Buffett und Soros

Wie die Finanz-Gurus Milliarden verdienten

Die Profi-Investoren Warren Buffett und George Soros feiern ihren 80. Geburtstag. Ihre Biografien sind Lehrbücher für Anleger.

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Warren Buffett und George Soros werden in diesem Monat 80 Jahre alt. Beide verdienten Milliarden am Kapitalmarkt und beide spenden Milliarden für gute Zwecke. Der direkte Vergleich zeigt jedoch, wie unterschiedlich der Weg zum Investment-Erfolg sein kann.

Kindheit und Karriere

George Soros wurde am 12. August 1930 in Budapest geboren. Sein eigentlicher Name war Dzjchdzhe Shorash. Zu seinem Vater Tivadar, einem Rechtsanwalt, hatte er ein gutes, aber distanziertes Verhältnis. 1944 musste sich seine jüdische Familie vor den deutschen Nationalsozialisten verstecken, die Ungarn besetzt hielten. Mit siebzehn Jahren verließ er seine Heimat und ging nach London. Die erste Zeit in London war hart: Jobs als Kellner im Stadteil Mayfair, Erntehelfer auf dem Land, immer wieder kurz vor der Pleite.

1952 immatrikulierte er sich an der London School of Economics. 1956 zog Soros nach New York, wurde Analyst, beriet amerikanische Finanzinstitute bei europäischen Wertpapieren, ab 1963 beispielsweise den Broker Arnhold & S. Bleichroeder. 1967 wurde er dort Leiter der Research-Abteilung. Drei Jahre später gründete er seinen eigenen Fonds und wurde damit einer der ersten großen Hedgefonds-Manager der Welt.

Warren Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha/Nebraska geboren. Die Finanzwelt war ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater Howard war Broker, später Kongressabgeordneter. Und der Umgang mit Zahlen fiel ihm leicht. Mit fünf verkaufte Warren Kaugummis vor dem Haus seiner Eltern. Mit elf Jahren erwarb er seine ersten Aktien. Später hatte er unter anderem einen Job als Zeitungsausträger. Mit 14 investierte er 1200 Dollar (er hatte jeden Cent gespart) in 16 Hektar Farmland in Nebraska.

Buffetts Zukunft war vorgezeichnet. Unter einem Foto von seinem Highschool-Abschluss steht: „Mag Mathe…ein künftiger Broker.“ Sein Vater überredete ihn zum Studium an der Wharton School of Finance an der University of Pennsylvania. Doch Warren langweilte sich: „Ich weiß mehr als die Professoren!“ Deren Theorien beinhalteten zu wenig Einzelheiten, aus denen man Geld machen könne. 1951 schließlich Master in Economics an der Columbia University in New York. Buffett wurde Analyst bei Graham-Newman. Mit 25 gründete er seine erste Investmentgesellschaft (Buffett Partnership). Verwandte und Bekannte steuerten Geld bei, die Jahresrendite lag bei fast 30 Prozent.

Das Privatleben der Profi-Investoren

1961 heiratete Soros die deutschstämmige Annaliese Witschak, Ende der 70er-Jahre geriet die Ehe jedoch in eine Krise. Soros lebte nur noch für seinen Fonds. 1978 trennte er sich von Annaliese, mit der er drei Kinder hat. 1981 ließ er sich scheiden, 1983 heiratete er Susan, mit der er heute zwei Kinder hat. Als der Pastor bei der Hochzeit fragte, ob er „all seine irdischen Güter“ mit seiner Braut teilen werde, sei Soros weiß wie die Kirchenwand geworden, wurde in Zeitungen berichtet. Soros gibt gerne Partys zu Hause und lädt Künstler, Geschäftsleute und Politiker ein.

Buffett heiratete 1952 Susan Thompson. Eine klassische Provinzbeziehung: Sie stammte ebenfalls aus Omaha, ihre Eltern kannten sich. Bis zu Susans Tod im Juli 2004 blieben sie verheiratet, ab 1977 lebten sie allerdings getrennt. Sie haben drei Kinder. Noch heute lebt Warren in demselben Haus in Omaha, das er 1958 für 31.500 Dollar gekauft hatte (heute schätzungsweise 700.000 Dollar wert).

Die Fonds der Finanz-Strategen

Den ersten Quantum Fund gründete Soros 1970 gemeinsam mit Jim Rogers. Zunächst bestand die Investorenschaft aus einer konspirativen Runde wohlhabender Anleger. Sitz seiner Fonds waren stets Offshore-Finanzzentren. Der Erfolg der Quantum-Fonds war enorm. Von 1969 bis Anfang der 1990er-Jahre erzielten sie 50.000 Prozent Wertzuwachs. Schon früh nutzte Soros Leerverkäufe, um von fallenden Kursen zu profitieren. Teilweise ging er extreme Risiken ein und setzte fast das gesamte Geld für Währungswetten ein.

1969 löste Buffett seinen Investmentpool auf. Die heftigen Kursbewegungen der 60er-Jahre waren ihm nicht geheuer. „Ich bin auf dieses Marktumfeld nicht eingestimmt“, sagte er. Er nutzte eine ältere Beteiligung am Textilkonzern Berkshire Hathaway als neue Fondsplattform. Fortan kaufte er Anteile an Unternehmen. Der durchschnittliche jährliche Wertzuwachs von Berkshire Hathaway liegt seit 1969 bei mehr als 21 Prozent.

