Die Katerstimmung am Aktienmarkt schlägt sich auch bei den Börsengängen nieder. Im zweiten Quartal 2008 brach das Volumen der Erstemissionen in Europa von 28 Milliarden Euro auf 9,424 Milliarden Euro ein, wie aus der Analyse "IPO Watch Europe" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervorgeht.

In Deutschland gab es 8 Börsengänge, ein Jahr zuvor waren es noch 17. Auch für die kommenden Monate erwarten die Experten keine Besserung. Europaweit sank die Zahl der Unternehmen, die den Gang aufs Parkett wagten, von 258 auf 132. Das durchschnittliche Emissionsvolumen fiel von 128 Millionen Euro auf 83 Millionen Euro. Dabei trugen Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien zu einem Großteil des Emissionsvolumens bei.

Nach Einschätzung der PwC-Experten besteht kaum Aussicht auf eine Belebung in den kommenden Monaten: "Angesichts der Unsicherheiten am Kapitalmarkt werden nur Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen den Gang an die Börse wagen. Damit bleibt es aller Voraussicht nach vorläufig bei der zurückhaltenden Marktentwicklung", erklärte Volker Fitzner, Partner bei PwC.

An der Deutschen Börse gab es von April bis Ende Juni ein Emissionsvolumen von 330 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor betrug der Erlös aus 17 Börsengängen 3,018 Milliarden Euro. Die Notierung der Solar Technology AG, ein Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, war den Angaben zufolge mit 315 Millionen der größte IPO an der Frankfurter Börse. "Frankfurt hat sich nicht vom weltweiten Trend absetzen können. Im zweiten Halbjahr könnte jedoch der geplante Börsengang der Deutschen Bahn für Belebung sorgen", erwartet Fitzner.

Auch der erfolgsverwöhnte Londoner Börsenplatz verbuchte einen massiven Rückgang des Emissionsvolumens von 14,808 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf nun 6,298 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent am europaweiten Volumen blieb London jedoch dominierend.

Auf Rang zwei folgt die Warschauer Börse mit 1,890 Milliarden Euro. Allein die tschechische Gesellschaft New World Ressources trug mit einem Dreifach-Listing in Warschau, London und Prag 1,390 Milliarden Euro zu diesem Wert bei. Die NYSE Euronext liegt mit einem Emissionsvolumen von 1,615 Milliarden Euro an dritter Stelle.

An der Wall Street in New York verzeichneten die Technologiebörse Nasdaq, die New York Stock Exchange (NYSE) und kleinere American Stock Exchange (AMEX) von April bis Juni nur noch 17 Börsengänge im Gesamtvolumen von 3,447 Milliarden Euro, verglichen mit 79 Listings und 15,638 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum 2007.

AP/dma