Nach Bekanntgabe der Schließung der City BKK zum 1. Juli laufen bei der Krankenkasse die Beratungstelefone heiß. „Viele Versicherte sind geschockt, es gibt sogar Tränen“, sagte Sprecherin Katja Hilbold. Besonders viele Anrufe kämen aus Berlin. Denn dort hat die Kasse rund 80.000 ihrer 168.000 Versicherten. „Für die Menschen ist die Krankenkasse ein wichtiger Schutz, den sie sehr bewusst gewählt haben“, ergänzte die Sprecherin. Erstmals seit Einführung des Gesundheitsfonds vor gut drei Jahren hatte das Bundesversicherungsamt am Mittwoch die Schließung einer großen gesetzlichen Krankenkasse verfügt.

Die City BKK hat seit Mittwoch Hotlines für Fragen ihrer Versicherten geschaltet und im Internet Informationen für alle Betroffenen veröffentlicht. Ein zusätzlicher Info-Brief soll kommende Woche alle Versicherten erreichen. Am Telefon fühlten sich vor allem die älteren Menschen damit überfordert, sich sofort eine neue Kasse zu suchen, berichtete Hilbold. Das Wahlrecht zwischen den vielen Anbietern verwirre sie. Bei der Auswahl aber kann die City BKK nicht helfen, das ist Privatsache.

Hunderte Mitarbeiter betroffen

Auch rund 400 City BKK-Mitarbeiter sind von der Schließung der Kasse betroffen, davon rund 200 in Berlin. Ihnen wird nicht gekündigt, das Arbeitsverhältnis werde beendet, erläuterte Hilbold. Der größere Teil der Mitarbeiter habe unkündbare Verträge. Zur Zeit werde geklärt, ob es Übernahme-Möglichkeiten bei anderen Betriebskrankenkassen oder Landesverbänden gebe. Mitarbeiter mit kündbaren Verträgen müssten sich ab 1. Juli aber einen neuen Job suchen.

Als Grund für die Schließung gab das Versicherungsamt an, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Kasse auf Dauer nicht mehr gesichert sei. Lange konnten Betriebskrankenkassen mit niedrigen Beitragssätzen punkten. Seit es einen einheitlichen Satz gibt, haben sich vor allem junge und gesunde BKK-Versicherte neu orientiert - auch wegen der geforderten Zusatzbeiträge. Die Abwicklung der Kasse wird nach Schätzung des BKK-Verbandes zwischen 135 und 150 Millionen Euro kosten. Das Geld müssen alle Betriebskrankenkassen gemeinsam aufbringen. Derzeit verfügt das BKK-System über ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro.

Die City BKK ging am 1. Januar 2004 aus der Fusion der Betriebskrankenkasse des Landes Berlin und der Betriebskrankenkasse Hamburg hervor. Durch die Fusion mit den beiden Betriebskrankenkassen BKK Bauknecht und BeneVitaBKK kam 2005 der Standort Stuttgart hinzu.

dpa/ap