Da haben sich die meisten Sparer noch nicht einmal von der letzten Krise so richtig erholt, da bricht schon die nächste über sie herein. Die Krise wird zum Regelfall. Nichts zeigt das besser, als die Achterbahnfahrt des Dax in den vergangenen 15 Jahren. Die Kurseinbrüche kommen immer häufiger und fallen dabei immer markanter aus. Zuletzt hat der Dax innerhalb von acht Tagen mehr als 1000 Punkte eingebüßt. Börsenhändler rechnen für den heutigen Montag mit einem weiteren Rutsch gen 6000 Punkte.
Zwei Ursachen hat diese neue Welt- und Anlageordnung. Zum einen ist da die immer engere Vernetzung der globalen Finanzmärkte. Wenn an einem Ort auf der Welt der berühmte Sack Reis umfällt, zieht das milliardenschwere Geldströme nach sich und kann – anders als der Volksmund bei dem chinesischen Reissack vermutet – zu Turbulenzen auch in den entferntesten Ecken führen.
Zum anderen sind Staaten, Anleger und Konsumenten überall auf der Welt hoch verschuldet, so dass jede kleine Schwankung massive Kursbewegungen zur Folge hat. Dass in den vergangenen Jahren der automatische Computerhandel extrem zugenommen hat, macht die Sache nur noch schlimmer.
Für Anleger heißt das, dass sie in guten Zeiten immer auch für die Krise gewappnet sein müssen und ihr Vermögen so aufteilen sollten, dass nicht ein Schock einen Großteil des Ersparten vernichten kann. In der Praxis müssen Sparer die fast schon banale Erkenntnis konsequent umsetzen, das Vermögen breit zu streuen, das heißt, in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Tagesgeldkonten, Anleihen, Immobilien oder auch Gold zu packen.
Wer jetzt auf einem unbalancierten Vermögensportfolio sitzt, sollte seine Anlagestrategie überdenken und gegebenenfalls umschichten. Wer bereits über einen ausgewogenen Anlagemix präsidiert, der darf jetzt nicht die Nerven verlieren und in übereilten Aktionismus verfallen. Bei kurzfristigen Dispositionen müssen Sparer Demut zeigen und jedes Risiko scheuen. Denn kein Experte kann derzeit verlässlich prognostizieren, ob Mr. Market, wie die Börsen häufig genannt werden, nur manisch-depressiv ist und schon bald wieder aus dem Tief herausfindet und sein nächstes Hoch erlebt, oder aber ob er bereits eine Zeitreise in die Zukunft machen durfte und dort einen schrecklichen Wirtschaftseinbruch erblicken musste.
Langfristiger Portfoliomix
Wer derzeit auf Nummer Sicher gehen will, deponiert sein freiverfügbares Geld auf Tagesgeldkonten. Dort bekommen Sparer rund 2,5 Prozent gutgeschrieben, bei Wahl des richtigen Anbieters. Das taugt aber nicht zur langfristigen Vermögensmehrung. Denn von den mageren Zinsen knappst der Fiskus ein Viertel plus Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer ab, sobald der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro ausgeschöpft ist. Damit bleiben netto weniger als zwei Prozent Rendite übrig. Bei einer Inflationsrate, die deutlich über zwei Prozent liegt, bedeutet das einen realen Vermögensverlust. Auf spürbar höhere Zinsen können Anleger nicht hoffen, denn die Notenbanken werden wegen der Krise sämtliche Zinsen weiter künstlich niedrig halten. Mit Tagesgeldkonten und Sparbüchern vermeiden Anleger jetzt also nur mögliche größere Verluste. Mehren wird sich ihr Geld nicht.
Beim langfristigen Geldanlegen nehmen sich Verbraucher besser ein Vorbild an Vermögensverwaltern. Deren Musterdepot sieht rund 40 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen, 15 Prozent Edelmetalle und andere Rohstoffe sowie fünf Prozent Cash vor. Immobilien werden von den Profis meist nicht berücksichtigt, weil viele Bürger eine Wohnung oder ein Haus ohnehin ihr Eigen nennen. Abhängig von Alter und Risikoneigung können die Anteile variieren.
