Commerzbank

Griechenland-Papiere drücken Gewinn fast auf Null

Commerzbank muss 760 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben. Die Eurohypo ist praktisch unverkäuflich.

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Die Griechenland-Krise macht die Hoffnungen der Commerzbank auf einen Gewinnsprung in diesem Jahr zunichte. Deutschlands zweitgrößte Bank schrieb im zweiten Quartal 760 Millionen Euro auf die Staatsanleihen des Mittelmeerlandes in den Büchern ihres Immobilienfinanzierers Eurohypo ab.

Der scheidende Finanzvorstand Eric Strutz gab das Ziel auf, das Ergebnis vor Steuern für die gesamte Bank deutlich zu steigern. 2010 hatte es bei 1,4 Milliarden Euro gelegen. Stattdessen hat sich die Commerzbank nun vorgenommen, im Kerngeschäft – also ohne Eurohypo und die interne „Bad Bank" - 2011 deutlich mehr zu verdienen als die 1,98 Milliarden Euro aus dem Vorjahr, wenn die Lage an den Märkten nicht eskaliere. Beflügelt durch die gute Konjunktur, liegt der Vorsteuergewinn in der Kernbank nach sechs Monaten bereits bei 2,1 Milliarden.

Im zweiten Quartal fraßen die Griechenland-Abschreibungen den Gewinn der Commerzbank fast vollständig auf. Das Ergebnis vor Steuern fiel auf 55 (Vorjahr: 243) Millionen Euro, wie das Institut mitteilte. Analysten, die geringere Wertberichtigungen auf die 3,1 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen erwarteten, hatten mit einem Vorsteuergewinn von 105 Millionen Euro gerechnet. Kepler-Analyst Dirk Becker sah es positiv: „Wenn man die Griechenland-Abschreibungen herausrechnet, haben sie 815 Millionen Euro verdient – und das finde ich ziemlich viel.“

Weiterhin ist Strutz skeptisch, dass sich der verlustreiche Immobilienfinanzierer Eurohypo rasch verkaufen lässt. „Kein Analyst hält die Bank für verkaufbar“, sagte Strutz. „Aber die EU ist die EU.“ Die EU-Kommission verlangte anläßlich der Fusion mit der Dresdner Bank von der Commerzbank, die Tochter bis 2014 zu verkaufen. Strutz sagte, er könne sich nicht vorstellen, schon im nächsten Jahr einen Interessenten für die Eurohypo zu finden, zumal sie sich derzeit nicht eigenständig refinanzieren könne. „Ich würde die Eurohypo liebend gerne verkaufen und die Risikoaktiva freisetzen“, fügte der Finanzvorstand hinzu.

Vorstandschef Martin Blessing rückte auch ein Stück von dem Ziel ab, 2012 einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro zu erreichen. „Die im Jahr 2009 beschlossenen Ziele stehen weiterhin unter dem Vorbehalt stabiler Märkte, die wir wegen der Staatsschuldenkrise derzeit nur bedingt sehen“, erklärte er. In den fünf Schuldenstaaten am Rand der Euro-Zone ist die Bank mit insgesamt 39 Milliarden Euro engagiert. Analyst Neil Smith von der WestLB hofft, dass die Zuversicht bald zurückkehrt: „Wenn sich die Marktbedingungen etwas mehr stabilisieren, sollten wir im nächsten Quartal noch einmal auf ihre Ziele schauen.“

Konjunktur stützt Mittelstandsgeschäft

Finanzvorstand Strutz betonte, die Schuldenkrise habe auf das Kerngeschäft keine erkennbaren Auswirkungen. Operativ lief es in weiten Teilen der Commerzbank besser als zuletzt. Größter Gewinnbringer bleibt das Geschäft mit mittelständischen Kunden, für die die Commerzbank in Deutschland der wichtigste Finanzier ist. Die Konjunktur brummt, so dass die Commerzbank sogar 25 Millionen Euro mehr Rückstellungen für faule Kredite auflösen konnte als sie neu bildete. Die Mittelstandsbank steigerte den Gewinn im zweiten Quartal um 29 Prozent auf 501 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank insgesamt nur noch mit einer Risikovorsorge von 1,8 Milliarden Euro, 500 Millionen weniger als bisher.

Im Kapitalmarkt-Geschäft hat sich das Ergebnis auf 281 (109) Millionen Euro fast verdreifacht. Im Privatkundengeschäft, in dem die Integration der Dresdner Bank sich dem Ende nähert, standen 79 (13) Millionen Euro zu Buche. Die Spezialfinanzierer um die Eurohypo, die bis 2014 verkauft werden muss, blieben mit fast einer Milliarde Euro tief in den roten Zahlen. Auch ohne die Abschreibungen auf Staatsanleihen hätten sie Verluste geschrieben.

Strutz hatte am Dienstagabend überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Nach acht aufreibenden Jahren im Amt wolle er von April 2012 an zunächst mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, begründete der Finanzchef den Schritt. Die Bank sucht noch nach einem Nachfolger.