Was jetzt noch in den Lagern liegt, soll raus, so schnell wie möglich. Quelle verramscht die letzte Ware. 18 Millionen Artikel sind noch übrig beim insolventen Versandhändler, heute startet der Ausverkauf, vier bis sechs Wochen dürfte er dauern - und damit enden die Gewissheiten für die Belegschaft. 2000 Mitarbeiter hatten am Freitag ihren letzten Arbeitstag - oder doch noch nicht? Die Verwirrung ist groß. Manche dürfen nie mehr an den Arbeitsplatz zurück, andere können noch bleiben. Aber viele wissen nicht, zu welcher Gruppe sie gehören. "Niemand hier weiß, ob er am Montag kommen muss oder nicht", klagt eine 45-Jährige aus der Einkaufsabteilung.
Zudem fehlten gekündigten Mitarbeitern wichtige Papiere, ohne die sie kein Arbeitslosengeld bekommen, so ist zu hören. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bekommt Kritik von der Gewerkschaft Ver.di und von den Kirchen, er habe die Sache nicht im Griff. "Das ist menschenverachtend, das grenzt an Folter", sagt ein Mitarbeiter der Evangelischen Kirche.
Thomas Schulz, Sprecher des Insolvenzverwalters, schießt zurück: "Die Kritik trifft in Wahrheit die Mitarbeiter der Personalabteilung, die seit Wochen am Limit und darüber hinaus arbeiten. Diese Kritik ist eine Unverschämtheit!" Görg könne nicht einfach Mitarbeiter aus anderen Abteilungen ins überlastete Personalwesen umsetzen, "hier wird mit sensiblen Daten gearbeitet". Dass jedoch am Freitag Kündigungen ausgesprochen wurden und die Betroffenen schon am Montag nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssten, das bestritt Schulz nicht.
Die Sache ist komplizierter, als sie manchen erscheint: 3900 Quelle-Mitarbeitern wurde tatsächlich schon gekündigt - oder sie haben selbst die Kündigung eingereicht. Für die meisten endet die Kündigungsfrist erst am 31. Januar 2010. Weil Quelle Deutschland nur noch Reste verkauft und die Gehaltskasse ohnehin leer ist, werden viele schon jetzt nicht mehr gebraucht. Sie bekommen die sogenannte Freistellung und brauchen am Montag nicht wiederzukommen. Das betrifft rund 1900 Frauen und Männer.
Rund 1100 Mitarbeiter können noch bleiben und bestreiten ab dem heutigen Sonntag um sechs Uhr den wohl größten Schlussverkauf, den das Land je erlebt hat. 1000 Laster brauchte man für den Transport der verbliebenen Ware, vertrieben wird sie über das Internet, die verbliebenen Quelle Technik Center und die Quelle Shops.
Auf Mode gibt es 30 Prozent Rabatt, auf Möbel und Wohnaccessoires 20 Prozent und auf Technikwaren noch zehn Prozent. "Solange der Vorrat reicht", verspricht der Insolvenzverwalter.





