Belastet von Kursabschlägen bei Finanzwerten und enttäuschenden Unternehmensergebnissen sind die US-Börsen am Mittwoch mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Unsicherheit über die Pläne des neuen Präsidenten Barack Obama zur Stabilisierung des krisengeschüttelten Bankensektors habe die Finanzwerte belastet, sagten Händler. Zu schaffen machten der Wall Street auch schwache Bilanzdaten und Ausblicke großer Unternehmen. Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten hatten dem Markt nur vorübergehend Auftrieb gegeben.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,5 Prozent tiefer auf 7956 Punkten. Das Marktbarometer bewegte sich zwischen 7929 und 8162 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,8 Prozent auf 832 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 1515 Punkte ab. Der Deutsche Aktienindex (Dax) ging zuvor mit einem satten Plus von 2,7 Prozent auf 4492 Punkte aus dem Handel.
Neuen Zahlen zufolge hat sich der Stellenabbau in den USA im Januar erstmals seit vier Monaten verlangsamt. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge sank die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft im Januar um 522.000. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Minus von 530.000 gerechnet. Im Dezember fiel die Bilanz zudem etwas besser aus als zunächst ermittelt. Die Zahl der abgebauten Stellen wurde auf 659.000 revidiert, nachdem zunächst von einem Minus von 693.000 die Rede war. „Die ADP-Zahl war definitiv eine Überraschung“, sagte Robert Francello vom Hedgefonds Apex Capital in San Francisco. Dennoch seien die Anleger sehr skeptisch und bereiteten sich auf sehr schlechte Arbeitsmarkt-Zahlen am Freitag vor.
Enttäuschende Unternehmenszahlen legte am Mittwoch der Lebensmittelhersteller Kraft Foods vor. Der Ketchup-Produzent verfehlte mit seinem Quartalsergebnis die Markterwartungen knapp und senkte zudem seine Gewinnprognose für 2009. Kraft-Aktien brachen über neun Prozent ein. Auch die Titel des Unterhaltungskonzerns Walt Disney notierten knapp acht Prozent tiefer. Das Unternehmen erlitt einen Gewinneinbruch im ersten Geschäftsquartal.
Massive Kursverluste verbuchten im Finanzsektor die Aktien von Bank of America mit einem Abschlag von über elf Prozent. Händler sagten, der Markt warte immer noch auf Details der Regierung zur Ausgliederung von toxischen Wertpapieren bei Banken. „Der Markt will eine Art Bankenplan sehen, der Sinn ergibt“, sagte Angel Mata von Stifel Nicolaus Capital Markets.
Technologiewerte waren wegen ihres relativ niedrigen Kursniveaus bei Schnäppchenjägern gefragt. Die Aktien des Softwaregiganten Microsoft kletterten um 0,7 Prozent und die Papiere des Computerkonzerns Apple um 0,6 Prozent.
Nach einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal brachen die Papiere der Kaufhauskette Costco Wholesale um rund sieben Prozent ein. Auf den Kauflisten der Börsianer standen indes die Anteilsscheine des Haushaltswaren- und Chemieunternehmens Clorox mit einem Plus von 1,7 Prozent. Händler begründeten den Kursgewinn des Herstellers von Brita-Wasserfiltern mit den Quartalszahlen, die besser als erwartet ausgefallen waren.
Berichte über eine große Fusion in der Musikbranche gaben den Aktien des Konzertveranstalters Live Nation und des Ticketverkäufers Ticketmaster Entertainment Auftrieb. Die beiden Unternehmen sollen in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Zusammenschluss sein. Die Titel von Live Nation rückten 4,6 Prozent vor, die von Ticketmaster sogar 13,3 Prozent.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,36 Milliarden Aktien den Besitzer. 1315 Werte legten zu, 1725 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,2 Milliarden Aktien 1046 im Plus, 1624 im Minus und 134 unverändert.
An den US-Kreditmärkten sanken die zehnjährigen Staatsanleihen um 09/32 auf 107-01/32. Sie rentierten mit 2,918 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten indes 9/32 auf114-31/32 und hatten eine Rendite von 3,662 Prozent.
dpa/Reuters/gr



