Österreich und Südosteuropa

Rotes Sparkassen-Logo droht zu verschwinden

Der Sparkassenverband verlangt von den Nachbarbanken mehr Geld für die Nutzung des Firmenzeichens. Die weigern sich – und montieren ab.

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Dem Deutschen Sparkassenverband (dsgv) droht ein herber Rückschlag. In 3300 Filialen in Österreich und Südosteuropa könnte demnächst das Logo der Gruppe, das rote „S“, abgehängt werden. Damit hätten die deutschen Sparkassen in ganz Ost- und Südosteuropa ihr sichtbares Aushängeschild verloren. Hintergrund ist ein Konflikt um die Lizenzgebühren für das bekannte Logo.

Dsgv-Präsident Heinrich Haasis wollte die weitere Expansion der österreichischen Erste Group in Osteuropa dazu nutzen, mehr Geld in seine Kassen zu spülen – doch die Österreicher stellen sich quer. Es soll dabei um eine Summe von rund zehn Millionen Euro jährlich gehen, erfuhr „Morgenpost Online“ aus informierten Kreisen. Diese Summe könnte dem dsgv künftig verloren gehen. Offiziell bezeichnet der deutsche Verband die Summe als „aus der Luft gegriffen“, bestätigt jedoch, dass die Gespräche zu keiner Einigung geführt haben.

Von Streit ist angeblich keine Rede

Zwar sind beide Seiten bemüht, den Konflikt herunterzuspielen: „Es gibt keinen Streit“, sagt etwa Christian Achilles, Sprecher des dsgv. Und auch der Präsident des Österreichischen Sparkassenverbandes Michael Ikrath ist um eine Entspannung der Lage bemüht: „Der dsgv ist ein bewährter Partner. Wir sind ja eine Familie.“ Doch dann kommt der entscheidende Nachsatz: „Aber wie in jeder guten Familie kann es auch einmal zu Meinungsverschiedenheiten kommen.“ Und, wie so oft bei Familienzwist, geht es auch hier um Geld und Macht.

Seit über zehn Jahren gibt es einen Vertrag über die Nutzung des Sparkassenlogos zwischen dem dsgv und dem österreichischen Sparkassenverband. Die Deutschen sind Lizenzgeber, die österreichischen Sparkassen beziehen Sublizenzen über ihren Verband. Auch die die börsenotierte Wiener Erste Group benutzt das rote Logo. Das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen tritt auch als eigenständiges Unternehmen in Österreich und Osteuropa auf.

Eine Million Euro zahlt die Erste Group jährlich für die Nutzung des roten „S“ in ihren Filialen. Und das sind mittlerweile 3300 Filialen in 13 Ländern in Ost- und Südosteuropa, darunter die Tschechische Republik und Rumänien.

Vor einiger Zeit hat der dsgv ein Gutachten von einer Schweizer Beratung erstellen lassen, welches den Markennutzungswert auf 50 Millionen Euro taxiert haben soll. Der dsgv will diese Zahl zwar nicht bestätigen, dementiert sie jedoch auch nicht.

Der dsgv will mehr Geld

Als die Erste Bank ihre Expansion in der Ukraine und in Moldawien fortführte, wollte der dsgv – mit Blick auf den erheblichen Markenwert – eine Anpassung der Lizenzgebühr erreichen. Seit über einem Jahr laufen bezüglich der Erweiterung der Lizenz Gespräche. Denn in der bisherigen Vereinbarung sind diese beiden Länder nicht erfasst. „Wir haben lange versucht, zu einer Erweiterung des Vertrages für diese Märkte zu kommen, aber wir sind gescheitert“, sagt Michael Ikrath.

Schon zum ersten April werden in der Ukraine die roten S-Logos abmontiert und durch rote Quadrate ersetzt, wie auf der Hompepage der ukrainischen Erste-Bank-Tochter zu lesen ist. Auch auf Briefen und in E-Mails werde das S jetzt nicht mehr benutzt, bestätigt ein Sprecher der Erste Group „Morgenpost Online“. Doch damit nicht genug. Der Vorstand der Erste Group hat kürzlich in einer Vorentscheidung beschlossen, in allen Filialen der Gruppe das Logo des dsgv abzuhängen. Damit sind nicht nur die ukrainsichen und moldawischen, sondern auch alle anderen Filialen betroffen.

Markenumstellung auch in Österreich?

Auch in Österreich droht nun eine Markenumstellung: „Die Gespräche mit den Sparkassen haben bereits begonnen, ob auch sie das Logo ändern wollen“, sagte Michael Ikrath. Zwar läuft der Lizenzvertrag für Österreich noch bis 2020 – und ist obendrein kostenlos. Doch dass die Österreicher mit zwei verschiedenen Logos arbeiten, ist schwer vorstellbar. „Unser klares Ziel ist, weiterhin mit einer Marke aufzutreten“, so Ikrath. Allerdings sind die Sparkassen eigenständige Unternehmen und müssen die Entscheidung selbst tragen.

Der dsgv gibt sich trotz des sich anbahnenden Verlusts der weiten Verbreitung der Marke gelassen: „Wenn die Erste Group das Logo nicht nutzen möchte, ist das ihre Entscheidung“, sagt dsgv-Sprecher Achilles. Entgegen der Darstellung des österreichischen Verbandes, sagt Achilles, dass es bei der Meinungsverschiedenheit nicht in erster Linie um Geld gehe. „Wir haben nicht mehr Geld gefordert, sondern wollten eine Anpassung für die Erweiterung der Nutzung anhand der bisherigen Berechnungsmethode. Darüber hinaus hatten wir den Wunsch, dass der Auftritt im Ausland auch den inhaltlichen Kriterien nach der Marke entspricht.“

Von inhaltlichen Kriterien spricht in Österreich niemand. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dort, dass es schließlich die Österreicher gewesen seien, die den Markenwert durch die Expansion gesteigert hätten. Und wenn jemand zahlen müsse, so wohl die Deutschen, weil sie davon profitieren würden. Dass der dsgv quasi als Dank dafür noch mehr Geld wolle, stößt auf Widerwillen. Christian Achilles will dieses Argument nicht gelten lassen: „Dass ein Lizenznehmer zur Profilierung beiträgt ist generell nichts Ungewöhnliches, trotzdem ist ein anderer der Eigentümer.“