag notierten sie dann 0,6 Prozent fester bei 28,65 Euro. „Alles in allem waren die Q3-Ergebnisse nicht so schlecht wie man hätte befürchten können“, schrieb LBBW-Analyst Olaf Kayser in einem Kommentar. Die Schwäche im Investmentbanking habe das Finanzinstitut durch gute Ergebnisse in anderen Sparten ausgleichen können.
AFP/Reuters/dpa/cb




