Natur ist in, physische Geldanlagen erleben in Zeiten unsteter Kapitalmärkte ein Comeback, nachhaltige Investitionen treten aus der Öko-Nische: Die Anlage-Klasse Holz ist inzwischen zur Trendanlage geworden, attraktiv für Umweltbewusste ebenso wie für Investmentprofis.

In Deutschland war Waldbesitz lange Zeit den Reichen und dem Landadel vorbehalten, den Fürstenfamilien von Thurn und Taxis oder von Bentheim zum Beispiel. Doch mittlerweile kann auch der Durchschnittsbürger ein Stück Wald besitzen – vom sogenannten Baumsparvertrag für den Kleinanleger über Investitionen in Aufforstungsprojekte in Costa Rica bis zu Holz- und Waldfonds.

In Amerika ist der Wald schon seit Jahren eine gefragte Anlage. Die USA sind mit 300 Millionen Hektar einer der waldreichsten Staaten der Welt. Und einer der größten Nutzer von Holz als Baumaterial: 95 Prozent aller amerikanischen Eigenheime werden aus Holz gebaut. Zwar zerstören Stürme und Buschfeuer oft große Waldflächen, doch kurbelt zugleich der Wiederaufbau die Nachfrage nach dem Baustoff Holz an. Die Demografie tut ein Übriges. Anders als in Deutschland wird die US-Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten wachsen – mehr Bedarf für mehr Häuser also.

Die Stiftungsfonds der Eliteuniversitäten Harvard und Yale investieren in Forstflächen, ebenso große Pensionskassen. Und auch der US-Immobilieninvestor Wells Real Estate Funds mit Sitz in Atlanta, Georgia, entschied sich vor zwei Jahren, in das Geschäft mit dem Wald einzusteigen. "Wald wächst, unabhängig von Politik, Wirtschaft und der Börse“, sagt Vertriebsvorstand Steve Franklin. Der Start in den USA lief gut, und seit September sind die Amerikaner mit der Tochterfirma Wells Germany in München vertreten. Wells ist nach Jamestown und KGAL das dritte Unternehmen, das deutschen Privatanlegern Investitionen in amerikanische Nutzwälder anbietet.

Das Fondsvolumen von Wells Germany ist mit 500 Mio. Dollar beziffert, eine Aufstockung auf eine Milliarde gilt als möglich. Der geschlossene Fonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren beteiligt sich am Wells Timberland Reit. Dieser Treuhandfonds hat im Südosten der USA eine Fortfläche von 132.000 Hektar erworben, auf denen Kiefernwälder bewirtschaft werden. Das erste Produkt, das Wells Germany zusammen mit der Deutschen Fonds Holding (DFH) in Stuttgart auf den Markt gebracht hat, ist der Waldfonds mit dem Namen „Wells-DFH-Timberland 88“. Die Mindestbeteiligung beträgt 20.000 US-Dollar bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent.

Wells ist einer der größten Besitzer und Verwalter von gewerblichen Immobilien in den USA, hat in den vergangenen 25 Jahren rund 12 Milliarden Dollar im Auftrag von 250.000 Anlegern investiert. Der Wald soll nun eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben. Das größte Risiko bei Waldfonds? „Dass die weltweite Nachfrage nach Holz und Holzprodukten – Papier, Pappe, Zellstoff oder Bauholz – für längere Zeit sinkt“, sagt Franklin. Das halte er zwar für unwahrscheinlich, doch selbst für diesen Fall gebe es eine Lösung: Die Bäume werden nicht geschlagen, wachsen erst einmal weiter und gewinnen an Wert.

Markus Gotzi, Chefredakteur des Branchenblatts „Der Fondsbrief“, kann Franklings Optimismus nicht so ganz teilen. „Dass Waldanlagen unabhängig von den Kapitalmärkten sind, stimmt nur bedingt“, sagt er. Schließlich sei die Bauindustrie der größte Abnehmer von Holz in den USA. „Die Nachfrage nach Bauholz entscheidet über Wohl und Wehe des Holzinvestors.“ Im Zuge der Immobilien-Krise in den USA ist die Zahl der Neubauten 2008 auf ein Rekordtief gesunken – die sinkende Nachfrage drückt auch die Preise für den Rohstoff Holz. Kritiker von Waldfonds führen ferner natürliche Feinde wie Feuer, Stürme, Schädlingsbefall und den Klimawandel an.

Anbieter von Waldfonds und Branchenanalysten weisen darauf hin, dass Waldinvestments eine langfristige Anlage seien. „Wer schlaflose Nächte hat, wenn er in den ersten Jahren keine oder nur eine kleine Rendite bekommt, der sollte die Finger vom Wald lassen“, so Gotzi. Und auch Franklin betont, „dass Waldfonds kein Spiel mit kalkulierbarer Dividende ist. Sondern ein Spiel um die Endausschüttung.“ Die kann nach einer Laufzeit von zehn Jahren durchaus rentabel sein, im Durchschnitt zwölf Prozent jährlich oder mehr. Am Ende der Laufzeit steht der Verkauf des Waldes – oder der Börsengang.