VW Beetle

Neuer Käfer feiert Premiere in der Autometropole

Berlin entwickelt sich zur Autohauptstadt. Am Montag werden dort nämlich gleich zwei Modelle vorgestellt. Der neue 1er BMW und die neue Version des VW Beetle.

Es ist unmöglich, das Auto zu übersehen: 30 nagelneue VW Beetle, rote und weiße, rollen von Montag an durch die Stadt, es ist die erste Fahr-Möglichkeit für die internationale Fachpresse, und in den nächsten drei Wochen werden knapp 800 Autotester den modernen Käfer ausprobieren.

Manche werden in Organisationsschwierigkeiten kommen, denn BMW stellt gleichzeitig den neuen 1er vor, ebenfalls in Berlin. Nicht nur wegen dieser Terminprobleme: Die Hauptstadt entwickelt sich zur Autometropole - immer mehr Hersteller finden, dass Berlin die beste Kulisse bietet, um ein neues Auto zu inszenieren.

"Aufbruch, Kreativität, Bedeutung"

Dieses Jahr war schon Audi in der Stadt mit der Enthüllung des A6 Avant in der Humboldt-Box. Ford präsentierte den Focus Turnier, Toyota wird mit dem Kleinwagen Yaris im September da sein, Peugeot hat das Elektroauto iOn durch Berlin fahren lassen, und Nissan ist auch immer wieder in der Gegend, vor allem mit designbetonten Autos wie dem Cube. "Das hat auch mit dem Image der Stadt zu tun", sagt Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfl. "Der Aufbruch, die Kreativität, die politische Bedeutung - all das passt." Allerdings nicht zu jedem Auto. Die meisten Modelle, die in der Hauptstadt vorgestellt werden, haben entweder etwas Jugendliches oder bedienen den Lifestyle-Markt. So wie der neue Beetle. "Mit dem Polo wären wir vielleicht woanders", sagt Claudius Colsmann, der bei VW für die Pressetest-Veranstaltungen zuständig ist.

In der Tat geht es bei solchen Groß-Events nicht nur darum, einen leistungsfähigen Flughafen in der Nähe zu haben und eine Auswahl guter Hotels. Die Stadt muss zum Produkt passen, auch wenn Nissan-Sprecher Bierdümpfl zugibt, dass die Wirkungen der Kulisse auf den späteren Absatz der Produkte nicht gemessen werden. Dem kastenförmigen Designerstück Cube hat die Vorstellung in Berlin auch nicht geholfen: Das Auto floppte in Deutschland und wird heute nicht mehr angeboten.

Trotzdem sind sich die Vertreter aller Firmen einig, dass es nicht egal ist, in welcher Stadt man welches Auto präsentiert. "Mit dem 6er Coupé, das gerade in München vorgestellt wird, würden wir nie nach Berlin gehen", sagt BMW-Sprecher Bernhard Ederer. Ein Auto zu Preisen ab 74 700 Euro passt offensichtlich nicht zu einer Stadt, die landauf, landab als "arm, aber sexy" wahrgenommen wird. Für Autos dieser Art braucht es die großbürgerliche Kulisse. "Auch die Tatsache, dass wir das 6er Cabriolet im Winter in Südafrika vorgestellt haben, hat nicht nur mit dem Wetter zu tun gehabt", sagt Ederer. Entscheidend sei auch das Flair in Kapstadt gewesen, das in Teilen so mondän sei wie Monte Carlo. Zu Berlin passen laut Ederer in erster Linie jene Modelle, die sich besonders designorientiert geben. Berlin stehe für BMW aber auch deshalb immer wieder auf dem Veranstaltungsplan, "weil wir der Stadt ohnehin durch das Motorradwerk Spandau sehr verbunden sind".

Einen zentralen Nachteil haben allerdings große Städte wie Berlin: Man kann nicht besonders gut Auto fahren. Eckehart Rotter sieht das aber nicht als Problem. Der Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) weist darauf hin, dass es sinnvoll sei, Fahrzeuge dort vorzustellen, wo sie dann später auch genutzt würden, also in der Stadt. "Es gibt natürlich auch Linthe, das Fahrsicherheitszentrum vom ADAC." Diese Fläche werde von vielen Herstellern immer wieder gebucht, damit die Autotester die Autos auf abgesperrter Strecke ausprobieren könnten. "Damit sie nicht nur den Britzer Tunnel mit seinen Blitzern erleben."