Allen Verwerfungen zum Trotz setzen Vermögensverwalter weiterhin auf Aktien. Aktien sind reale Werte – hinter ihnen steht immer Produktivvermögen und Unternehmergeist. Beides lässt sich im Gegensatz zu Papiergeld nicht beliebig mehren. In jeder Währungsreform wurden zwar auch Aktien gerupft, doch hat man mit Dividendenpapieren jede große Krise besser bestanden als etwa mit Staatsanleihen. Attraktiv sind werthaltige Firmen mit hoher Dividendenrendite. Gerade nach den Kurseinbrüchen sind die Bewertungen günstig. Im Dax bieten 18 der 30 Konzerne Dividendenrenditen von 2,5 Prozent oder mehr. Mit ihnen lassen sich höhere Renditen als mit Bundesanleihen einfahren. Die Verzinsung zehnjähriger Schuldtitel der Bundesrepublik war in der abgelaufenen Woche auf nur noch 2,34 Prozent abgerutscht.
Am meisten werfen die Titel der Versorger und Versicherer ab. RWE bietet eine Dividendenrendite von 8,3 Prozent, E.on von 6,9 Prozent, die Münchener Rück 6,7 und die Allianz 6,3 Prozent. Bei der Deutschen Telekom können Investoren auf sieben Prozent Ausschüttung hoffen. Anleger müssen aber wissen, dass Ausschüttungen nicht garantiert werden. Den hohen Dividendenrenditen liegen die Gewinnerwartungen der kommenden Jahre zu Grunde. Sollte die Weltwirtschaft in eine globale Rezession abrutschen, wären auch die Erträge vieler Konzerne futsch – und damit auch deren Ausschüttungen. Macht die Konjunktur aber nur einen schwachen Rücksetzer, dürften die Unternehmen weiter klotzig verdienen.
Wer nicht auf einzelne Dax-Dividendenstars setzen will, der kann auch auf einen Indexfond setzen, der den DivDax abbildet. In diesem sind die 15 ausschüttungsstärksten Blue Chips Deutschlands gelistet.
Wer den Anlagemix nicht selbst vornehmen sondern in professionelle Hände geben will, kann in Mischfonds investieren. Hier verteilen Fondsmanager das Geld ihrer Kunden je nach Marktlage in die passenden Assets. Nur wenige können das richtig gut, in den letzten Jahren gehörten Carmignac und Ethna-Aktiv mit zu den renditereichsten Vehikeln.
Das Vertrauen in die Politik hat seit der Finanzkrise arg gelitten. Denn die Entscheidungsträger stolpern ohne spürbare Fortschritte von einer Rettungsaktion in die nächste. Aus diesem Grund hat die Anlageklasse Gold an Attraktivität gewonnen, denn Gold entzieht sich weitgehend dem Einfluss der Politik. Währung ging und kam in den vergangenen Jahrhunderten aber Gold blieb.
Chancen in der Krise
Wer seine absolute Unabhängigkeitserklärung von der Politik machen will, kauft physisch bei Edelmetallhändlern Münzen oder Barren und bezahlt mit Bargeld. Weniger systemkritische Naturen können auch Gold gedeckte Indexfonds kaufen und wer den Bankensektor nicht untergehen sieht, der kann Goldzertifikate kaufen, die währungsgesichert sind.
Risikofreudigere Sparer können versuchen, Chancen in der Krise zu nutzen. Die hohen Schwankungen, die sonst wehtun, bieten Möglichkeiten. Mit Discountzertifikaten beispielsweise kann man derzeit hohe Renditen einfahren, vorausgesetzt es kommt nicht zu einem Kursmassaker an den Börsen. So bringt ein Schein von Goldman Sachs sechs Prozent Rendite solange der Dax nicht unter 5000 Punkte fällt. Allerdings sind Zertifikate Schuldverschreibungen, die wertlos werden, wenn Banken pleite gehen.












