Die Deutsche Bahn streicht im Schienengüterverkehr bis 2011 rund 4000 Arbeitsplätze und schließt 72 Güterbahnhöfe. Davon betroffen sind auch mehrere Anlagen in Berlin-Spandau sowie in Brandenburg. Ein Arbeitsplatzabbau in dieser Größenordnung war von der Gewerkschaft Transnet bereits befürchtet worden. „Nun gibt es einen entsprechenden Beschluss des Vorstandes. Die Betriebsräte wurden darüber in der vergangenen Woche informiert“, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Güterverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch hatte jüngst erklärt, dass für 2400 Beschäftigte „dauerhaft keine Arbeit“ mehr da sei und weitere 1500 Stellen wegen „struktureller Anpassungseffekte“ gestrichen werden müssten. Begründet hatte er die Pläne mit dem aktuellen Rückgang im Transportaufkommen wegen der Konjunkturschwäche. Der Schienengüterverkehr wird in diesem Jahr tief in die roten Zahlen rutschen. Aus Konzernkreisen hieß es, seit März bis September seien bei der Schienenverkehrssparte etwa 8500 Menschen in Kurzarbeit gewesen. Bei der Schienengütertochter DB Schenker Rail arbeiten 24.000 Menschen.

„Wir müssen auf die um ein Viertel gesunkenen Transportvolumina reagieren. Bei allem, was wir tun, werden wir dem langfristig prognostizierten Wachstum im Schienengüterverkehr Rechnung tragen“, begründete Alexander Hedderich, Vorsitzender der Schienengütertochter Schenker Rail die Pläne. Nach dem Einbruch der Aufträge und Umsätze im Zuge der globalen Wirtschaftskrise werde prognostiziert, dass das Marktniveau von 2008 erst in einigen Jahren wieder erreicht werde. Daher müssten die Produktivität im Schienengüterverkehr bundesweit erhöht und Kosten deutlich gesenkt werden.

„Einen Kahlschlag in der Fläche wird es im Schienengüterverkehr nicht geben“, sagte Hedderich. Nach internen Unterlagen, die Morgenpost Online vorliegen, sollen aber übers ganze Land verteilt 72 Güterbahnhöfe geschlossen werden. In der „Liste zu schließender Güterverkehrsstellen“ werden unter anderem Anlagen in Berlin-Spandau (Güterbahnhof), Berlin-Spandau (Havelländische Bahn) sowie Berlin-Spandau Johannesstift. Genannte werden außerdem mehrere Güterbahnhöfe in Brandenburg, darunter der in Brandenburg-Stadt oder in Prenzlau.

13.000 Arbeitsplätze fallen weg

Wie aus der Mittelfristplanung der Bahn bis zum Jahr 2014 hervorgeht, sollen im gesamten Konzern rund 13.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Bahn setzt dabei vor allem auf natürliche Fluktuation. Betriebsbedingte Kündigungen sind aufgrund des Beschäftigungsbündnisses vorerst ausgeschlossen. Der Jobpakt läuft allerdings zum Ende Dezember kommenden Jahres aus. Die Bahn hatte in der Vergangenheit gestreckt über fünf Jahre deutlich mehr als 13.000 Beschäftigte abgebaut.

Die Bahngewerkschaft Transnet griff die Kürzungspläne des Vorstandes scharf an. „Das ist ein Armutszeugnis für das Management“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Zell. Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise werde „alsVorwand“ benutzt, um das Unternehmen wieder „auf Rendite zu trimmen“. „Alle Experten gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren einenmassiven Anstieg des Güterverkehrsaufkommens geben wird“, so Zell.„Anstatt aber eine Offensivstrategie zu entwickeln, fällt dem Managementnichts ein, als Schließen, Streichen, Schluss“, warnte der Gewerkschafter.

Bahn schickt ICE in die Werkstatt

Nach Informationen von Morgenpost Online könnte es im Personenverkehr Anfang kommenden Jahres erneut bundesweit zu Einschränkungen für die Fahrgäste kommen. Hintergrund ist die Aktion „Frühjahrscheck“ der Bahn, in deren Zug der Konzern die gesamte ICE-Flotte zur Überholung in die Depots schickt. Betroffen sind davon 250 Züge, die im Zeitraum von Mitte Januar bis Ende Februar bis zu zwei Tage in die Depots müssen. „Ähnliche Aktionen hatten wir bereits in der Vergangenheit, allerdings nicht in diesem Ausmaß“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Anlass des Checks seien keine neuen, akuten Sicherheitsmängel, man wolle vielmehr die immer wieder kritisierten Sanitäranlagen und die Bordrestaurants sowie –bistros einer Kontrolle unterziehen und Mängel abstellen. „Auswirkung kann sein, dass in der Zeit der Überprüfungen statt ICE-Züge ICs eingesetzt werden oder die ICE mit weniger Wagen zum Einsatz kommen“, sagte der Sprecher. Nach Bahnangabe lief der Fahrplanwechsel zum 13. Dezember reibungslos.