Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat eine Verbesserung der Beziehungen zwischen China und der Europäischen Union angemahnt. „China und Europa brauchen einander mehr denn je, die intensive Zusammenarbeit ist von beiderseitigem Nutzen“, sagte der FDP-Vorsitzende am Freitag zum Abschluss des chinesischen Wirtschaftsgipfels „Hamburg Summit“, der zum vierten Mal in der Hansestadt stattfand. China sei wegen seiner Größe und Wirtschaftskraft ein „Schlüsselpartner für die EU“ im 21. Jahrhundert.
Bei dem zweitägigen Treffen sei es vor allem um den Dialog gegangen, betonten sowohl europäische als auch chinesische Wirtschaftsvertreter immer wieder. „Wir wollen die Kooperation zwischen unserem Land und Europa verstärken. Aber dafür müssen wir einander noch besser verstehen“, sagte Liu Haiyan, Vizechef des größten chinesischen Industrieverbands CFIE, der zusammen mit der Hamburger Handelskammer auch Gastgeber der Veranstaltung war. Mehr Geschäft sei das Ziel – für beide Seiten. „50000 E-Klasse Mercedes werden pro Jahr in China verkauft. Aber die Nachfrage ist viel größer“, sagte Lui.
Zum Ende der Konferenz zogen Teilnehmer eine positive Bilanz. Anders als bei früheren Treffen dieser Art habe die Suche nach Verständnis füreinander im Mittelpunkt gestanden, sagte zum Beispiel der Vorstandsvorsitzende des chinesischen Elektrokonzerns Chint, Nan Cunhui. Dagegen hätten früher wechselseitige Vorwürfe dominiert.
Neue EU-Strategie gegenüber China
Außenminister Westerwelle erklärte, die neue EU-Strategie gegenüber China baue auf der Bedeutung des Landes für die Weltwirtschaft auf. „Wir begrüßen, dass China in der Welt von heute zunehmend Verantwortung in Politik und Wirtschaft übernimmt.“
Das wollen auch die Chinesen – die damit einfordern, als vollwertiger Partner am Tisch der großen Wirtschaftsnationen akzeptiert zu werden. Worauf das hinausläuft, wurde in der Hansestadt deutlich. Kapitän Wei Jiafu, Chef der größten chinesischen Containerreederei Cosco, brachte Hamburgs Oberbürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) das Angebot mit, seine Reederei am Ausbau eines geplanten Terminals im Hamburger Hafen zu beteiligen.
„Die Schiffe werden immer größer. Mit unserem Investment in Terminals wollen wir den Anforderungen, die sich daraus ergeben, gerecht werden“, sagte Wei. Auch in den Häfen in Antwerpen, Rotterdam und im griechischen Piräus hat Cosco bereits solche Beteiligungen. „Davon profitiert die örtliche Wirtschaft“, sagte Wei.
Interesse an Deutschland und Europa ist groß
Der Cosco-Chef wiederholte aber nicht die leise Drohung, die er gegenüber Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Sommer angedeutet hatte: Wenn Hamburg sich einer Beteiligung verweigere oder die Elbe nicht tief genug für große Schiffe ausbaggere, dann werde Cosco seine Container eben nach Rotterdam oder Antwerpen bringen. Bislang weigerte sich die Hansestadt, ausländische Investoren im eigenen Hafen zuzulassen.
Das Interesse chinesischer Unternehmen an Deutschland und Europa ist jedenfalls groß. „Viele chinesische Firmen kommen hierher, um zu verstehen, wie sie in Deutschland investieren können“, sagte Industrievertreter Liu. Auch Wei hatte bei einem Treffen mit Ahlhaus versprochen, chinesischen Konzernen Hamburg als Standort für ihren europäischen Firmensitz zu empfehlen. Dafür ist er in einer guten Position, denn er ist auch Chef des jungen chinesischen Dienstleistungsverbands Catis.
Noch herrscht bei Investitionen und Exporten ein krasses Ungleichgewicht zwischen China und Europa: Europäische Firmen investierten im vergangenen Jahr rund 5,3 Mrd. Euro in China, umgekehrt waren es nur 300 Mio. Euro. China exportierte 2009 Güter im Wert von 215 Mrd. Euro in die EU. Die Lieferungen aus Europa nach China hatten ein Volumen von nur 82 Mrd. Euro.
Europa solle mit einer Stimme sprechen
„Die Wahrnehmung und die Rolle Chinas in der Welt haben sich durch die globale Wirtschaftskrise verändert“, sagte Nikolaus W. Schües, Vorsitzender des Wirtschaftsgipfels und Gesellschafter der Reederei F. Laeisz. Das Land beginne, globale Verantwortung zu übernehmen, seine Stärke sei der Treiber für eine starke Weltwirtschaft.
Während Chinas Einfluss wachse, habe Europa noch keinen gemeinsamen Weg gefunden, um seine Interessen gegenüber Peking zu vertreten. „Wir können aber nicht erwarten, als Union wahrgenommen und behandelt zu werden, wenn wir uns nicht wie eine solche verhalten“, sagte Schües.
Mit einer Stimme sprechen müsse Europa etwa, wenn es um Diskriminierung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in China an ausländische Firmen oder Regelungen zum Wissenstransfer in Joint-Ventures gehe. „Ein Entgegenkommen Pekings wird Chinas Wirtschaft nicht schaden, sondern sie wird von dem wachsenden Vertrauen ausländischer Investoren profitieren“, erklärte Schües.
Bei dem Treffen in Hamburg nahmen unter anderen der Generalsekretär des Staatsrats der Volksrepublik China, Ma Kai, Altbundeskanzler Gerhard Schröder, EU-Kommissions-Vizepräsident Joaquín Almunia, Siemens-Chef Peter Löscher und der Vize-Gouverneur der chinesischen Staatsbank, Li Donggrong, teil.




