Euro-Krise

Ratingagentur empfiehlt Portugal den Rettungsschirm

Die EU-Beschlüsse haben den Euro noch nicht stabiler gemacht. Die Ratingagentur Fitch rät auch Portugal, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen.

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Die EU-Beschlüsse zur Linderung der Schuldenkrise entfalten entgegen der Hoffnungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble bisher kaum Wirkung. Die Ratingagentur Fitch empfahl Portugal eine rasche Flucht unter den Euro-Rettungsschirm. Irland rechnet mit neuem Milliarden-Kapitalbedarf seiner Banken nach einem Stresstest, dessen Ergebnis am Donnerstag bekanntgemacht werden soll. In Deutschland verlieren immer mehr Bürger Vertrauen in den Euro.

Schäuble äußerte sich dagegen auf dem Weg zu einem Währungsseminar in China optimistisch, dass der EU-Gipfel eine Trendwende an den Märkten eingeleitet hat. „Die Beschlüsse werden als geeignet erachtet, den Euro nachhaltig zu stabilisieren“, sagte er. Die Gefahren, dass andere Länder etwa durch die Probleme in Portugal angesteckt würden, seien deutlich gesunken. Der EU-Gipfel hatte einen Krisenbekämpfungspakt mit einem dauerhaften ESM beschlossen, der mit einem effektiven Kreditvolumen für Krisenländer von rund 500 Milliarden Euro ausgestattet ist.

Schäuble: "Vertrauen ist vorhanden"

„Wie die Reaktionen der Finanzmärkte zeigen, ist das Vertrauen, dass das Paket umgesetzt wird, vorhanden“, sagte Schäuble: „Das Problem der Ansteckungsgefahr, das letztes Jahr dominierend war, ist im Augenblick deutlich geringer.“

Schäuble machte klar, dass Portugal seine Spar-Zusagen erfüllen müsse: „Ob es das mit oder ohne Beistand durch den EFSF macht, ist eine Sache, die die Portugiesen selbst entscheiden können.“ Auch Spanien habe beachtliche Reformmaßnahmen auf den Weg gebracht. Das Land werde vom Kapitalmarkt wieder positiver beurteilt. Mit Blick auf Irland sagte er, wenn die Regierung die Konditionen für die Kredite des provisorischen Euro-Rettungsschirms EFSF neu verhandeln wolle, müsse sie aufzeigen, wo sie zusätzliche Maßnahmen ergreifen wolle: „Das ist eine klare Voraussetzung, der Ball liegt bei den Iren.“

Ratingagentur: Rettungsschirm erhöht Risiko eines Zahlungsausfalls

Schäubles Einschätzungen über die Beschlüsse des EU-Gipfels scheinen die Ratingagenturen nicht zu teilen. Fitch bemängelte, das dauerhafte Hilfeinstrument ESM biete nur langfristig eine effektive Basis für Krisenlösungen. Die künftigen Bonitätseinstufungen der Euro-Zone würden davon kaum beeinflusst. Kurzfristig erhöhe der Schirm sogar das Risiko für den Zahlungsausfall eines Euro-Mitglieds in der Peripherie des Währungsraumes.

Im Falle Irland sind für Fitch die Rezession und mögliche weitere Banken-Hilfen das Hauptrisiko. Für den Fall Portugal vertrat Fitch die Auffassung, ein Antrag auf EU/IWF-Rettungshilfen könnte die Glaubwürdigkeit in die Reformbemühungen des Landes verbessern. Ohne dies aber drohe eine weitere Abwertung der Kreditwürdigkeit des Landes.

Weitere Herabstufungen nicht ausgeschlossen

Die Rating-Agentur S&P hatte Portugals und Griechenlands Bonität erneut abgewertet. Portugal werde wohl nicht ohne Hilfe von außen herumkommen, erklärte die Agentur. Zudem habe der jüngst geschnürte Euro-Rettungsschirm die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Griechenland seine Schulden umstrukturieren muss – und zwar auch zu Lasten seiner privaten Gläubiger. Weitere Herabstufungen wurden nicht ausgeschlossen.

Der neue irische Wirtschaftsminister rechnet damit, dass die großen irischen Banken bald neues Kapital brauchen. „Wir müssen erwarten, dass die Stresstests die Notwendigkeit nach frischem Kapital zeigen werden“, sagte er dem „Handelsblatt“. Und er kündigte an: „Wir müssen und wir werden reinen Tisch machen“, kündigte er an.

In Medienberichten ist von einem Kapitalbedarf der irischen Banken von 18 bis 23 Milliarden Euro die Rede. Dabei setzt das Land offenbar auf weitere Unterstützung durch die Europäische Zentralbank.

Vertrauen der Deutschen in den Euro erschüttert

Die Schuldenkrise in Europa hat das Vertrauen der Deutschen in den Euro erschüttert. In einer Umfrage gaben nur noch 55 Prozent der Befragten an, dass der Euro langfristig eine erfolgreiche Währung sein werde. 2008 – vor Ausbruch der Krise – hatte dieser Wert noch bei 78 Prozent gelegen.

In der von der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichten Umfrage des Ipsos-Instituts im Auftrag des Bankenverbandes stimmten zudem 31 Prozent der Aussage zu, die EU-Mitgliedschaft bringe Deutschland eher Nachteile. Das ist der höchste Wert seit 1994.