Energie

Deutsche Solarbranche verbrennt Geld

Die Solarindustrie schreibt trotz Milliardensubventionen rote Zahlen. Die deutschen Unternehmen müssen um ihre Existenz bangen. Beim früheren Weltmarktführer Q-Cells stehen schon die Anlagen still.

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Trotz der weltweit höchsten Solarstrom-Subventionen hat die deutsche Sonnenbranche im ersten Halbjahr desaströse Ergebnisse eingefahren. Bis auf wenige Ausnahmen meldeten die führenden deutschen Solarunternehmen Gewinneinbrüche bis hin zu tief roten Ergebniszahlen. Einige kündigten Jobabbau und Produktionsverlagerungen ins Ausland an.

Der frühere Weltmarktführer Solarkonzern Q-Cells machte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres mehr Verlust als Umsatz. Der Fehlbetrag habe nach Zinsen und Steuern bei 354,8 Millionen Euro gelegen, der Erlös dagegen nur 316 Millionen Euro erreicht, teilte das Unternehmen aus dem sachsen-anhaltischen Bitterfeld-Wolfen mit. „2011 wird ein schwieriges Jahr“, sagte der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen und kündigte einen weiteren Abbau von Stellen in der deutschen Fertigung von Solarzellen und in der Verwaltung an.

Bei Q-Cells stehen die Anlagen still

Schuld an dem schwachen Ergebnis sind nach Unternehmensangaben unter anderem der Preisverfall bei Solarzellen und -modulen und die schlechte Auslastung der Produktion durch die sinkende Nachfrage nach Q-Cells-Produkten. Als Reaktion auf den Verlust kündigte Cen die dauerhafte Stilllegung von 50 Prozent der Produktionskapazitäten für Solarzellen am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen an. Die Anlagen stünden bereits seit April still und würden nicht mehr genutzt. Dagegen solle das malaysische Werk des Konzerns im zweiten Halbjahr voll ausgelastet werden. Zudem will der Q-Cells-Chef die Kosten in der Verwaltung durch eine „weitere Vereinfachung der Strukturen“ um 25 bis 30 Prozent senken.

Für das Gesamtjahr stellte Q-Cells einen Umsatz von rund einer Milliarden Euro und einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dreistelligen Millionenbereich in Aussicht. Dieser werde zwar höher liegen als das im ersten Halbjahr aufgelaufene Minus von 318,3 Millionen Euro, sich „aber nicht verdoppeln“, sagte Cen. Ministerpräsidenten ostdeutscher Bundesländer kündigten an, der notleidenden Solarindustrie helfen zu wollen. „Die Solarindustrie ist eine Leitindustrie für Ostdeutschland, und wir müssen alles tun, um die Unternehmen hier zu halten“, sagte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD). Zudem spiele Solarstrom bei der Energiewende eine große Rolle, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). In Deutschland müsse deshalb die gesamte Wertschöpfungskette – von der Forschung bis zum marktfähigen Produkt – erhalten bleiben. „Wie dies gelingen kann, ist eine Frage, die sich aus der Energiewende ergibt und noch geklärt werden muss“, sagte Christoffers.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, es gehe dabei nicht um eine neue Förderung für die Solarbranche, sondern etwa um die Vergabe von Krediten: „Diejenigen, die in Deutschland und Europa Solarparks bauen, müssen Zugang zu Kapital haben.“

Allerdings profitiert die deutsche Solarindustrie auch so schon von den weltweit höchsten Einspeisetarifen für Sonnenstrom. Allein die bis 2010 verbauten Solarmodule belasten die deutschen Verbraucher über die „Umlagefinanzierung“ auf den Strompreis 20 Jahre lang mit 85 Milliarden Euro. Da jedoch mehr als 70 Prozent aller in Deutschland verbauten Solarmodule von asiatischen Herstellern stammen, kommt von den Fördergeldern des deutschen Verbrauchers nur noch wenig bei der heimischen Industrie an.

Innovationen sind dringend gefragt

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, forderte eine Debatte über die Zukunft der Photovoltaikindustrie in Deutschland. Statt über den weltweiten Preisverfall zu lamentieren, müsse die Politik sich Gedanken machen, wie Innovationssprünge gegenüber Billiganbietern gemacht werden könnten, sagte Vassiliadis. „Nur dann ist eine Förderung gerechtfertigt und sind die Arbeitsplätze auch hierzulande dauerhaft sicher.“

Auch der deutsche Marktführer Solarworld AG musste Einbußen hinnehmen. Im Vergleich zu Wettbewerbern hielt er sich dabei allerdings noch relativ gut. Der Umsatz ging in den ersten sechs Monaten von 608 auf 535 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 68 Millionen Euro, nach knapp 84 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich erzielte Solarworld einen Gewinn von 22,4 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 34,8 Millionen Euro.

Schwache Nachfrage

Der Berliner Solarkonzern Solon warnte vor wenigen Tagen erneut vor einer Insolvenz, sollte er sich nicht mit den Banken über die Verlängerung eines Kredites von 275 Millionen Euro einigen, der Ende des Jahres ausläuft. Das Unternehmen hatte am Mittwoch seinen Zwischenbericht fürs erste Halbjahr 2011 vorgelegt. Um die Fixkosten zu senken, wolle Solon in der Berliner Konzernzentrale Personal abbauen .

Der Rückgang der Solarförderung in Deutschland und anderen europäischen Ländern macht auch Anlagenbauern wie Phoenix Solar zu schaffen. Wegen schwacher Nachfrage und Lagerbestandsabwertungen hat das Photovoltaik-Unternehmen aus dem bayerischen Sulzemoos seinen Verlust ausgeweitet. Der Umsatz brach in den ersten sechs Monaten im Vergleich zu einem starken Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf 140,8 Millionen Euro ein. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 21,1 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte da noch ein Plus von 18,7 Millionen Euro gestanden. Für das Gesamtjahr erwartet die Unternehmensführung einen leicht rückläufigen Umsatz. Eine verlässliche Prognose für das Ergebnis will Vorstandschef Andreas Händel derzeit nicht abgeben. Vor dem Hintergrund der bisher aufgelaufenen Verluste werde es jedoch schwer, ein positives Ergebnis zu erzielen.