Er würdigt seinen ehemals „besten Freund“ keines Blickes. Als Udo Schneider den Gerichtssaal B173/I im Münchner Landgericht betritt, marschiert er schnurstracks zum Zeugenstuhl. Der Angeklagte Ulrich Schumacher, früherer Vorstandschef des Dax-Konzerns Infineon, vertieft sich in seine Papiere. Nur ab und zu schaut er auf, wenn Schneider berichtet, er habe eine „wunderschöne Zeit“ mit Schumacher und dessen Vorstandskollegen Andreas von Zitzewitz auf den spektakulärsten Rennstrecken der Welt gehabt. Die drei liebten den Rennsport.
Freunde sind „der Uli“ und „der Udo“ nicht mehr. So bestätigte Schneider vor Gericht die Anklage, nach der er Schumacher mehrere Hunderttausend Euro in bar zugesteckt habe. Schumacher ist wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, Untreue, versuchten Betrugs und Steuerhinterziehung angeklagt. Der frühere Topmanager hatte zum Prozessauftakt erklärt, nie käuflich gewesen zu sein.
„Es ging um Aufträge von Infineon“, begründete Schneider, warum er Schumacher geschmiert habe. Er organisierte mit seiner Firma BF Consulting für den Chiphersteller Kundenveranstaltungen bei Autorennen und vermittelte Sponsoringaufträge. Er habe eben das lukrative Geschäft am Laufen halten wollen. Auch sei er froh gewesen, dass er „mit den großen Hunden mal mitpinkeln“ durfte.
Allerdings mehren sich nach dem dritten Verhandlungstag die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des wichtigsten Belastungszeugen: „Wann? I don’t know“, „Das kann sein, das weiß ich nicht“, „Auch das ist möglich“ – Schneider fiel vor allem mit seinem lückenhaften Gedächtnis auf. So konnte er sich nicht erinnern, dass er von Schumacher 100.000 Euro offenbar für den Verkauf eines Porsches kassierte. Auch dass er einen Darlehensvertrag über 400.000 Euro unterzeichnete, war seinem Gedächtnis entwichen. Hatte er noch in einer früheren Vernehmung gesagt, Schumacher in München 122.895 Dollar in einer Plastiktüte übergeben zu haben, sagte er nun: „Ich habe dem Herrn keine krummen Beträge gegeben.“ Zahlen seien allerdings nie seine Welt gewesen. „Ich kann mir meine Autonummer merken.“
Schneider und Schumacher, beide Rheinländer, kennen sich seit mehr als zehn Jahren. Der Motorsport brachte sie zusammen. Sie fuhren gemeinsam Rennen, kauften zusammen Oldtimer. Schneider wurde 2006 wegen Bestechung zu vier Jahren Haft verurteilt. Seit 2007 ist er aus der Haft entlassen. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er eine eidesstattliche Erklärung abgab, in der er Infineon-Vorstand Zitzewitz der Bestechlichkeit beschuldigte. Die Lawine kam ins Rollen. Später änderte er seine Aussage und belastete auch Schumacher.
Richter Peter Noll verlas einen Vertrag zwischen Schneider und Infineon. Danach verzichtet der Chipkonzern auf Schadenersatzansprüche gegen Schneider, wenn dieser bei der Aufklärung der Machenschaften mithelfe. Eine „Fangprämie“, wie es einer von Schumachers Anwälten nannte. Schneider, der einräumte, früher gelogen zu haben, beteuerte nun, diesmal die Wahrheit zu sagen. Er sei auf Bewährung und wisse, was eine Falschaussage bedeute. „Ich gehe keinen Tag mehr ins Gefängnis“



