Auf Rolls-Royce kommen erhebliche Kosten zu. Von den bislang mit dem RR-Triebwerk Trent 900 ausgerüsteten Großraumflugzeugen A380 müssen nach Angaben der Fluggesellschaft Qantas weltweit etwa 40 Turbinen ausgetauscht werden. Dies sei das Ergebnis von Gesprächen mit Airbus und Rolls-Royce, sagte Qantas-Chef Alan Joyce. Damit müssen allerdings nicht alle 84 Triebwerke getauscht werden. Laut Qantas-Chef Joyce sind die Triebwerke von Rolls-Royce in den vergangenen Monaten modifiziert worden. Die festgestellten Ölprobleme, die möglicherweise auch zu dem Triebwerksexplosion am 4. November in Singapur geführt hatten, traten nur bei der älteren Baureihe auf.

Lufthansa muss nach eigenen Angaben nur ein einziges A380-Triebwerk des britischen Herstellers austauschen. Die größte deutsche Fluggesellschaft hat mittlerweile vier A380 in der Flotte.

Insgesamt sind weltweit 21 A380-Maschinen mit je vier solcher Triebwerke im Einsatz. Die restlichen 16 Riesenairbus sind mit anderen Motoren ausgestattet. Emirates, der größte A380-Kunde weltweit, ist deswegen gar nicht von der Austauschaktion betroffen. Aus Kreisen verlautete, Singapore Airlines, mit einer Flotte von elf A380-Maschinen, könne letztlich zum Austausch von etwa zwei Dutzend Triebwerken gezwungen sein. Quantas könnte mit rund zwölf Stück betroffen sein.

Bei Qantas waren Anfang November die Triebwerksprobleme eskaliert: Damals war während eines Qantas-A380-Fluges ein Trent-900-Triebwerk von Rolls-Royce wegen eines Öllecks explodiert. Die Maschine mit mehr als 450 Menschen an Bord musste in Singapur notlanden. Es wurde niemand verletzt.

Bei der Lufthansa führten die nachfolgenden Untersuchungen dazu, dass bei einem Triebwerk ein anderes Problem festgestellt worden war. Das Triebwerk wurde ersetzt. Damit tauscht die größte deutsche Fluggesellschaft insgesamt zwei der Antriebe in ihrer A380-Flotte aus. Sobald die entsprechenden Teile vom Hersteller Rolls-Royce verfügbar seien, werde der Austausch stattfinden, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Bis dahin werde die Maschine weiterfliegen, da es durch die engmaschigen Kontrollen keine Bedenken gegen den weiteren Einsatz des Flugzeugs gebe. Der Austausch dauert mit allen Tests rund 15 Stunden und kann in der Regel während der Bodenzeiten durchgeführt werden. Alle weiteren 15 Antriebe der Lufthansa hätten bereits modifizierte Module aus einer neuen Fertigungsreihe eingebaut, sagte der Konzern-Sprecher.

Qantas hat seine sechs A380 seit dem Zwischenfall am Boden. Es ist unklar, mit welchen Kosten die Pause zu Buche schlagen wird. Die Analysten von JPMorgan gehen davon aus, dass der Ausfall der A380-Flotte Qantas pro Woche bis zu 20 Mio. Dollar kostet. Für Qantas ist die Stilllegung der Flotte ökonomisch ein Desaster. Das Problem verschärft sich dadurch, dass die A380 mit Passagieren gefüllt wird, die überwiegend mit Zulieferflügen transportiert werden. „Das gesamte Flugnetz der Gesellschaft zerreißt, wenn es nicht gelingt, die A380-Flugzeuge durch andere Großraummaschinen zu ersetzen. Diese sind wiederum im Augenblick kaum verfügbar“, erklärt Gerd Pontius, Chef der Unternehmensberatung Prologis.

Rolls-Royce muss sich also auf erhebliche Schadenersatzforderungen einstellen. Denn auch Airbus will den britischen Triebwerkshersteller in die Pflicht nehmen. Ein Sprecher sagte: „Für die Kosten, die bei Airbus dadurch anfallen, werden wir volle Kompensation von Rolls-Royce verlangen.“ Zu den genauen Summen machte er keine Angaben, sprach aber von „erheblichen Kosten“. Vorerst sollen firmeneigene Austauschtriebwerke Produktionsengpässe beim Bau des A380-Megaflieger vermeiden helfen. Diese Antriebe sollen den neu gebauten Fliegern nur für Überführungsflüge zwischen den Airbus-Standorten Toulouse und Hamburg unter die Tragflächen geschraubt werden. In Hamburg, wo die A380 ihre Lackierung und Innenausstattung erhält, würden die Motoren dann wieder abmontiert und für die nächsten A380-Überführungsflüge nach Toulouse gebracht.

mit Reuters