Soziale Netzwerke

Was junge Leute zu Facebook und SchülerVZ treibt

Das Internet ist die große Begegnungsstätte für junge Menschen. Doch in der Diskussion um die Risiken von sozialen Netzwerken wie Facebook oder SchülerVZ kommen sie selten zu Wort. Morgenpost Online hat mit sechs Berlinern über deren Online-Umgang gesprochen – und erstaunliches erfahren.

Beim sozialen Netzwerk Facebook gibt es aktuell rund 6,2 Millionen deutsche Mitglieder. Das deutsche Pendant, die VZ-Netzwerke, haben rund 15 Millionen Mitglieder. Was tun diese Menschen im Netz? „Kontakte pflegen“ - das sagen zumindest sechs Berliner, die wir eingeladen haben, um mit uns über den Online-Umgang zu sprechen: die Medienpädagogin Tanya d'Agostino, 48, die Studenten Christina Lorenz, 24 und Kubi Jäger, 29, sowie die Mutter Michaela Esswein, 43, mit ihren Töchtern Linda, 12, und Annika, 16.

Morgenpost Online: Linda, wie viele Online-Freunde hast Du?

Linda: Also, ich habe bei SchülerVZ genau 210 Freunde.

Morgenpost Online: So viele? Mit 12 Jahren?

Linda: Naja, da sind schon viele von meiner Schule dabei, dann welche aus Düsseldorf und natürlich auch Freunde von Freunden. Ich kenne schon alle vom Sehen.

Morgenpost Online: Wie viele hast Du, Annika?

Linda: Sie hat 260 im SchülerVZ.

Morgenpost Online: Warum weißt du als Schwester das?

Linda: Ja, ich gucke ja immer auch, was bei meiner Schwester los ist.

Annika: Bei Facebook weiß ich es, da habe ich 170 Freunde.

Morgenpost Online: Auch eine ganze Menge…

Michaela Esswein: Wir sind vor zwei Jahren aus Düsseldorf hier her nach Berlin umgezogen. Und Annika war im vergangenen Jahr auf Schüleraustausch in den Vereinigten Staaten, in New York.

Morgenpost Online: Frau d'Agostino, was sagen Sie als Medienpädagogin, ist das eine normale Zahl?

Tanya d'Agostino: Ja, schon. Mit Klassenkameraden, Umzug, Sportverein ist diese Zahl realistisch.

Morgenpost Online: Aber verarmen dann nicht andere Arten der Kommunikation?

Tanya d'Agostino: Diese Befürchtung haben viele Eltern und Lehrer, aber die gute alte Freundschaft und das gute alte Gespräch sterben deshalb ja nicht. Es ist einfach eine Art, in Verbindung zu bleiben. Studien besagen auch, dass die meisten immer noch Freunde treffen wollen in der Freizeit. Das ist immer noch Platz 1. Als wir jung waren, haben wir die Telefonleitungen der Eltern blockiert. Heute schauen die Jugendlichen einfach kurz nach, wer gerade online ist und chatten.

Michaela Esswein: Naja, manchmal wird es schon zuviel. Sie chatten, telefonieren – und schicken dann auch ihre SMS…

Tanya d'Agostino: Da muss man gelassen bleiben. Ich erlebe bei meiner Jugendarbeit, dass sie zwar chatten aber auch noch miteinander reden.

Morgenpost Online: Wie geht es den anderen: Wie viele Online-Freunde habt Ihr?

Kubi Jäger: 113 Freunde bei StudiVZ und 51 Freunde bei Facebook.

Christina Lorenz: Ich habe 150 Freunde bei StudiVZ und 80 bei Facebook. Die meisten kenne ich persönlich. Aber ich „freunde“ mich mit keinem an, den ich nicht kenne.

Morgenpost Online: Was habt Ihr für Erfahrungen sammeln können?

Kubi Jäger: Ein Freund von mir wohnt in Japan und da ist der Kontakt auf diese Art viel leichter zu halten. Außerdem fotografiere ich gern und lade viele Fotos auf mein Profil. Ich passe aber auf, dass diese Fotos mir nicht schaden können.

Christina Lorenz: Ich auch. Von mir habe ich acht Fotos bei Facebook, aber keine Partybilder. Negative Erfahrungen hatte ich noch nicht gemacht. Ein Bekannter wurde allerdings für längere Zeit von einer Ex-Partnerin verfolgt. Sie richtete sich ein Profil ein und schickte immer wieder Nachrichten.

Morgenpost Online: Linda, Annika, habt Ihr schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Linda: Ich kam im SchülerVZ einmal auf einen Nutzer, der ein Hitler-Foto als Profilbild hatte. Ich hab das meiner Mutter gezeigt und wir haben ihn bei den Betreibern des Netzwerks gemeldet.

Annika: Na, mich nervt zum Beispiel, dass meine Mutter mich manchmal darauf anspricht, dass ich manche Meldungen auf meiner Seite gar nicht beantworte. Sie ist nämlich auch mit mir befreundet.

Michaela Esswein: Ich lese nicht ihre E-Mails, aber ich schaue schon, was sie so posten. Natürlich fühlen sie sich manchmal schon etwas verfolgt von ihrer Mutter. Aber ich finde es wichtig, zusammen die Privateinstellungen durchzugehen. Wir haben alles so eingestellt, dass Fremde nichts sehen können.

Morgenpost Online: Aber versucht Ihr Kind nicht, dieser Kontrolle auch zu entgehen?

Michaela Esswein: Ich habe einmal durch Zufall gemerkt, dass Linda auf ihrem Bildschirm ein Jappy-Profil geöffnet hatte. Das war nicht verabredet und ich habe ihr gesagt: Das Profil soll sie löschen.

Annika: Ich hatte meine Mutter auch schon einmal als Freundin gelöscht. Aber nur kurze Zeit…

Morgenpost Online: Sind Jugendliche medienkompetenter als ihre Eltern?

Tanya d'Agostino: Grundsätzlich schon, weil sie sich viel mehr damit umgeben und mehr Zeit dafür haben. Auf der anderen Seite wissen sie oft nicht einmal, was eine IP-Adresse ist, dass sie nie privat im Netz sind – und Webseiten wie „yasni.de“ sie leicht ausspioniert werden können. In vielen Familien wird darüber geredet, aber wer liest schon die Geschäftsbedingungen…

Morgenpost Online: Auch darüber wird in den Netzwerken diskutiert. Macht ihr das auch?

Kubi Jäger: Es ist ja schon interessant, sich mit anderen über ein Thema auszutauschen und zu merken, dass man vielleicht mit einer bestimmten Meinung nicht der einzige im Universum ist.

Christina Lorenz: Ich tausche mich schon aus. Wobei die ernsten Gruppen mit vielleicht 20 Mitgliedern kleiner sind, als die lustigen, die haben bis zu 2000 Mitglieder.

Linda: Ich bin vor allem in lustigen Gruppen, die haben Themen wie „Werden Hummeln von Insekten gemobbt, weil sie so dick sind“ oder „Mit der Nase seinen Namen schreiben“. Aber ich bin auch Mitglied bei: „Respekt im Netz“.

Morgenpost Online: Kann man in Diskussionsforen das Diskutieren lernen?

Michaela Esswein: Ja, definitiv. Man muss lernen, sich knapp auszudrücken, weil lange Postings ja schnell langweilen. Dabei lernt man schon eine knapp Art der Argumentation.

Kubi Jäger: Man lernt sich kurz zu fassen und trotzdem viel zu sagen.

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