Währungskommissar Rehn

"Finanzmärkte sind anfällig für Herdenverhalten"

EU-Währungskommissar Olli Rehn fordert schnelles Handeln der Euro-Länder. Gleichzeitig kritisiert er die Massenpanik der Finanzmärkte.

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EU-Währungskommissar Olli Rehn hat die Euro-Staaten aufgefordert, die beim EU-Gipfel im Juli beschlossenen Änderungen am Euro-Rettungsschirm so schnell wie möglich zu verabschieden. Die Beschlüsse müssten „spätestens im September“ umgesetzt werden, um die Finanzmärkte zu beruhigen, sagte Rehn der „Bild“-Zeitung.

Die Regierungschefs der Eurozone hätten bei dem Sondergipfel „wegweisende Entscheidungen“ getroffen. „Beamte in ganz Europa arbeiten jetzt Tag und Nacht an der Umsetzung. Die Detailarbeit ist sehr komplex, aber es handelt sich um Wochen, nicht Monate“, sagte der finnische EU-Politiker.

Zugleich kritisierte Rehn das Verhalten der Finanzmärkte. „Die Märkte sind sehr nervös“, sagte er. Doch sie wollten „alles auf einmal“. Für die Übertreibungen auf den Märkten gebe es keinen Grund. „Die Wirtschaftszahlen in der Eurozone sind solide und rechtfertigen keine derartigen Marktturbulenzen“, sagte Rehn. „Aber Finanzmärkte sind anfällig für Herdenverhalten und Massenpanik.“

Um Vertrauen zurückzugewinnen, müsse jetzt auf allen Ebenen gehandelt werden. Die gefährdeten Staaten müssten rigoros sparen . Aber auch die jüngsten Eingriffe der Europäischen Zentralbank (EZB), die Anleihen von Spanien und Italien aufgekauft hatte, seien „zur Stabilisierung nötig geworden“.

Deutschland trage bei der Bewältigung der Euro-Krise eine große Verantwortung, sagte Rehn. Als Exportnation profitierte Deutschland stark vom Euro. „Wirtschaftserfolg und Verantwortung kann man nicht trennen, und vor beidem habe ich große Achtung.“ Deutschland habe seinen Haushalt „sehr gut in Ordnung gebracht und zahlt einen sehr niedrigen Zinssatz, das hilft“, sagte Rehn. „Unsere Antwort auf die Krise muss maximale Durchschlagskraft haben, denn kein Land sollte eine größere Last tragen, als es kann.“