Korruption

Durchsuchungen bei der Deutschen Bank in Moskau

Russische Ermittler überprüfen Kunden wegen eines Betrugsverdachts in Millionenhöhe bei der Sanierung des Luxushotels Moskva.

Die Moskauer Niederlassung der Deutschen Bank ist ins Visier russischer Ermittler geraten. Wie der offizielle Vertreter des Ermittlungskomitees Wladimir Markin gegenüber russischen Nachrichtenagenturen angab, stünden die Durchsuchungen der Bank im Zusammenhang mit mutmaßlichen Betrügereien bei der Renovierung des Hotels Moskva in direkter Nachbarschaft zum Kreml.

Konkret im Verdacht steht laut Markin ein gewisser Vitali Gogochija, der 87,5 Millionen Dollar (64 Millionen Euro) veruntreut haben soll. Das Geld habe dem Unternehmen OEK–Finance gehört, einer Gründung der Moskauer Stadtregierung.

Die Deutsche Bank in Frankfurt bestätigte die Durchsuchung ihrer Moskauer Filiale. Ein Sprecher betonte jedoch: „Die Untersuchungen der Behörden richten sich gegen einen Kunden der Bank, nicht gegen die Bank selbst. Die Untersuchungen betreffen auch keine anderen Geschäfte oder Kunden der Deutschen Bank in Russland.“ Der Konzern arbeite bei der Aufklärung mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Gogochija, der zur Fahndung ausgeschrieben ist, war Mitarbeiter des Dumaabgeordneten und Unternehmers Aschot Egijazarjan. Gegen diesen war schon zuvor Anklage wegen des Verdachts auf Betrug in besonders großem Stil erhoben worden. Egijazarjan, der das Land fluchtartig verlassen hatte, nachdem ihm im Herbst die parlamentarische Immunität aberkannt worden war, ist international zur Fahndung ausgeschrieben und hält sich in den USA auf.

Seit der Moskauer Langzeitbürgermeister Juri Luschkow im Herbst aus seinem Amt entlassen worden war, werden vermehrt Bauprojekte auf krumme Machenschaften hin untersucht. In diesem Zusammenhang sind offenbar auch die Ermittlungen gegen Egijazarjan und seinen Mitarbeiter Gogochija zu sehen.

Im August 2010 hatte ein Aktionär des Moskauer Freizeitzentrums Europark Anzeige erstattet, dass Egijazarjan 20 Prozent Aktien im Wert von 30 Millionen Dollar entwendet und sie als Besicherung für einen Kredit bei der Deutschen Bank in der Höhe von 87,5 Millionen Dollar verwendet habe. Egijazarjan, in den Umbau des Hotels Moskva involviert, hat kurz später selber gegen Luschkow und seine Milliardärsgattin Jelena Baturina wegen Aktionärsstreitigkeiten rund um das Hotel Moskva geklagt.