Paul Allen ist weniger bekannt als Bill Gates, weniger vermögend als Bill Gates und doch derjenige, ohne den es die legendäre Unternehmensgeschichte von Microsoft nie gegeben hätte. Denn Allen war es, der Bill Gates dazu überredet hatte, sein Studium an der Eliteuniversität Harvard abzubrechen und stattdessen gemeinsam 1975 eine Computerklitsche mit ungewissen Erfolgsaussichten zu gründen. Nun sorgt Allen nach langen Jahren des Schweigens wieder einmal selbst für Schlagzeilen.
Der 57-Jährige kündigte an, nach seinem Tod den Großteil seines Besitzes für wohltätige Zwecke stiften zu wollen. Und der ist beträchtlich. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, doch Schätzungen taxieren sein Vermögen auf 13,5 Milliarden Dollar (rund 10,5 Milliarden Euro). Das wäre in etwa so viel wie der Supermarkt Netto in einem Jahr an Lebensmittel umsetzt.
Allen verließ 1983 Microsoft aus Gesundheitsgründen. An seinen Lymphknoten hatten Ärzte einen bösartigen Tumor festgestellt, der aber erfolgreich behandelt wurde. Allen blieb dem Computerkonzern bis 2000 als Aufsichtsrat erhalten und ist bis heute als strategischer Berater für Microsoft tätig. Laut „Forbes“-Rangliste gehört er zu den 40 reichsten Männern weltweit. Er hält Beteiligungen an 140 Unternehmen, die vorwiegend in der Informations- und Kommunikationsbranche aktiv sind.
Wenn Allen verfügt, dass der überwiegende Teil seines Vermögens für „philanthropische“ Zwecke verwendet werden soll, zeigt er sich nicht das erste Mal großzügig. In den vergangenen Jahren hatte er schon Hunderte Millionen Dollar an diverse Organisationen gespendet. Darunter sind zahlreiche medizinische Einrichtungen wie etwa das Allen Institut für Hirnforschung. Auch viele technologische und künstlerische Stiftungen konnten sich schon über seine Großzügigkeit freuen. So ist er der wichtigste Förderer eines nach ihm benannten Computerforschungszentrums. Vor drei Jahren stellte er Werke seiner privaten Kunstsammlung aus, darunter Gemälde von Cézanne, Picasso und Monet.
Skurrile Investitionen
Allerdings gibt er sein Geld auch für einige kuriose Dinge her. Sein Boot Octopus ist 127 Meter lang und gehört allein damit schon zu den größten Yachten weltweit. Wirklich interessant wird Octopus aber vor allem durch das U-Boot, das angeblich zur Ausstattung dazugehören soll. Als Mann der Visionen beteiligte sich Allen zudem an dem Experimentalflugzeug SpaceShipOne, das die Möglichkeiten austesten sollte, Erdenbürger künftig gegen Bezahlung in den Weltraum zu schießen.
Möglicherweise hängt der Entschluss, schon jetzt die Vermögensverhältnisse für die Zeit nach seinem Tod klären zu wollen, mit der Krebserkrankung zusammen, die im vergangenen Jahr bei ihm diagnostiziert worden war. Allerdings liegt er mit seiner Spendenfreudigkeit im Trend. So haben auch die beiden reichsten Amerikaner, Bill Gates und der Investor Warren Buffet, die Wohlhabenden des Landes aufgerufen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens jeweils wohltätigen Zwecken zu vermachen.
Die Stiftung von Bill Gates und seiner Frau Melinda gehört zu den größten karitativen Einrichtungen der Welt. Sie engagierte sich vor allem in Entwicklungsländern und unterstützt die Forschung nach Impfstoffen für Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria. Die Stiftung erhält regelmäßig Zuschüsse von Warren Buffet, der ebenfalls angekündigt hat, nach seinem Tod 99 Prozent seines Vermögens spenden zu wollen.





