Stahlkartell

Verdacht auf Absprachen auch bei Weichen der Bahn

Die Macht des Stahlkartells: Nicht nur bei Schienen soll es zu Preisabsprachen gekommen sein, die die Bahn in Millionenhöhe belasteten.

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Bei den Ermittlungen gegen ein mutmaßliches Stahlkartell mit dem Namen „Schienenfreunde“ muss der österreichische Stahlkonzern Voestalpine offenbar um seinen Status als Kronzeuge bangen. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, wurden die Ermittlungen gegen das Kartell, an dem Voestalpine beteiligt war, nicht wie bislang dargestellt von den Österreichern ausgelöst.

Bereits vorher habe es eine anonyme Anzeige eines Ex-Mitarbeiters gegeben, berichtete die Zeitung. Als Kronzeuge muss ein Konzern vollumfänglich mit den Behörden kooperieren. Der Status könne fallen, wenn dies nicht geschehe, sagte ein Sprecher des Kartellamts, ohne direkt Bezug zu dem Fall zu nehmen.

Darüber hinaus soll es nicht nur bei Schienen, sondern auch bei Weichen Preisabsprachen gegeben haben, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Angaben von Teilnehmern an dem Kartell weiter berichtete. „Dieses Kartell wurde nicht bei den Behörden angezeigt“, sagte einer der „Schienenfreunde“ der Zeitung.

Voestalpine hatte Anfang des Monats erklärt, dass die Ermittlungen der Behörden durch Hinweise des Konzerns selbst in Gang gebracht worden seien. Als Kronzeuge des Bundeskartellamts hofft das Unternehmen auf eine Befreiung von dem drohenden Bußgeld, das sich bei einer Verurteilung auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren könnte.

Das Kartell soll durch Preisabsprachen einen dreistelligen Millionenschaden für die Deutsche Bahn angerichtet haben. Justiz und Kartellamt hatten Ende Juni Ermittlungen gegen 30 Beschuldigte in zehn Firmen eingeleitet. Die Bahn zahlte demnach offenbar überhöhte Preise beim Stahlkauf für Schienen. Das Kartell soll bis 2008 existiert haben.