Der Wettbewerb auf dem Berliner Energiemarkt wird härter: Die Gasag, größter Gasversorger der Hauptstadt, wird von 2011 an auch Strom Privatkunden verkaufen. „Wir wollen in Berlin von uns produzierten Strom anbieten“, sagte Vorstand Andreas Prohl Morgenpost Online. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Unternehmen 100.000 Stromkunden in der Stadt gewinnen. Dafür investiert die Gasag insgesamt 50 Millionen Euro.
Der Einstieg der Gasag ist pikant. Platzhirsch auf dem Strommarkt der Hauptstadt ist Vattenfall Europe mit rund 1,5 Millionen Kunden. Die deutsche Tochter des schwedischen Energiekonzerns ist allerdings mit knapp 32 Prozent an der Gasag beteiligt. Zwar plant Vattenfall den Verkauf der Gasag-Beteiligung, derzeit ist aber kein Käufer in Sicht. Nachdem beide Unternehmen schon im Wärmemarkt miteinander konkurrieren – Vattenfall mit Fernwärme, die Gasag mit Gas – verschärft sich nun der Wettbewerb der beiden Berliner Energiekonzerne weiter. Bemerkenswert ist, dass die Gasag den Strom selbst produzieren will. Dazu sollen in zahlreichen Häusern der Stadt Anlagen der sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) aufgestellt werden. Dabei wird in einem Kessel Gas verbrannt und neben der Wärme auch Strom erzeugt. „Die Hauseigentümer bekommen die Wärme zum selben Preis wie bisher. Gleichzeitig wird Strom produziert, und den bieten wir den Mietern an“, sagte Prohl.
Dafür schließt die Gasag Verträge mit Berliner Wohnungsbaugesellschaften. Zuerst können die Mieter eines Hauses, in dem eine KWK-Anlage steht, den Strom beziehen sowie Verbraucher, die in einem Umkreis von vier Kilometern um die Anlage herum wohnen. Das Unternehmen will aber schnellstmöglich flächendeckend mit seinen KWK-Anlagen in der Stadt vertreten sein, um möglichst allen Haushalten in der Hauptstadt elektrische Energie verkaufen zu können. „Da wir in Berlin sehr viele Kunden haben, können Sie davon ausgehen, dass wir allen Berlinern ein Stromangebot machen werden“, sagte Prohl. Seinen Worten zufolge unterhalte man bereits Geschäftsbeziehungen zu allen Berliner Wohnungsgesellschaften „egal, ob privat, städtisch oder genossenschaftlich“. Den Gasag-Strom werde man „fünf Prozent unterhalb des Standardtarifs“ anbieten, sagte der Gasag-Vorstand. Das Vergleichsprodukt für den Berliner Markt ist der Vattenfall-Tarif „Berlin Klassik“ mit einem Grundpreis von 5,90 Euro pro Monat und 19,98 Cent je Kilowattstunde.
In den nächsten Jahren will die Gasag ihr Stromangebot schrittweise erweitern. Prohl zufolge sind weitere Produkte denkbar, etwa aus Biogas und Sonnenlicht gewonnene Energie. Derzeit baut die Gasag in Mariendorf die größte Photovoltaik-Anlage der Hauptstadt mit einer Leistung von bis zu zwei Megawatt.




