„Wir fahren auf Sicht“, antworteten Vorstandsvorsitzende deutscher Großkonzerne zuletzt gern, befragte man sie zu den Geschäftsaussichten. Was soviel bedeutete wie: „Eine Prognose trauen wir uns in diesem unsicheren Umfeld nicht zu.“
Anders Siemens. Vorstandschef Peter Löscher ist selbstbewusst genug zu sagen, Siemens werde im laufenden und im kommenden Geschäftsjahr Umsatz und Gewinn steigern. In der Tat ist der Münchner Elektrokonzern mit seinen drei Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik derzeit stark aufgestellt und bei Zukunftsthemen wie Urbanisierung, Globalisierung und Umwelttechnologien vorne dabei. Zwei Rekordjahre hat Siemens schon hinter sich, nun soll das dritte ähnlich erfolgreich werden.
Siemens geht dabei die Wette ein, dass die Märkte in den Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China stark genug sind, um die gesamte Weltwirtschaft dauerhaft auf Wachstumskurs zu halten. Auf diesen boomenden Märkten gilt es sich zu behaupten, und zwar nicht nur gegen die etablierten Konkurrenten wie GE, sondern auch gegen aufstrebende indische oder chinesische Unternehmen. Siemens will sich absichern, indem man die Wertschöpfung vor Ort erhöht und die Konkurrenz mit kostengünstigen Produkten in Schach zu halten sucht.
Löschers Prognose ist ambitioniert, da sie weit vorausgreift und die Möglichkeit einer neuerlichen Wirtschaftskrise ausblendet. Der Siemens-Chef geht damit das Risiko ein, dass der Aktienkurs unter Druck gerät, sollten die versprochenen Zahlen ausbleiben. Neun Millionen Euro kassierte Löscher vergangenes Jahr. Dass Siemens die Vergütung der Vorstände mehr als bisher an langfristigen Zielen messen wird und daran, wie sich der Aktienkurs im Vergleich zu denen der fünf wichtigsten Konkurrenten schlägt, ist zweifelsohne ein Fortschritt. Für Löscher bedeutet das: Hat er keinen Erfolg, verdient er zwei Millionen Euro im Jahr, übertrifft er alle Erwartungen, sind es hingegen beachtliche elf Millionen.





