Erinnert sich noch einer an die Zeit von Roland Kochs Abschied vom Amt des Hessischen Ministerpräsidenten? Sofort wurde spekuliert, dass er zum Bauriesen Bilfinger Berger wechseln könne. Mit der Erfahrung eines Vollblutpolitikers, der glaubt, dass das Geschwätz von gestern die Medien morgen nicht mehr interessiert, hat Koch seine Sprecher damals dementieren lassen. Nun wird er trotzdem Herr am Bau. An der Börse, die darauf achtet, wie sehr sich Manager an ihre Versprechen halten, könnte so ein Verhalten viel Vertrauen zerstören.

Trotzdem: Gäbe es nicht Kochs kommunikative Nebelkerzen, ließe sich gegen seinen Wechsel nicht viel einwenden. Sicher, seine Gegner werden jetzt monieren, die Wahl der Firma habe ein Geschmäckle, weil Bauunternehmen nicht zuletzt von öffentlichen Aufträgen leben. Und davon hat Koch in seiner Amtszeit ja auch so einige verteilt. Nur, machen wir uns nichts vor: Viele andere Industriebereiche leben davon, dass ihre Interessen in der Politik ein offenes Ohr finden. Kochs Feinden wird der Wechsel also immer einen Ansatzpunkt zur Kritik bieten.

In ihrem Kern ist diese Mäkelei scheinheilig. Längst ist klar, dass die Wand zwischen Politik und Wirtschaft zu undurchlässig ist. Selten gehen Politiker den Weg in ein Unternehmen. Noch seltener findet man Manager später im Parlament. Auch deshalb fehlt Entscheidungsträgern in Berlin meist das Verständnis, welche Folgen ihre Gesetze für Wirtschaft und Arbeitsplätze haben. Firmenlenker dagegen begreifen häufig nicht, dass politische Veränderungen nur per demokratischer Mehrheitsfindung und anders als in ihren Unternehmen eben nicht par ordre de Mufti zu organisieren sind.

Vor diesem Hintergrund ist fast jeder Wechsel von der einen auf die andere Seite zu begrüßen. Denn die Qualität von Entscheidungen in beiden Bereichen kann dadurch nur besser werden.