Untersuchung

BP hätte die Ölkatastrophe verhindern können

Eine von Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission hat das Unglück im Golf von Mexiko untersucht – und wirft BP nun schwere Fehler vor.

Der britische Ölkonzern BP hätte die Explosion seiner Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon“ und die anschließende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nach Ansicht einer Untersuchungskommission verhindern können. Der Konzern habe gleich mehrfach die Ursachen des Unglücks übersehen, heißt es in dem Untersuchungsbericht. BP kritisierte derweil die Entschädigungen für die Katastrophe als zu hoch.

Die von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission war den Ursachen für die Explosion der Bohrinsel nachgegangen, die elf Menschen das Leben kostete und in deren Folge rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer liefen. Ursache für den Defekt und die anschließende Explosion war demnach die Einfassung des Bohrlochs aus Zement. Diese wurde vom US-Ölförder-Ausrüster Halliburton hergestellt und war laut Untersuchungsbericht schon bei einem Test kurz vor der Explosion negativ aufgefallen.

Die Ingenieure an Bord der Bohrinsel hätten aus der Untersuchung der Bohrloch-Einfassung aber nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Ein während der Tests anwesender BP-Fachmann sei nicht zu Rate gezogen worden, auch sei die Eignung des auf der Plattform befindlichen Halliburton-Ingenieurs seit langem angezweifelt worden. Die Leitung der Bohrinsel habe "unplausible Erklärungen für die Testergebnisse“ akzeptiert. Zudem seien Verantwortlichen bei BP seit Jahren Probleme mit der Qualität der Arbeit von Halliburton bekannt gewesen.

Auch direkt vor der Explosion der Bohrinsel handelten die BP-Angestellten dem Untersuchungsbericht zufolge nicht richtig. Rund eine Viertelstunde vor dem Unglück sei eine Unregelmäßigkeit beim Druck des Bohrlochs nicht aufgefallen. Bei weiteren Unregelmäßigkeiten, die das Personal bemerkt habe, seien wiederum nicht die richtigen Konsequenzen gezogen worden.

BP kritisierte indes in einem 25-seitigen Bericht den Verwalter des Entschädigungsfonds für die Opfer der Ölkatastrophe, Kenneth Feinberg. Dieser setze mögliche zukünftige Schäden zu hoch an, beklagte der Konzern. BP argumentierte, es gebe "keine glaubwürdigen Argumente dafür, einen künstlich hohen Faktor für künftige Verluste anzusetzen, der vollkommen auf der Unsicherheit über Zukunftsaussagen basiert und von der reinen Möglichkeit ausgeht, dass künftige Schäden entstehen könnten“.

BP selbst hatte Feinberg vor acht Monaten zum Verwalter des Entschädigungsfonds ernannt. Dieser geriet auch unter Druck der Opfer der Ölkatastrophe: Diese kritisierten, die künftigen Risiken würden unterschätzt. Feinberg hatte vorgeschlagen, für 2011 eine Entschädigung in Höhe von 70 Prozent des 2010 entstandenen Schadens und für 2012 in Höhe von 30 Prozent zu zahlen. BP hält hingegen 50 und 25 Prozent für angemessen. Der Konzern betont, der Dezember 2010 sei etwa die beste Krabbenfang-Saison seit fünf Jahren gewesen und der Tourismus habe sich von der Katastrophe wieder erholt.