Entschädigungsfrage

Firmen streiten um Schuld an Eurotunnel-Panne

Teilweise mehr als 15 Stunden ohne Essen und Trinken mussten viele Passagiere im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal aushalten. Nun streiten der Zugbetreiber Eurostar und die Eurotunnel-Gesellschaft um die Schuld an der Panne bei eisigem Wetter. Es geht um Entschädigungen für 40.000 Fahrgäste

Gereizte Stimmung zwischen Eurostar und Eurotunnel: Nach der Pannenserie unter dem Ärmelkanal versucht der Zugbetreiber dem Tunnelbetreiber einen Teil der Schuld zuzuschieben. Eurostar, einer der größten Kunden von Eurotunnel, war für sein Krisenmanagement heftig kritisiert worden.

Viele der 2000 Passagiere, die in den liegen gebliebenen Hochgeschwindigkeitszügen in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember festsaßen, hatten sich beschwert, dass sie über 15 Stunden lang ohne Essen, Trinken und Informationen ausharren mussten.

Eigentlich sei der Tunnelbetreiber für die Evakuierung der Züge im Tunnel und für die Kommunikation dort zuständig, sagte Eurostar-Vize Nicolas Petrovic. Man müsse deshalb klären, welche Verantwortung Eurostar und welche Eurotunnel trage. Eurotunnel wies die Vorwürfe zurück. Das Zugpersonal müsse bei ihm die Evakuierung beantragen, was nicht geschehen sei, erklärte ein Sprecher.

Bei der Schuldfrage geht es auch um viel Geld. So muss Eurostar die 40.000 Passagiere entschädigen, die ihre Reise nicht antreten oder fortsetzen konnten. Eurotunnel, der von Eurostar Nutzungsgebühren kassiert, beziffert seinen Verdienstausfall auf 500.000 Euro pro Tag.

Das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen ist ohnehin gespannt. So drohte Eurotunnel-Chef Jacques Gounon, dass er auch anderen Zugbetreibern die Zulassung für den Tunnel erteilen könnte, wenn Eurostar seine Verbindungen nicht ausbaue.

Offenbar will Eurostar das Gegenteil tun, da sein Passagieraufkommen aufgrund der Krise eingebrochen ist. So sank der Umsatz im ersten Halbjahr um sieben Prozent auf rund 400 Millionen Euro. Da Eurostar für die Nutzung des Tunnels zahlt, würden Einnahmen wegfallen, wenn Eurostar künftig weniger Züge anbietet.

Um die Einnahmen wieder zu erhöhen, will der Tunnelbetreiber für die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen London und dem Tunnel bieten. Sie soll demnächst privatisiert werden.