Die Opposition frohlockt und legt dem Minister den Rücktritt nahe. Philipp Rösler und seine Kopfpauschale seien auf der ganzen Linie gescheitert. Doch der Minister denkt nicht an Rückzug: „Ein Bambus wiegt sich im Sturm, aber er bricht nicht.“

Beharrlich kämpft Rösler weiter für sein Modell einer einkommensunabhängigen Prämie für die Krankenversicherung, kombiniert mit einem Sozialausgleich für Geringverdiener – nur nennt sich das jetzt Zusatzbeitrag, und fällt zunächst eine Nummer kleiner aus als Röslers Prämie von 30 Euro.

Zwar haben die Parteichefs der Koalition Röslers Ursprungskonzept gestoppt, doch „auf der ganzen Linie gescheitert“ ist der FDP-Minister sicherlich nicht. Der Aufschlag ist gemacht.

Außerdem ist es ihm gelungen, nur wenige Tage vor einer harten Sparklausur des Kabinetts zwei zusätzliche Milliarden Euro für das Gesundheitswesen loszueisen. Sieht so ein Verlierer aus? Sicher, sparen muss Rösler trotzdem. Doch nun müssen alle in der Koalition Sparvorschläge unterbreiten.

Der Ärger mit Ärzten und Klinikbeschäftigten ist programmiert – wird aber nachdem alle Parteispitzen den Sparkurs beschlossen haben – nicht allein auf den Gesundheitsminister niedergehen. Auch das kann Rösler als Erfolg verbuchen. Nach dem großen Krach ist der Einigungsdruck in der Koalition immens gewachsen – bis zur Sommerpause muss das neue Konzept stehen. Die CSU kann es sich nicht länger leisten, den Minister mit einem schlichten „Mit uns nicht“ zu desavouieren.

Das Pokerspiel um die Prämie ist noch längst nicht zu Ende. Auch über einen Sozialausgleich wird weiter nachgedacht. Röslers Idee der gestaffelten Beitragssätze hat Signalwirkung über das Gesundheitswesen hinaus. Im Steuersystem steigen die Sätze mit dem Einkommen, in den Sozialversicherungen wird jedoch ab 800 Euro der gleiche Satz erhoben. Ob dies gerecht ist, darüber sollte zumindest einmal nachgedacht werden.

Totgesagte leben länger: Das gilt auch für Röslers Gesundheitsprämie, die in diesen Tagen so viele gern für immer beerdigen würden.