Bahnreisende müssen am Dienstagmorgen mit massiven Störungen im Nah- und im Fernverkehr rechnen. Durch einen Warnstreik bei der Deutschen Bahn und sechs großen privaten Eisenbahnunternehmen seien „erhebliche Störungen im gesamten Schienenverkehr“ zu erwarten, teilten die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA am Montag mit. Die Gewerkschaften riefen jedoch nur zu zeitlich befristeten Streiks auf, „um die Beeinträchtigungen für Bahnreisende möglichst gering zu halten“. Die Warnstreiks sollen zwei bis drei Stunden andauern. Regionaler Schwerpunkt des Arbeitskampfes ist zwar Bayern. Alle größeren Städte seien davon betroffen, sagte ein GDBA-Sprecher. Die Auswirkungen seien im kompletten Bundesgebiet zu spüren.
Damit soll den Arbeitgebern signalisiert werden, dass es die Gewerkschaften „in der Sache ernst“ meinten, teilten die Bahngewerkschaften mit. Im Wochenverlauf wird mit weiteren Arbeitsniederlegungen gerechnet. Kämen die Verhandlungen nach dem ersten Warnstreik nicht in Bewegung, seien „weitere Arbeitskampfmaßnahmen unausweichlich“, hieß es weiter.
150.000 Fahrgäste betroffen
In Berlin und Brandenburg sind nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) täglich 150.000 Reisende im Regionalverkehr auf der Schiene unterwegs. Allein im Regionalexpress RE1 (Magdeburg–Frankfurt/O.) der Deutschen Bahn fahren an Werktagen bis zu 45.000 Menschen. Neben den roten Zügen der Deutschen Bahn könnten auch die Linien der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), einer Tochter von Benex und Arriva, sowie der Veolia-Tochter Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) betroffen sein.
In der S-Bahn wird es eng
Obwohl die Berliner S-Bahn eine Tochter der Deutschen Bahn ist, bleibt sie von Streiks verschont. Ihre Mitarbeiter haben aber eigene Tarifverträge, die von dem aktuellen Konflikt nicht betroffen sind. Allerdings könnte es in den Zügen voll werden. Viele Regionalbahn-Pendler werden wohl notgedrungen umsteigen – in die teils ohnehin bereits verkürzten S-Bahn-Züge.
Fernverkehr möglicherweise betroffen
Auch die Reise mit einem ICE dürfte nicht in jedem Fall reibungslos ablaufen. Der Warnstreik zielt zwar auf den regionalen Bahnverkehr. Allerdings sollen sich auch die Beschäftigten in den Werkstätten und Stellwerken an dem Ausstand beteiligen. "Daher ist mit Auswirkungen im Fernverkehr zu rechnen“, sagte Transnet-Sprecher Michael Klein Morgenpost online.
Gewerkschaften fordern Branchentarifvertrag
Der Arbeitskampf richtet sich gegen die Deutsche Bahn (DB) und ihre privaten Konkurrenten. Bundesweit sollen neben der DB auch die sechs großen privaten Konkurrenten Veolia, Abellio, Arriva, Benex und Keolis sowie die Hessische Landesbahn bestreikt werden. Die Gewerkschaften wollen einen Branchentarifvertrag erkämpfen und damit nach eigenen Angaben verhindern, dass der Wettbewerb auf der Schiene über die Löhne der Beschäftigten ausgetragen wird. Die privaten Bahnunternehmen wollen allerdings bislang an den regional unterschiedlichen Einkommenniveaus festhalten. Die Deutsche Bahn ist zu einem Branchenvertrag bereit, wenn das darin festgelegte Tarifniveau das des Bahnkonzerns nicht zu stark unterschreitet.
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