Teure Flüge

Middelhoff verweist bei Spesen auf Schickedanz

Jährliche Flugkosten von 800.000 Euro, ein eigener Jet selbst bei Kurzstrecken: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht wegen seiner Reisespesen heftig in der Kritik. Nun rechtfertigt er sich auf Morgenpost Online. Die Flüge seien überprüft – und von Großaktionärin Madeleine Schickedanz sogar gefordert worden.

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Der frühere Chef des insolventen Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, wehrt sich gegen neue Vorwürfe im Zusammenhang mit seinen hohen Reisekosten und dem Sponsoring der Universität Oxford. Middelhoff soll allein im Jahr 2006 Flugkosten von 800.000 Euro angehäuft haben.

Der Manager beruft sich auf eine Aufforderung von Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Sie habe ihn gebeten, aus Sicherheits- und Effizienzgründen keine Linienflüge mehr zu buchen, sondern einen Charterjet zu nehmen, sagte er Morgenpost Online.

„Es gab eine offizielle Vereinbarung zwischen dem Aufsichtsrat und mir darüber, dass ich privat fliegen soll. Das wurde dann auch Teil meines Anstellungsvertrages“, sagte Middelhoff . „Das war keine Forderung von mir, das wurde vom Pool Schickedanz an mich heran getragen.“

Seine dienstlichen Flüge seien zudem alle drei Monate vom Wirtschaftsprüfer BDO und vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates geprüft worden. Es habe keine Beanstandungen gegeben. Private Flüge mit Challenge Air habe er selbstverständlich auch privat bezahlt, sagte er der Zeitung weiter.

Auch im Fall des mit rund 1,5 Millionen Pfund dotierten Vertrages mit der Universität Oxford sieht Middelhoff keine Unregelmäßigkeiten. Unmittelbar nach der Übernahme des britischen Reiseveranstalters MyTravel durch die damalige Arcandor-Tochter Thomas Cook 2008 war der Sponsoring-Vertrag geschlossen worden.

„Es ging uns darum, englischsprachige Talente zu bekommen. Wenn man in den Gremien in Oxford sitzt, kann man mögliche Nachwuchskräfte gezielt ansprechen und für das eigene Unternehmen rekrutieren“, sagte Middelhoff Morgenpost Online. Bei Arcandor habe es an solchen Talenten gemangelt.

„Das Oxford-Engagement war im Übrigen um ein Vielfaches günstiger, als es vergleichbare Aufträge an Personalberater geworden wären“, sagte Middelhoff.

Middelhoff war zunächst Aufsichtsratschef und dann von Mai 2005 an Vorstandsvorsitzender.