Es ist der Wunschtraum vieler Anleger. Ein Produkt, mit dem sich Volatilitätsindizes wie der VDax New eins zu eins abbilden lassen. Diese Indizes zeigen an, mit welchen Schwankungen an der Börse in Zukunft gerechnet wird, was ihnen auch die Bezeichnung „Angstbarometer“ eingebracht hat. Diese Indizes können nie auf null fallen (solange es einen Börsenhandel gibt), und zum anderen kommt es gerade in Phasen mit stark fallenden Aktienkursen meist zu einem deutlichen Vola-Anstieg. Damit würden sich entsprechende Indexprodukte optimal zur Absicherung gegen den nächsten Crash eignen.
Alle bisherigen Versuche, eine solche Strategie darzustellen, sind jedoch kläglich gescheitert. Und auch die jetzt von Barclays Capital unter der Marke iPath angebotenen Exchange Traded Notes (ETNs – in etwa vergleichbar mit Zertifikaten) auf zwei amerikanische Vola-Indizes werden den Anlegerwunsch kaum erfüllen können. Darauf weist der Emittent in den Produktunterlagen auch unmissverständlich hin. „Eine Direktanlage in den Vix (den amerikanischen Vola-Index) ist nicht möglich“, heißt es dort. Stattdessen investieren Anleger bei den ETNs ganz konkret in „rollierende Long-Positionen in Vix-Terminkontrakten mit ein- und zweimonatiger (Short-Term-Index, WKN: BC1C7Q) beziehungsweise vier- bis siebenmonatiger Laufzeit (Mid-Term-Index, WKN: BC1C7R)“.
Klingt kompliziert, und genau das ist es auch. Das zeigt allein schon der Kursverlauf der vergangenen Jahre. Hier wird deutlich, dass die als Basiswert dienenden Indizes mit dem „echten“ Vola-Index über einen längeren Zeitraum betrachtet nicht wirklich viel gemeinsam haben. Während sich der Vix als Vola-Barometer des S&P 500 auf Sicht von vier Jahren unter dem Strich verdoppelt hat, liegt der Short-Term-Index mit rund 40 Prozent im Minus. Deutlich besser hat sich zwar der wesentlich schwankungsärmere Mid-Term-Index entwickelt, der mit einem Plus von 90 Prozent sehr nahe an die Vix-Performance herankommt.
Doch diese „Punktlandung“ ist eher dem Zufall geschuldet. Denn von einem nachhaltigen Gleichlauf kann auch hier keine Rede sein. Gerade in Phasen einer schnell und stark ansteigenden Volatilität (also dann, wenn die Aktienmärkte einbrechen) hinkt der Index dem Vix regelmäßig hinterher. Die vergleichsweise gute Performance verdankt der Mid-Term-Index lediglich der Tatsache, dass er während des kräftigen Vola-Rückgangs der vergangenen Monate nicht ganz so stark an Wert verloren hat wie der Vix selbst.
Ob sich das entsprechende Produkt von Barclays für ein langfristiges Investment lohnt, bleibt aber nicht nur wegen der jährlich zu zahlenden Gebühr von 0,89 Prozent fraglich. Denn die Kursbewegungen sind zu schwer nachvollziehbar. Und so droht Anlegern, die unter falschen Voraussetzungen in diese Produkte investieren, die nächste Enttäuschung. So wie bei den „VDax-Zertifikaten“ von Goldman Sachs, die deshalb inzwischen sogar vom Markt genommen wurden. Der „Vola-Traum“ der Anleger bleibt damit weiterhin unerfüllt.