VW macht mit dem Beetle aus der Not eine Tugend, bringt nur das stärkste Modell 2.0 TFSI in die Stadt und schlägt den Autotestern eine große Tour ins Umland vor, zum Werbellinsee, damit sie die 200 PS des Autos auch ausfahren können. Rund 17 Mal wird diese Programm abgespult, und doch ist so eine Pressevorführung nur eine kleine Fingerübung gegen das, was einige Wochen danach kommt: die Händler-Präsentation. Zuletzt war VW aus diesem Anlass 2009 in der Stadt, mit dem jetzt aktuellen Golf. Sechs Wochen lang wurden täglich 500 bis 600 VW-Händler aus der ganzen Welt nach Berlin geflogen, damit sie das neue Auto fahren können, bevor die Kunden danach fragen.

Käfer-Gucken am Potsdamer Platz

Die Autos sind zum Zeitpunkt der Presse- oder Händlerpräsentation kein Geheimnis mehr, aber sie sind auch noch nicht Teil des alltäglichen Straßenbildes. Sie fallen auf. Wer einen VW Beetle oder einen BMW 1er in den nächsten Wochen in Natura sehen will, hat dazu reichlich Gelegenheit. VW residiert im Hotel Mandala an der Potsdamer Straße und wird an dieser Adresse und um den Schinkelplatz (das ist der zentrale Veranstaltungsort) auch eine kleine Käfer-Welt inszenieren. Für jedermann sichtbar parken alte Käfer aus vielen Baujahren an den Straßen. Die beste Gelegenheit, einen neuen Beetle in Aktion zu sehen, besteht in diesem zentralen Teil der Stadt, täglich zwischen zwölf und 16 Uhr.

"Eine Metropole hat immer einen besonderen Abstrahleffekt", sagt Claudius Colsmann von VW. "Berlin ist dabei ganz vorn, weil es unterschiedliche Viertel hat, die unterschiedliche Bilder bieten. Berlin ist viel weiter gespreizt als andere Städte, auch weil Berlin sich ständig neu erfindet." Andere setzen mehr auf die politische Bedeutung des Standortes. Seit Matthias Wissmann, der frühere Bundesverkehrsminister, 2007 Präsident des VDA wurde, zog es auch den Lobbyverband immer stärker nach Berlin. Damals hatte man nur eine Repräsentationsvilla in der Hammersteinstraße (Dahlem), für Wissmann viel zu weit weg von den Entscheidungen der Politik. Im März 2010 wurde die Bewegung hin in die Mitte der Hauptstadt abgeschlossen, der VDA ist nun in der Behrenstraße ansässig, mit allen 80 Mitarbeitern; im früheren Sitz Frankfurt gibt es nicht mal mehr ein Büro. Das soll den Einfluss der deutschen Autohersteller auf die Politik erhöhen, und dieser Sogwirkung schließen sich die Importeure an.

Peugeot etwa hat in Berlin sein Mobilitätskonzept Mu gestartet - dabei lassen sich über ein spezielles Bezahl- und Punktesystem sämtliche Peugeot-Fahrzeuge je nach Bedarf nutzen, vom Fahrrad bis zum Transporter. "Für solch ein innovatives Programm bietet sich eine angesagte Großstadt wie Berlin natürlich geradezu an", sagt Peugeot-Sprecher Bernhard Voß. "Außerdem erhält man mit einer Veranstaltung in der Hauptstadt bundesweite mediale Aufmerksamkeit." Nissan-Sprecher Bierdümpfl würde gern sein neues Elektroauto Leaf, das Ende 2011, Anfang 2012 auf den Markt kommt, in Berlin vorstellen. "Das ist ja auch ein politisches Statement. Man kann elektrische Mobilität nicht in einer Stadt präsentieren, die politisch nicht vorbelastet ist." Manchmal geht es aber auch um den ganz praktischen Nutzen: Opel war mit dem Elektroauto Ampera in Den Haag und Amsterdam. Dort stehen 100 Ladestationen, an denen man kostenlos Strom zapfen kann - das hat Berlin noch nicht zu bieten.