Ihr größter Deal und ihr größter Fehlgriff

Endgültig weltweite Berühmtheit erlangte Soros im September 1992. Das britische Pfund war an andere europäische Währungen gekoppelt und geriet unter Druck, da die britische Wirtschaft schwächelte. Soros hielt das Pfund für überbewertet und tauschte geliehene Pfund in D-Mark und Franc. Am 16. September gab die Notenbank gezwungenermaßen den Wechselkurs wieder frei – das Pfund fiel, und Soros gewann fast eine Milliarde Dollar. Eine der lukrativsten Investitionen von Buffett war 1973 die Washington Post Company und später der Kauf des Süßwarenherstellers See’s Candies.

1981 war das einzige Jahr, in dem der Soros-Fonds Verluste machte – nämlich 22,9 Prozent. Doch 1987 musste Soros seinen größten Tages-Verlust verschmerzen – einen dreistelligen Millionenbetrag. Er hatte in den fallenden Markt hinein US-Aktien verkauft. Im Jahr 2008 kaufte Buffett ConocoPhillips-Aktien. Der Energiekonzern verlor jedoch rasant an Wert, da die Öl- und Gaspreise ins Rutschen kamen. Berkshire soll mehrere Milliarden Dollar verloren haben. Auch die Finanzkrise hinterließ Spuren. Fehlinvestionen in Aktien ließen seinen Firmenanteil 2008 und 2009 um 25 Milliarden Dollar im Wert schrumpfen.

Ihr Credo

Soros haderte lange Jahre mit einer Karriere als Philosoph. Was unser Denken bestimmt, wie verzerrt unserer Wahrnehmung ist und wie sich das auf Wirtschaft und Nationalstaaten auswirkt – diese Fragen faszinierten ihn. Was den Kapitalmarkt angeht, lautete sein Credo: Unvollkommenes Wissen und die Erwartungen der Marktteilnehmer spielen eine große Rolle. Die Kurse spiegeln keine Mischung aus Angebot-Nachfrage-Verhältnis, Psychologie und Halbwissen wider. Zwischen dem, was Marktteilnehmer wahrnehmen, und dem, was wirklich geschieht, klafft eine Lücke. So wird die Wahrnehmung der Aktionäre selbst zu einem Fakt, der die Kurse beeinflusst. Die Aufgabe besteht darin, herauszufinden, wann die Lücke zwischen beeinflusster Realität und echter Realität besonders weit auseinanderklafft.

Die Hauptversammlungen von Berkshire galten lange Zeit als das „Woodstock für Kapitalisten“. Buffett hielt unterhaltsame Reden, die Aktionäre feierten ihn als Guru. Sein Anlagegrundsatz fußt auf dem Vergleich des Börsenwerts eines Unternehmens mit dessen innerem Wert, also Kennzahlen wie dem Liquidationswert des Unternehmens, dem Kurs-Buchwert-Verhältnis, dem Verschuldungsgrad und so weiter. Allerdings wich er im Laufe des Jahres von der mathematischen Betrachtung etwas ab und folgte weichen Faktoren wie der Integrität des Managements. Wichtig ist ihm auch, wie „großartig“ die Geschäftsidee einer Firma ist. Derivate bezeichnet er als „Massenvernichtungswaffen“.

Ihr Vermögen und ihre Verpflichtungen

Laut Forbes-Liste hat George Soros rund 14 Milliarden Dollar – Platz 35 im Welt-Ranking. Buffetts Vermögen wird auf 47 Milliarden Dollar geschätzt. Damit liegt er auf Rang drei hinter Carlos Slim (53,5 Milliarden) und Bill Gates (53 Milliarden Dollar). Sein Vermögen besteht allerdings zu 99 Prozent aus der Beteiligung an Berkshire Hathaway. Sein Gehalt als Firmenchef lag meistens zwischen 100.000 und 200.000 Dollar pro Jahr.

Stets versuchte Soros, vor allem in Osteuropa oppositionelle Gruppen mit Wissenstransfer aus dem Westen zu unterstützen: Sprachkurse, Stipendien, etwa 1984 mit einer Stiftung in Ungarn. Auch nach der Wende spendete er viele Hundert Millionen in den politischen Aufbau. Immer wieder äußerte er sich öffentlich zum Nahostkonflikt, zum Bosnienkrieg, heute bevorzugt zur globalen Wirtschaftslage. 2004 versuchte er mit Spenden, die Wiederwahl George W. Bushs zu verhindern. Vor Kurzem kündigte Soros an, die Hälfte seines Vermögens der Initiative „The Giving Pledge“ von Bill Gates und Warren Buffett zu spenden.

Ende der 60er-Jahre machte sich Buffett stark für eine Legalisierung von Abtreibungen. Ansonsten trat er größtenteils als Spender für wohltätige Organisationen auf. Seit 2006 werden nach und nach 30 Milliarden Dollar an die Bill & Melinda Gates Foundation überwiesen. Buffett ist Mitinitiator der „The Giving Pledge“-Initiative, bei der Reiche die Hälfte ihres Vermögens spenden.

Zum Teil stammen die Angaben aus der Biografie „George Soros“ von Robert Slater, Finanzbuch Verlag 2009