Hohe Verluste

Lufthansa leidet unter Krisen in Arabien und Japan

Die politischen Unruhen in Nordafrika und der Tsunami in Japan haben die Bilanz der Lufthansa geschmälert. Nur eine Fluglinie machte Gewinn.

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Die Krisen in Japan und Nordafrika werden der Deutschen Lufthansa noch weiterhin Probleme bereiten. Finanzvorstand Stephan Gemkow bezifferte die möglichen Jahresverluste auf etwa 200 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr hatten Tsunami und Atomkatastrophe im Verkehr mit Japan bereits 79 Millionen Euro Verlust gebracht, die politischen Unruhen in Arabien führten zu einem Minus von 38 Millionen Euro, wie der Manager berichtete.

Zusätzlich verhagelten trotz aller Sicherungsgeschäfte die hohen Treibstoffpreise dem Unternehmen die Halbjahresbilanz. Unter dem Strich wies die Passagiersparte des Konzerns einen Verlust von 239 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor hatte der Geschäftsbereich infolge der Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island mit 342 Millionen Euro in den roten Zahlen gesteckt. „Auch 2011 hatte seinen Vulkanausbruch in Island. Er hat uns aber nicht annähernd so geschadet wie sein Vorgänger“, sagte Gemkow mit Galgenhumor.

Die Verluste beim stark ausgebauten Passagierverkehr (Umsatz plus 13,7 Prozent) kompensierte die Lufthansa mit Einkünften aus dem boomenden Frachtgeschäft sowie den übrigen Geschäftsbereichen Technik und Catering. Im Passagiergeschäft wies hingegen einzig die Konzerntochter Swiss schwarze Zahlen vor. Die Fluglinien unter der Marke Lufthansa sowie die Töchter Austrian Airlines (AUA), British Midland (BMI) und Germanwings konnten die Belastungen nicht ausgleichen. Gemkow machte im Fall Germanwings die zum Jahresbeginn in Deutschland eingeführte Luftverkehrssteuer verantwortlich, die zu einem Verlust in einstelliger Millionenhöhe geführt habe.

Der Konzern verbuchte für das erste Halbjahr einen operativen Gewinn von 3 Millionen Euro (2010: -171 Millionen), wobei das zweite Quartal mit einem Plus von 230 Millionen Euro das traditionell schwache erste Vierteljahr bereits mehr als ausglich. Der Konzernumsatz kletterte um elf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro.

Unter dem Strich wies der Konzern für das Halbjahr einen Verlust von 206 Millionen Euro aus (2010: -104 Millionen). Der Vorstand bestätigte aber seine Ziele, Umsatz und operatives Ergebnis aus 2010 (876 Millionen Euro) zu übertreffen. Dennoch rutschten bis zum Mittag an den Börsen die Aktienkurse.

Vor allem die hohen Kerosinpreise schlugen auf der Kostenseite durch. Gemkow betonte die Effektivität der Vorabverträge (Hedging), die ein Plus von 603 Millionen Euro gegenüber den Marktpreisen gebracht hätten. Erfolge des Sparprogramms „Climb 2011“ seien unter anderem im Europageschäft zu erkennen, das voraussichtlich 2013 profitabel werde. In der Vergangenheit hatte die Lufthansa auf ihrem Heimatkontinent jährlich dreistellige Millionenverluste eingeflogen, setzt nun aber größere und effektiver bestuhlte Flieger ein. Bis 2016 wird sie 190 neue Jets in Betrieb nehmen.

Der Flugplan für den kommenden Winter wurde abgespeckt und von dem ursprünglich geplanten Kapazitätszuwachs von 12 Prozent die Hälfte gestrichen. Dazu trug auch das im Herbst geplante Aus für die erfloglose Tochter Lufthansa Italia bei, die dem Konzern laut Gemkow einen zweistelligen Millionenverlust beschert hatte. Planungssicherheit geben zudem Tarifabschlüsse mit den Piloten der Lufthansa und der Swiss.