Verbraucherstudie

Deutsche haben Vertrauen in Nivea, Aldi und Bier

Das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft ist seit der Krise stark erschüttert. Wie aus einer Studie hervorgeht, vertrauen die Deutschen am wenigsten den Mineralölkonzernen und Versicherungen. Offenbar halten sich die Bundesbürger lieber an einfache aber bewährte Wirtschaftszweige.

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Die Wirtschaftskrise, die die Welt seit mehr als einem Jahr in Atem hält, hat das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft stark erschüttert. Wie aus einer repräsentativen Studie der Markenberatung Musiol Munzinger Sasserath hervorgeht, verharrt das Vertrauen der Verbraucher auf dem gleichen niedrigen Niveau wie kurz nach dem Bankenfiasko im Herbst 2008. Trotz etlicher Hilfsmaßnahmen der Politik hat das Gros der Branchen im Jahr 2009 weiter an Konsumentenvertrauen eingebüßt.

Auch die deutsche Automobilindustrie, gemeinhin Stolz der einheimischen Wirtschaft, hat an Zuspruch verloren. Nachdem 2008 immerhin noch 29 Prozent der Deutschen liebste Branche als vertrauenswürdig bezeichneten, waren es Ende Oktober nur noch 27 Prozent der insgesamt 1000 Befragten. „Die Abwrackprämie und die dazugehörende Rabattschlacht der Autohändler haben dem Image der Autoindustrie immens zugesetzt“, sagt Uwe Munzinger, Partner der Markenberatung. Zudem hätten chaotische Entwicklungen wie rund um General Motors und Opel oder der Zwist zwischen Porsche und VW dem Ansehen des gesamten Wirtschaftszweigs geschadet.

Dem Berater zufolge entscheiden nicht allein Größe und Tradition darüber, ob Verbraucher einem Unternehmen trotz Krise Vertrauen schenken, sondern auch Transparenz, Kundenservice und offener Umgang mit Problemen. Entsprechend verwundere es nicht, dass ausgerechnet Lebensmitteldiscounter zu den Unternehmen gehören, die 2009 das größte Vertrauen der Bürger genießen. „Discounter bieten ein verlässliches Preis-Leistungs-Verhältnis“, so Munzinger. Preisbildung und Sortiment seien in den Märkten von Aldi, Lidl, Penny und Co. – anders als etwa bei manchen Telekommunikationsanbietern – sehr transparent.

Neben den Discountern bringen die Deutschen den Tageszeitungen (41 Prozent) und den Brauereien (39 Prozent) das größte Vertrauen entgegen, wohl weil die ersten für Objektivität und Unabhängigkeit stehen, die zweiten auch durch das Reinheitsgebot kontrolliert werden.

Am untersten Ende der Skala stehen Mineralölkonzerne mit einem Vertrauenswert von 4,6 Prozent, Versicherungen (zehn Prozent) und Telekommunikationsanbieter (zwölf Prozent). An Vertrauen gewinnen konnten die Hersteller von Körperpflegeprodukten. Experten zufolge könnte das damit zu tun haben, dass Menschen in der Krise mit diesen Unternehmen die Chance verbinden, sich für wenig Geld etwas Gutes zu tun.

Nicht von ungefähr zählt Nivea zu den Marken, denen laut Studie in der Krise am meisten Vertrauen entgegengebracht wird – neben Aldi, Google, Knorr, Aktion Mensch und der ARD.