Einzelhandel

Handelskette Tegut expandiert mit Tante-Emma-Läden

Im Einzelhandel beginnt ein vorsichtiges Umdenken. Tegut reagiert auf die alternde Bevölkerung und will bis zu 25 "Lädchen für alles" eröffnen.

Foto: dpa / dpa/tegut

Die Handelskette Tegut will ihre Präsenz in ländlichen Regionen zunehmend mit Tante-Emma-Läden stärken. Bis Ende 2012 sollten 20 bis 25 weitere Mini-Supermärkte namens "Lädchen für alles" im Firmen-Verbreitungsgebiet eröffnet werden, teilte das in Fulda ansässige Unternehmen mit.

Damit will Tegut auf die alternde Bevölkerung reagieren und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort schaffen. Tegut hat derzeit in Hessen, Thüringen, Nordbayern, Südniedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mehr als 300 Supermärkte. Darunter befinden sich bereits fünf "Lädchen für alles".

Nach Einschätzung des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels können die Händler in dünn besiedelten Regionen mit Kleinflächenkonzepten durchaus punkten. Ob Stadt oder Land: "Tante Emmas Enkel" zeichneten sich dadurch aus, dass sie den Kunden einen schnellen und bequemen Einkauf in der Nähe ermöglichten, sagt Verbandssprecher Christian Böttcher in Berlin. Auf dem Land sei der Lebensmittelhandel ein wichtiger Bestandteil der Grundversorgung.

Für Tegut-Chef Thomas Gutberlet ist das Konzept namens "Lädchen für alles" eine "zeitgemäße Neuschöpfung einer Verkaufsform": "Die Menschen sollen auch in Zukunft auf dem Dorf gute Lebensmittel erwarten können." Die ortsnahe Versorgung in kleineren Gemeinden auf dem Land sei aber leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Zu kaufen gibt es Waren des täglichen Bedarfs. Die Mini-Supermärkte sollen aber auch verstärkt Dienstleistungen anbieten: Lotto, Paket- und Reinigungsservice und anderes. Zudem sollen die Läden Treffpunkt für die Menschen im Dorf sein und so mehr Kunden anlocken.

Der Geschäftsführer des Euro-Handelsinstituts EHI in Köln, Michael Gerling bezeichnet die Idee von Tegut als interessanten Ansatz. "Angesichts des demografischen Wandels spricht einiges dafür". Allerdings: "Bislang liegen große Supermärkte noch voll im Trend". Tausende Läden mit weniger als 400 Quadratmetern hätten in den vergangenen Jahren dicht machen müssen.

Rewe und Edeka sind beim Nahkauf schon stark

Rewe als zweitgrößter Lebensmittelhändler in Deutschland setzt auf Märkte namens Rewe City in Stadtteilen und hat bundesweit 920 sogenannte Nahkauf-Läden in Dörfern. "Das werden wir ausbauen", sagt Sprecher Raimund Esser in Köln. Die Verbraucher suchten zunehmend Läden in der Nähe. Auch die Funktion des Einkaufsladens als Treffpunkt sei auf dem Dorf nicht zu unterschätzen. Vor allem im Osten Deutschlands gebe es große Nachfrage nach den Nahkauf-Läden.

Der deutsche Marktführer Edeka sieht die Tegut-Initiative gelassen: "Wir brauchen nicht in die Dörfer gehen. Wir sind schon drin", sagt Edeka-Sprecher Gernot Kasel in Hamburg. Auf dem Land gebe es bereits viele der kleineren Edeka-Aktivmärkte mit einer Größe zwischen 400 und 1000 Quadratmetern.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sollten die Läden sehr nah sein, damit das Konzept aufgeht. Die maximal akzeptierte Entfernung zu den Verbrauchern beträgt demnach fünf bis acht Minuten oder 1000 Meter. Die Marktforscher beobachteten auch: Die Wachstumskurve der Discounter fällt gegenwärtig zwar flacher aus. Ein Expansionsstopp sei kurz- bis mittelfristig aber nicht in Sicht.