Viele Studenten sind heute auf Achse wie Fernfahrer: Die Familie im Heimatdorf, die Freundin in einer anderen Stadt – man muss mobil sein, um das alles unter einen Hut zu bekommen. Doch Reisen kostet, vor allem mit der Deutschen Bahn.

Da muss eine Alternative her, dachten die drei BWL-Studenten Christian Janisch, 28, Alexander Kuhr, 26, und Ingo Mayr-Knoch, 25. Ihre Idee: eine Mitfahrzentrale im XXL-Format. Der Name des daraus entstandenen Start-ups: „DeinBus.de“. „Es geht darum, Leute über das Internet zu organisieren. Dann fahren wir sie in gemieteten Reisebussen von Stadt zu Stadt. Das ist umweltfreundlich, billiger als die Bahn und verlässlicher als die Mitfahrzentrale“, erklärt Christian Janisch das Konzept. Klingt simpel – und das ist es auch. Die Reisewilligen wählen im Internetportal eine Strecke. Wenn 15 Leute fahren wollen, mieten Janisch und seine Kollegen einen Bus an. Dann geht's los, zu günstigen Preisen: Je nach Auslastung kostet die Strecke Frankfurt–Köln mit dem Bus zwischen neun und 15 Euro. Ohne Bahncard 50 kostet der Intercity knapp das Dreifache.

Bis der erste Bus losrollte, mussten die drei Jungunternehmer sich durch einen dichten Paragrafendschungel schlagen. Eine Gesetzeslücke musste her. Denn nach dem „Personenbeförderungsgesetz“ aus dem Jahr 1934 darf eine neue Fernbuslinie nur an den Start gehen, wenn „eine wesentliche Verbesserung“ zu bestehenden Eisenbahnstrecken entsteht. Das Resultat: Fernbusstrecken zwischen deutschen Großstädten sind bisher kaum erlaubt – weil die Bahn schon fährt. „DeinBus.de“ umgeht das Problem, indem die Plattform rechtlich nur zwischen Reisewilligen und Busunternehmer vermittelt. Als Privatperson darf man natürlich Busse mieten. „Das ist alles echt kompliziert, deshalb hat Alexander über unsere Idee ja direkt mal seine Bachelor-Arbeit geschrieben“, sagt Janisch.

Unterstützung der Universität

Die Uni als Gründerwerkstatt. Bei den drei jungen Reiseunternehmern trifft das zu. Ihre Professoren an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen hätten sie stets wohlwollend begleitet, sagt Janisch – von der ersten Projektskizze bis zur Umsetzung. „Alle haben gesagt, wir sollen es machen. Sogar die Behörden.“ Aber auch wenn in den Amtsstuben gelächelt wurde, Geld vom Staat gab es für das Start-up nicht. Das Startkapital haben sich die drei Gründer von Freunden und Verwandten geliehen. Das macht schlaflose Nächte, auch heute noch, knapp ein Jahr nach dem Start. „Wir haben 60-Stunden-Wochen und arbeiten viel am Wochenende“, sagt Janisch. Im neuen Offenbacher Büro ist er der Mann für Marketing und Pressearbeit. Sein Konzept: „Wir setzen auf eine Mischung aus PR und Promotion in sozialen Netzwerken. Facebook ist uns sehr wichtig, da gibt es viel Feedback und wir kommen mit den Reisenden in Kontakt.“

Ein Großteil der rund 300 Menschen, die jetzt Woche für Woche mit „DeinBus.de“ reisen, sind Studenten. Aber es kämen immer mehr andere Gruppen hinzu, sagt Janisch. Ausländer, die Fernbusse aus anderen Ländern kennen. Rentner, die es schätzen, dass der Busfahrer ihr Gepäck verstaut.

In den nächsten Jahren wollen die drei von der virtuellen Bushaltestelle vor allem wachsen. Janisch ist überzeugt, dass „DeinBus.de“ eine große Zukunft hat. Die Deutsche Bahn sieht das anders: Inzwischen läuft der Prozess Deutsche Bahn gegen „DeinBus.de“. Der Mega-Konzern verklagte das Drei-Mann-Unternehmen. Das Argument: Die Firma betreibe Linienverkehr, der in Konkurrenz zur Bahn stehe. Verlieren Janisch und seine Kollegen, droht „DeinBus.de“ das Aus.

Weitere Informationen und Buchungen unter: www.deinbus.de