Verdacht auf Sozialbetrug

Athen zahlt offenbar sehenden Menschen Blindengeld

Auf einer griechischen Insel beziehen etwa 600 Bewohner Blindengeld – viele schon seit ihrer Kindheit. Athen vermutet dahinter einen Massen-Betrug.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/ANA-MPA

Ein ungewöhnlich hoher Anteil von Blindengeld-Empfängern auf einer griechischen Insel hat die Behörden des überschuldeten EU-Staates stutzig gemacht. Das Gesundheitsministerium ordnete eine Untersuchung auf dem nicht genannten Eiland im Ionischen Meer an.

Etwa 600 Inselbewohner erhalten demnach die staatliche Unterstützung für Blinde. „Wir wissen nicht, wie vielen von diesen Leuten die Leistungen tatsächlich zustehen“, sagte ein Regierungsbeamter.

Die griechische Zeitung „Ethnos“ berichtete, dass zwei Prozent der Inselbevölkerung Blindengeld beantragen würden, viele von ihnen seit der Kindheit. Der Zeitung zufolge will die Regierung alle staatlichen Sozialprogramme auf ungerechtfertigte Zahlungen überprüfen. Athen musste bereits gestehen, für tausende tote Landsleute weiter Rentenzahlungen geleistet zu haben.

Die jährlichen Sozialleistungen des griechischen Staates betragen 6,4 Milliarden Euro. Das Land konnte nur mit Hilfe der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds vor dem Staatsbankrott bewahrt werden. Im Gegenzug verplichtete sich Athen zu einem harten Sparkurs.