Software

Was das Android-System kann – und wo es versagt

Das Internet ist bei allen Smartphones mit dem Betriebssystem Android nur einen Tastendruck entfernt – ansonsten unterscheiden sich die Geräte teils erheblich.

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Android ist nicht gleich Android. Rund 170 verschiedene Smartphones mit dem Betriebssystem sind mittlerweile auf den Markt gekommen. Eine ganze Schar von Herstellern setzt auf die offene Software, die unter der Führung von Google entwickelt wird: HTC und SonyEricsson, Samsung und Motorola. Eine einheitliche Android-Erfahrung gibt es daher nicht: Benutzeroberfläche, Funktionen und Ausstattung unterscheiden sich teils erheblich. Worauf bei allen Verlass ist: Der Weg zu den Online-Diensten von Google ist nur einen Tastendruck entfernt.

Im Vergleich zum iPhone ist die Android-Software ein Spätstarter. Im November 2007 kündigte Google an, in einer Allianz aus damals 30 Technik- und Mobilfunkgrößen das Betriebssystem auf Basis von Linux zu entwickeln. Da hatte Apple schon Millionen seiner Geräte verkauft. Doch die Androiden nahmen dank der breiten Unterstützung schnell Fahrt auf und bieten mittlerweile eine Alternative zum iPhone.

Der größte Unterschied zwischen dem Apple-System iOS und Android liegt in der Offenheit der Google-Software. Die Hersteller dürfen sie nutzen und verändern, wie ihnen beliebt. „Sie haben die Möglichkeit, individueller aufzutreten“, sagt Dirk Waasen, Chefredakteur des Magazins „Connect“ in Stuttgart. So verpasst HTC dem System seine eigene Oberfläche Sense, Garmin und Asus haben mit dem Nüvifone eine Kreuzung aus Navi und Smartphone gebastelt. Google pur bietet das Nexus S, das Samsung im Auftrag des Internetkonzerns herstellt.

Trotz der unterschiedlichen Oberflächen sind die Funktionen bei allen Androiden weitgehend gleich. Die Software fällt etwa mit einer Gratis-Navigation auf, die ab Version 1.6 in den Kartendienst Maps integriert ist. Wer ein Smartphone mit Android 2.2 sein Eigen nennt, kann es zum WLAN-Router für andere Geräte umfunktionieren. Außerdem laufen Websites mit der Multimedia-Technologie Flash – das ist auf mobilen Apple-Geräten nicht möglich.

Mit dem Handy zahlen

Ein Alleinstellungsmerkmal sieht Google-Sprecher Stefan Keuchel in der Funktechnik NFC (Near Field Communication), die Android mit der neuesten Version 2.3 unterstützt. Sie soll bargeldlose Zahlungen mit dem Handy ermöglichen. Im Moment unterstützen allerdings noch nicht viele Händler das digitale Portemonnaie: „Wir haben das Henne-Ei-Problem“, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel.

Obwohl der Name Google bei vielen Geräten nicht aufgedruckt ist, bemerken Nutzer schnell, dass der Internetriese die Entwicklung vorantreibt: „Der Zugang zu Google-Diensten ist wesentlich besser umgesetzt als beim iPhone“, sagt Smartphone-Experte Dirk Waasen. Der Kartendienst Maps biete etwa eine zusätzliche Direktsuche für Cafés, Tankstellen und Geldautomaten. Und der markante Suchschlitz liegt bei den meisten Geräten auf dem Startbildschirm.

Auch im Maschinenraum des Systems haben die Entwickler kräftig gewerkelt. Im Laufe der Versionen lief die Software nicht nur schneller, sondern auch stromsparender. Und die aktuelle Version 2.3.3 unterstützt Doppelkernprozessoren, wie sie viele der neuen Superhandys enthalten. Zum Alleskönner wird das Smartphone durch die große Auswahl an Apps. Mittlerweile sind im Android Market nach Angaben von Google 150.000 Anwendungen erhältlich. Für das Apple-Betriebssystem iOS gibt es zwar sogar mehr als 300.000, doch einen Mangel dürften Android-Nutzer nicht empfinden: Von Furz-Tönen über Spiele bis zum Bürohelfer ist alles dabei.

Nicht alle Apps funktionieren

„Die Auswahl ist im letzten Jahr stark gewachsen, aber viele Apps funktionieren noch nicht sauber“, sagt Arno Becker, der mit seiner Firma Visionera für Kunden Anwendungen entwickelt. Denn Android gebe Programmierern mehr Freiheit, sei dadurch aber auch komplizierter als etwa das strenger reglementierte iOS. Zudem sortiert Google weniger aus als der Rivale: „Apple legt mehr Wert darauf, dass die Apps gut funktionieren“, hat Dirk Waasen beobachtet.

Eine typische Schwäche von Apps ist der verschwenderische Umgang mit dem Akku – etwa bei der Benutzung des GPS-Moduls. Ein weiteres Problem rührt daher, dass Auflösung und Pixeldichte vieler Geräte sich unterscheiden. Dadurch sehen Anwendungen auf einigen Smartphones nicht gut aus oder lassen sich erst gar nicht installieren. „Wer die größte Auswahl an Apps haben will, kauft sich am besten ein Gerät mit den klassischen Smartphone-Auflösungen 320x480 oder 850x480“, rät Becker.

Dank der Offenheit ist eine ganze Legion von Androiden am Start: Mit großflächigem Touchscreen oder kompakter Tastatur, für Spielefans oder Geschäftsleute, für 150 oder 600 Euro. Egal welche Kategorie – Käufer sollten einen genauen Blick darauf werfen, welche Software-Version installiert ist. Bei einer neueren Ausgabe sei die Chance gut, dass der Hersteller das nächste Update einspielt, erklärt Dirk Waasen – er rät zu Android 2.1 aufwärts.