Nach den Problemen mit den Trent-900-Motoren von Rolls-Royce will Airbus den britischen Triebwerkshersteller in die Pflicht nehmen. Ein Airbus-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Für die Kosten, die bei Airbus dadurch anfallen, werden wir volle Kompensation von Rolls-Royce verlangen.“ Zu den genauen Summen machte er keine Angaben, sprach aber von „erheblichen Kosten“.
Vorerst sollen firmeneigene Austauschtriebwerke Produktionsengpässe beim Bau des A380-Megaflieger vermeiden helfen. „Wir sind dabei, unser System zu optimieren und ein System von sogenannten Pusher Engines aufzubauen“, sagte der Sprecher. Diese Antriebe sollen den neu gebauten Fliegern nur für Überführungsflüge zwischen den Airbus-Standorten Toulouse und Hamburg unter die Tragflächen geschraubt werden. In Hamburg, wo die A380 ihre Lackierung und Innenausstattung erhält, würden die Motoren dann wieder abmontiert und für die nächsten A380-Überführungsflüge nach Toulouse gebracht.
Zur Zeit hat Airbus vier A380 in der Produktion, die bis Jahresende ausgeliefert werden sollen. Sie haben alle bereits die vom Kunden georderten Triebwerke montiert. „Nach jetzigem Kenntnisstand“ müssten sie aber nicht ausgetauscht werden. Airbus-Chef Thomas Enders hatte vergangene Woche bereits vor leichten Verzögerungen bei den Auslieferungen des Riesenflugzeugs gewarnt. Er hatte dies mit den jüngsten Anweisungen von Triebwerkhersteller Rolls-Royce zum Austausch bestimmter Ersatzteile beim Trent-900-Antrieb begründet.
Die australische Fluggesellschaft Qantas vermutet, dass Rolls-Royce insgesamt 40 Triebwerke weltweit austauschen muss. Die Notlandung eines A380 von Qantas Anfang November mit beschädigtem Triebwerk in Singapur war der Anlass für die Überprüfungen. Airbus plant für dieses Jahr die Auslieferung von insgesamt 20 A380. Im kommenden Jahr will der europäische Flugzeughersteller zwar offiziell an seiner geplanten Rate von zwei Maschinen pro Monat festhalten. Bei Airbus hieß es jedoch inoffiziell, man rechne nun mit einer Stückzahl „in den unteren Zwanzigern“.
Lufthansa muss nur ein Triebwerk austauschen
Die Lufthansa teilte mit, sie müsse nur ein Triebwerk ihrer A380-Flotte austauschen. Von den insgesamt 16 Triebwerken ihrer inzwischen vier A380-Maschinen stamme nur eines aus einer älteren Baureihe, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Nur bei dieser älteren Baureihe sei das Teil eingebaut, das wahrscheinlich zu dem Defekt geführt hatte, der die Qantas-Maschine zu einer Notlandung zwang.
Das Triebwerk wird demnach während einer regulären Wartung auf dem Flughafen ausgetauscht. Zu Verzögerungen im Flugplan werde es nicht kommen, sagte der Sprecher. Schon in der vergangenen Woche hatte die Lufthansa ein Triebwerk an einem A380 ausgewechselt. Dies sei aber aus anderen Gründen geschehen, sagte der Sprecher. Ein Ölleck sei bei keinem der Lufthansa-Triebwerke gefunden worden. Sowohl Qantas als auch Singapore Airlines hatten solche Öllecks entdeckt.
Die Lufthansa habe ihre A380 später als Qantas oder Singapore Airlines erhalten, sagte der Unternehmenssprecher. Das erste Modell des größten Passagierflugzeugs der Welt sei erst im Mai an die Lufthansa ausgeliefert worden. In dieser Woche erst ist die vierte Maschine des Typs von der Lufthansa in Empfang genommen worden. Der vierte A380 sollte am Donnerstag zu seinem ersten Flug abheben.
dpa/AFP/cat



