Euroabkehr

Sachverständige empfehlen Griechenland die Drachme

Europäische Experten sehen Griechenland kurz vor der Staatspleite. Nur eine Radikalkur könne das hochverschuldete Land noch retten.

Der europäische Sachverständigenrat EEAG warnt vor einer drohenden Pleite Griechenlands. Das hoch verschuldete Land könnte spätestens 2013 neue Rettungshilfen brauchen, schreibt die Gruppe von Ökonomen um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in ihrem Bericht, der der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt. Der eingeschlagene Sparkurs in Griechenland reiche nicht aus. Das Land werde nach Auslaufen des Rettungspakts wohl nicht in der Lage sein, sich über den Markt zu refinanzieren.

Die griechische Regierung hatte bislang stets betont, sie werde „jeden Cent zurückzahlen“ und spätestens 2014 damit beginnen, den Schuldenberg abzutragen. Doch laut Sachverständigenrat reichen die Einschnitte noch immer nicht aus. Das Gremium empfiehlt als Option gar den Ausschluss des Landes aus der Euro-Zone. Wolle die EU ihr Rettungspaket nicht mit jahrelangen Transfers ausdehnen, blieben neben einem Schulden-Moratorium nur zwei Lösungen: Die Rückkehr des Landes zur alten Währung Drachme oder eine beispiellose Radikalkur, die auch niedrigere Löhne auf breiter Front einschließe.

Führende Banken geben die Hoffnung auf eine volle Rückzahlung der Schulden bereits auf. Nach Einschätzung von Thomas Mirow, Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, ist eine Umschuldung Griechenlands unumgänglich. „Es ist zu bezweifeln, dass Griechenland eine Schuldenquote von mehr als 150 Prozent dauerhaft tragen kann“, sagte Mirow der SZ. „Die Märkte preisen eine Umschuldung schon seit längerem ein“, sagte er weiter. „Damit das Land seine Probleme überwinden kann, sollte die Quote auf 100 Prozent gesenkt werden.“