Der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp hat grünes Licht für den größten Konzernumbau bei dem Stahlproduzenten seit dem Zusammenschluss von Thyssen und Krupp in den 90er-Jahren gegeben. Konzernchef Ekkehard Schulz sagte in Düsseldorf, die Neuordnung solle die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens mittel- und langfristig verbessern und Entscheidungsprozesse beschleunigen. Der Konzern reagiere damit die weltweite Konjunkturkrise.

Die bislang fünf Konzernsparten Stahl, Edelstahl, Dienstleistungen, Industriegüter und Aufzüge sollen im Rahmen der Neuordnung in nur noch zwei Teile zusammengefasst werden. So sollen mehrere hundert Arbeitsplätze in der Verwaltung eingespart werden. Insgesamt rechnet der Konzern dadurch mit Einsparungen bis zu 500 Millionen Euro jährlich.

Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter soll es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. „Betriebsbedingte Kündigungen werden nicht erfolgen“, hieß es in einer von Konzernbetriebsratschef Thomas Schlenz verbreiteten Erklärung der Arbeitnehmerseite. Schlenz sagte, die Arbeitnehmerseite habe dem Umbau im Aufsichtsrat unter Bedingungen zugestimmt.

Für Personalmaßnahmen sei ein Katalog von „beschäftigungswirksamen Instrumenten“ vereinbart worden, hieß es weiter. Dieser beinhalte unter anderem das sozialverträgliche Ausscheiden von „rentennahen“ Jahrgängen. Zudem solle es nicht zu Einkommensverlusten im Zuge des Umbaus kommen. Das Verhandlungsergebnis sei in einem Eckpunktepapier festgeschrieben worden. Der Vorstand solle zudem ein Gesamtkonzept bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 13. Mai vorlegen. Diese Punkte müssten eingehalten werden.

ThyssenKrupp-Chef Schulz räumte indes eigene Fehler ein. „Auch ich habe Fehler gemacht“, sagte der 67-Jährige. Ob es daraus Konsequenzen gebe, sei Sache des Aufsichtsrates. Als Beispiel nannte er die Kostenexplosion bei dem geplanten Stahlwerk in Brasilien. „Wir hätten möglicherweise in Brasilien eher eingreifen solle.“ Für die Überschreitung des Budgets trage auch er die Verantwortung. ThyssenKrupp beziffert die Kosten für das Werk mittlerweile auf 4,5 Milliarden Euro, nachdem es zunächst drei Milliarden Euro kosten sollte. Mit einem weiteren Anstieg der Kosten rechne er aber nicht, sagte Schulz.

AP/Reuters/dma