Die Deutsche Post und die Deutsche Bank haben sich Unternehmenskreisen zufolge auf neue Bedingungen für den Postbank-Verkauf geeinigt. Demnach wird die Post mit weniger als zehn Prozent bei der Deutschen Bank einsteigen. Der Einstieg sei allerdings auf weniger als ein Jahr begrenzt, berichtete die Nachrichtenagentur dpa-AFX unter Berufung auf Unternehmenskreise. Noch am 14. Januar sollte der Aufsichtsrat der Post über die neuen Konditionen beraten. Einen offiziellen Kommentar lehnten Postbank und Deutsche Bank zunächst ab.

Mit dieser Übereinkunft will die Deutsche Bank die Postbank deutlich schneller komplett übernehmen als bisher geplant und bereits im Sommer die Mehrheit an dem Institut halten. Trotz des vorübergehenden Einstiegs der Post soll der Kaufpreis dabei unverändert bleiben, heißt es nach Informationen von WELT ONLINE in Postkreisen. Die Deutsche Bank soll wohl einen erheblichen Prozentsatz des 62-Prozent-Anteils der Post an der Postbank mit eigenen Aktien bezahlen. Dies zeichnet sich in den Nachverhandlungen zwischen den Konzernen ab.

Im September hatten Post und Deutsche Bank einen Kauf in zwei Stufen vereinbart, der sich bis mindestens in das Jahr 2010 gezogen hätte. Seither brach der Aktienkurs der Postbank dramatisch ein. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann drang auf neue Gespräche über die Konditionen. Nun zeichnet sich ein deutlicher schnellerer Komplettverkauf des Post-Anteils an der Postbank ab. Bereits im ersten Quartal soll die Deutsche Bank den Anteil kaufen, bis Sommer sollen die Aktien formal übertragen sein.

Dafür muss Post-Chef Frank Appel in Kauf nehmen, dass er mit der Transaktion nicht wie geplant komplett aus dem Bankgeschäft aussteigen kann. Bereits im ersten Vierteljahr 2009 wird der Logistikkonzern in der sich abzeichnenden Konstruktion Großaktionär der Deutschen Bank. Allerdings soll die Post im Gegenzug eine Absicherung erhalten, damit Kursverluste bei der Deutsche-Bank-Aktie nicht auf ihre Zahlen durchschlagen, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person Morgenpost Online.

Mit dieser Konstellation könnte beiden Seiten gedient sein: Die Deutsche Bank würde einerseits die Hängepartie bei der Postbank beenden, müsste dafür aber kein zusätzliches Bargeld auf den Tisch legen. Die Post wiederum würde ihre Bank schneller los als gedacht, ohne zusätzliche Risiken eingehen zu müssen.

Im September wäre ein solcher Kompromiss dagegen kaum möglich gewesen, weil Appel seinerzeit wohl kaum eine Bezahlung in Aktien akzeptiert hätte. Die Verschärfung der Finanzkrise und die dadurch gewachsenen Probleme der Postbank setzen jedoch auch ihn unter Druck, das Geschäft nicht noch platzen zu lassen. Im Umfeld der Konzerne hieß es, es sei mit einer schnellen Einigung zu rechnen.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher bekräftigte lediglich, dass man wie geplant noch im ersten Quartal bei der Postbank einsteigen wolle. Die Börse spekulierte jedoch bereits auf einer schnellere Komplettübernahme: Der Aktienkurs der Postbank legte um zwölf Prozent zu. Gerüchten zufolge soll bei den Nachverhandlungen auch die Bundesregierung eine Rolle gespielt haben, mit einem Anteil von 30 Prozent größter Aktionär der Post.

Sie habe Appel möglicherweise ans Herz gelegt, mit der Deutschen nachzuverhandeln, um die Bank in der Krise zu entlasten, hieß es. „Für die Deutsche geht es auch ein Stück weit um Gleichbehandlung mit der Commerzbank“, hieß es in der Branche. Das zweitgrößte Institut des Landes kann die Dresdner Bank nur deshalb wie geplant übernehmen, weil der Staat in zwei Schritten insgesamt 18,2 Mrd. Euro Eigenkapital nachschoss.

Gemäß den bisherigen Vereinbarungen würde die Deutsche Bank knapp 30 Prozent der Postbank zu einem Durchschnittskurs von 47,50 Euro kaufen. Das kostet die Bank rund 3,1 Mrd. Euro. Darüber hinaus hat sie ein Vorkaufsrecht, um sich den Großteil der restlichen Post-Aktien für je 55 Euro zu sichern. Appel wiederum hat die Option, seine Anteile zu einem Kurs von 42,80 Euro an die Deutsche Bank zu verkaufen. Durch eine Kapitalerhöhung im November hat sich dieser Preis auf gut 36 Euro vermindert. Dennoch ist er weit entfernt vom derzeitigen Kurs der Postbank von etwa 14 Euro.

jos/dma