Betriebsrenten

Jetzt soll Ergo auch noch Schmiergeld gezahlt haben

Die Skandalserie beim Ergokonzern reißt nicht ab: Personalmanager sollen für die Vermittlung fragwürdiger Betriebsrenten kassiert haben.

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Ein breites Spektrum von Skandalquellen hatte der Versicherer Ergo diesen Sommer schon durch: Sexorgien auf Firmenkosten, falsch ausgewiesene Kosten bei Riesterverträgen, systematisch schlechte Beratung bei Unfallversicherungen. Doch der nächste Vorwurf lässt wieder nicht lange auf sich warten: eine Art Schmiergeld .

Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer sollen Mitarbeiter von Personalabteilungen mit dreistelligen Beträgen entlohnt haben, wenn sie ihnen Kollegen vermittelten, die für sie nachteilige Betriebsrenten-Verträge abschließen sollten. Bereits vor einigen Wochen machten die Vertriebspraktiken der Ergo bei der betrieblichen Altersvorsorge erstmals Schlagzeilen.

Der Versicherer hatte den Vorwürfen zufolge mit Unternehmenskunden Rahmenverträge abgeschlossen, die den Mitarbeitern günstige Konditionen für Betriebsrenten zusicherten. Die Beschäftigten sollen jedoch später gar nicht von diesem Gruppenkonditionen profitiert haben – stattdessen sollen die Hamburg-Mannheimer-Vertreter ihnen deutlich ungünstigere Einzelverträge verkauft haben.

Dabei ging es den Vermittlern offenbar um ihre Provision: Während sie für einen Kontrakt im Rahmen des Gruppenvertrages nur 150 Euro bekommen hätten, seien es bei einem Einzelvertrag bis zu 1000 Euro gewesen, berichtete das „Handelsblatt“. Diese zusätzlichen Einnahmen könnten auch den Spielraum geschaffen haben, um die Personaler der jeweiligen Unternehmen für ihre Vermittlungsdienste zu entlohnen. Von 100 Euro pro Fall ist abgeschlossenem Vertrag ist die Rede.

Staatsanwaltschaft prüft diverse Vorwürfe

Der Versicherer will sich zu diesen Vorwürfen früherer Vertreter nicht äußern. Anfang August hatte der Konzern eine Untersuchung der Praktiken bei den Betriebsrenten eingeleitet und damit die Wirtschaftprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers beauftragt.

Die interne Prüfung soll bis Anfang Oktober dauern, bis dahin wolle man keine Zwischenstandsmeldungen abgeben, heißt es beim Unternehmen. Immerhin traut man sich schon einmal zu, die Probleme einzugrenzen: Ergo-Vorstand Frank Neuroth wies vergangene Woche Angaben zurück, wonach Zehntausende oder gar Hunderttausende Verträge nicht korrekt seien. Nach ersten Erkenntnissen der Konzernrevision gehe es um weniger als zehn Gruppenverträge, betroffen seien 600 Versicherte.

Parallel dazu befassen sich auch Staatsanwälte mit der Angelegenheit: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte Strafanzeige wegen Betrugsverdachts erstattet . Bei der Staatsanwaltschaft heißt es, man befinde sich noch im Stadium der Vorprüfung der diversen Vorwürfe gegen Ergo, auch im Zusammenhang mit den Betriebsrenten. Ein formelles Ermittlungsverfahren sei noch nicht eingeleitet worden.

Streit um Provisionen

Derweil bringt jedoch jede neue Negativschlagzeile die Ergo weiter in Bedrängnis. Auch bei den fehlerhaften Riester-Policen und den fragwürdigen Verkaufsmaschen bei Unfallversicherungen ging es jeweils nur um einige Tausend Fälle – dennoch verfestigt sich mit jedem neuen Fall das Bild, dass Ergo-Vertriebler immer wieder ihre Kunden über den Tisch gezogen haben könnten.

Sollten sich die neuesten Vorwürfe zu verdeckten Zahlungen an Personaler bestätigen, sähen Strafrechtler darin „Bestechung im geschäftlichen Verkehr“. Hintergrund der immer neuen Enthüllungen bei der Ergo dürfte unter anderem ein Streit mit früheren Vertretern über nicht gezahlte Provisionen sein.

Der Versicherer hat deshalb seinerseits Strafanzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt wegen eines Anfangsverdachts auf versuchte Erpressung. Was freilich nichts daran ändert, dass der Versicherer in den vergangenen Wochen mehrfach einräumen musste, dass schwere Vorwürfe hinsichtlich der Vertriebspraktiken berechtigt waren.