Schuldentilgung

ThyssenKrupp verkauft großes Aktienpaket

Rund 1,6 Milliarden Euro nimmt der Stahlprimus durch den Verkauf eigener Aktien ein. Zugleich greift Vorstandschef Hiesinger bei Korruption hart durch.

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ThyssenKrupp macht ernst beim Schuldenabbau. Deutschlands größter Stahlkonzern hat ein selbst gehaltenes Aktienpaket in Höhe von rund 9,6 Prozent des Grundkapitals verkauft. Institutionelle Investoren aus dem In- und Ausland legten dafür rund 1,6 Mrd. Euro auf den Tisch.

Mit dem eingenommenen Geld will Vorstandschef Heinrich Hiesinger zum einen das Eigenkapital des Konzerns stärken. Zum anderen soll der gigantisch große Schuldenberg abgetragen werden. Ende März stand ThyssenKrupp mit rund 6,5 Mrd. Euro in der Kreide. Grund dafür sind vor allem die hohen Anlaufverluste für zwei neue Stahlwerke in den USA und Brasilien.

Zwar berichten Händler, dass der Aktienverkauf nicht optimal gelaufen ist. Bei ThyssenKrupp zeigt man sich dennoch zufrieden. Denn mit 32,95 Euro je Aktie lag der Verkaufspreis rund zwei Euro über dem durchschnittlichen Kurs beim Einkauf der Konzernpapiere in den Jahren 2006 und 2008.

Der Zeitpunkt sei daher günstig gewesen, hieß es aus dem Untenehmen. Durch den Verkauf steigt der Streubesitz der Thyssen-Aktie auf knapp 75 Prozent an. Die restlichen Anteile liegen in Händen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Analysten begrüßten den Verkauf des Aktienpakets. Der Schuldenabbau trage dazu bei, die Refinanzierungskosten zu senken und darüber hinaus die Bewertung durch die Ratingagenturen zu verbessern, lobten sie.

Die Agentur Standard&Poor’s etwa stuft Thyssen-Papiere mittlerweile nur noch mit Ramsch-Status ein. An der Börse allerdings kam der Schritt weniger gut an. Mit einem Minus von zeitweise sechs Prozent gehörte das Traditionsunternehmen gestern zu den größten Verlierern im Dax.

In den kommenden Monaten soll der Schuldenabbau weiter vorangetrieben werden. Hiesinger will dazu Unternehmensbereiche mit zuletzt zehn Mrd. Euro Umsatz und über 35.000 Mitarbeitern abstoßen, darunter das stark zyklische Edelstahl- und große Teile des Autozuliefergeschäfts.

Zuletzt allerdings hatte es bei der Umstrukturierung einen Rückschlag gegeben. So war in der vergangenen Woche der schon sicher geglaubte Verkauf des zivilen Teils der Hamburger Werftentochter Blohm+Voss an die arabische Schiffsbauholding Abu Dhabi Mar (ADM) geplatzt.

Unterdessen hat Hiesinger nach dem jüngsten Skandal bei der Thyssen-Tochter Gft Gleistechnik in Duisburg offenbar durchgegriffen. Der zuständige Bereichsvorstand musste den Konzern verlassen, bestätigt Thyssen mit Verweis auf die internen Compliance-Regeln. Zwar war der Bereichsvorstand nicht direkt am angeblichen Schienenkartell beteiligt.

Dennoch habe er die „politische Verantwortung“ für den Fall übernehmen müssen. Der Zusammenschluss verschiedener Stahlkonzerne soll laut der Staatsanwaltschaft in Bochum über Jahre hinweg die Preise von Schienen abgesprochen haben. Durch diese Preisabsprachen soll die Deutsche Bahn um mehrere hundert Mio. Euro geschädigt worden sein.